Ein kurzer Stich, ein winziger Fremdkörper und schon beginnt die Suche mit Pinzette und Nadel. Doch der Versuch, einen Splitter um jeden Preis herauszubekommen, kann ihn abbrechen oder noch tiefer ins Gewebe befördern. Wie man richtig vorgeht, hängt nicht nur davon ab, wo der Splitter sitzt, sondern auch davon, woraus er besteht.
Sei es ein Holzspan beim Heimwerken, ein Dorn bei der Gartenarbeit oder ein kaum sichtbares Glasstück im Fuß. Dringt ein Fremdkörper durch die Haut, reagiert das Gewebe mit Schmerzen auf die Verletzung. Bleibt Material zurück, kann daraus eine anhaltende Entzündungsreaktion entstehen. Vor allem Holz und pflanzliche Fremdkörper sollten nach Möglichkeit vollständig entfernt werden, da sie stärkere Gewebereaktionen und Infektionen begünstigen können. Je tiefer der Splitter liegt und je schlechter er zu sehen ist, desto größer wird das Risiko, durch wiederholtes Drücken, Quetschen oder Stochern zusätzliches Gewebe zu verletzen.
Erst schauen, dann ziehen
Ragt ein Teil des Splitters noch aus der Haut, sind die Voraussetzungen für eine unkomplizierte Entfernung meist gut. Die Hände und die betroffene Hautstelle sollten zunächst gereinigt werden. Mit einer sauberen Pinzette lässt sich der Fremdkörper möglichst nah an der Eintrittsstelle greifen und vorsichtig herausziehen. Nach der Entfernung genügt zur Reinigung einer kleinen Fremdkörperwunde in der Regel sterile Kochsalzlösung oder ein mildes Antiseptikum.
Ist das Ende des Splitters gerade noch unter einer dünnen Hautschicht sichtbar, kann es vorsichtig freigelegt werden. Eine saubere, desinfizierte Nadel kann dabei helfen, die oberste Hautschicht über der Spitze anzuheben, damit der Fremdkörper mit der Pinzette gefasst werden kann. Ist nicht mehr eindeutig zu erkennen, wo der Fremdkörper verläuft, sollte nicht auf Verdacht in der Haut gesucht werden.
Organisches Material und Glas
Nicht nur die Tiefe entscheidet über das Vorgehen, auch das Material macht einen Unterschied. Holz, Dornen und andere pflanzliche Bestandteile lösen vergleichsweise leicht Entzündungsreaktionen aus. Hinzu kommt, dass sie brechen können und kleine Fragmente im Gewebe zurückbleiben. Organisches Material sollte daher möglichst vollständig entfernt werden.
Glas verhält sich dagegen weitgehend inert, kann aber aufgrund seiner Transparenz schwer zu erkennen sein. Gerade bei einem vermeintlich kleinen Glasstück im Fuß ist blindes Suchen mit einer Nadel keine gute Herangehensweise. Tief liegende Fremdkörper können bei Bedarf mittels bildgebender Verfahren durch Ärzte lokalisiert werden, Ultraschall kann beispielsweise bei der Lokalisierung nach bestimmten Fremdkörpern helfen.
Einweichen und Zugsalbe
Ein warmes Hand- oder Fußbad gehört zu den bekanntesten Tipps bei Splittern. Bei verhornter oder fester Haut kann kurzes Einweichen die oberste Hautschicht weicher machen und einen sehr oberflächlich liegenden Fremdkörper leichter zugänglich machen. Stundenlanges Einweichen ist dagegen keine Methode, mit der ein tiefsitzender Splitter „herausgezogen“ werden kann.
Auch Zugsalben werden häufig empfohlen, wenn ein Splitter tiefer liegt. Präparate mit Ammoniumbituminosulfonat werden bei entzündlichen Hautprozessen eingesetzt. Die Vorstellung, eine Salbe könne einen tiefsitzenden Holz- oder Glassplitter jedoch aus dem Gewebe „ziehen“, ist nicht korrekt. Auch sie können die Hornschicht aufweichen und entzündliche Prozesse hemmen, wodurch sich oberflächliche Splitter möglicherweise leichter entfernen lassen. Tief sitzende Fremdkörper ziehen sie jedoch nicht mechanisch aus dem Gewebe.
Häufige Fehler
Vor allem Quetschen ist verlockend: Von beiden Seiten Druck ausüben und hoffen, dass der Splitter herauskommt. Das kann aber das Gegenteil bewirken. Der Fremdkörper kann abbrechen oder tiefer ins Gewebe gedrückt werden. Auch ein Messer oder eine Klinge haben bei der Entfernung eines vermeintlich kleinen Splitters zu Hause nichts zu suchen. In schwerwiegenden Fällen sollte unbedingt ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.
An Tetanus denken
Bei einer kleinen Holzverletzung denkt kaum jemand zuerst an den Impfstatus. Dennoch gehört bei Fremdkörperverletzungen auch der Tetanus-Impfschutz zur Beurteilung. Dabei ist ein verbreitetes Missverständnis wichtig: Nicht Rost oder Metall an sich verursacht Tetanus, sondern die Sporen des Bakteriums Clostridium tetani über eine Wunde in den Körper gelangen können. Verletzungen mit Fremdkörpern und verschmutzte beziehungsweise tiefere Wunden können mit einem erhöhten Risiko verbunden sein.
Auch bei Splittern am oder im Auge, tief unter einem Nagel, in unmittelbarer Nähe zu Gelenken oder bei größeren Glasfragmenten ist Zurückhaltung gefragt. Fremdkörperverletzungen am Auge gehören in fachkundige Hände, da Verletzungen der Hornhaut oder tiefer liegender Strukturen drohen können.
