Säuglingsnahrung: Kritik an stillem Rückruf wegen Cereulid


Viktoria Gamsjäger

Symbolbild: Eine Babyflasche mit Rassel. Daneben steht ein Gefäß mit Milchpulver.
Erneut werden Chargen von Säuglingsnahrung zurückgerufen.netrun78/AdobeStock_443287685

Nun ruft ein weiterer Konzern potenziell verunreinigte Babynahrung zurück. Betroffen sind vereinzelte Chargen der Produkte Aptamil Pronutra und Aptamil Profutura. Grund für den Rückruf ist der mögliche Nachweis des Toxins Cereulid. Foodwatch Österreich übt scharfe Kritik am Vorgehen der Firma Danone: Eltern seien zunächst tagelang beruhigt worden, bevor die betroffenen Produkte offiziell zurückgerufen wurden.

Kritik an Rückruf

Foodwatch Österreich übt scharfe Kritik am Umgang von Danone mit dem Rückruf der betroffenen Babymilchprodukte. Die Konsumentenschutz-organisation wirft dem Unternehmen vor, zunächst einen möglichen Rückruf dementiert, die Sicherheit der Produkte betont und sogar eine Rücknahme entsprechender Aussagen gefordert zu haben, bevor wenige Tage später genau diese Produkte offiziell zurückgerufen wurden.

„Dass Danone jetzt selbst jene Produkte zurückruft, über die wir bereits am Mittwoch berichtet haben, spricht für sich“, sagt Indra Kley-Schöneich, Geschäftsführerin von foodwatch Österreich. „Was vor wenigen Tagen noch dementiert wurde, ist nun Realität. Eltern wurden trotz möglicher Gefahr nicht informiert – und das ist inakzeptabel.“

Besonders problematisch sei, dass Eltern trotz potenzieller Gesundheitsgefahr nicht umgehend informiert worden seien und auf der Unternehmenswebsite bis kurz vor dem Rückruf noch Entwarnung gegeben wurde. Foodwatch kritisiert widersprüchliche Kommunikation, verspätete Information und einen möglichen Verstoß gegen das EU-Lebensmittelrecht, das bei Gesundheitsrisiken eine sofortige öffentliche Warnung vorschreibt. Gerade bei Säuglingsnahrung sei ein solches Vorgehen inakzeptabel, da Babys zu den verletzlichsten Bevölkerungsgruppen zählen und jede Verzögerung ein unnötiges Gesundheitsrisiko darstelle.

Betroffene Chargen

Der Rückruf der Firma Danone erfolgt in Abstimmung mit den österreichischen Behörden und betrifft ausschließlich die folgenden Chargen:

  • Aptamil Pronutra Pre, 1,2 Kilogramm
    Mindesthaltbarkeitsdatum: 19. November 2026
  • Aptamil Pronutra 1 DE, 800 Gramm
    Mindesthaltbarkeitsdatum: 10. November 2026
  • Aptamil Profutura Pre D, 800 Gramm
    Mindesthaltbarkeitsdatum: 20. April 2027 und 30. April 2027
Bilder der betroffenen Aptamil Chargen
Betroffen sind Produkte der Säuglingsanfangsnahrung von Aptamil.Danone DACH

Andere in Österreich erhältliche Aptamil-Produkte sind nicht betroffen.

Die AGES informiert: Sollten Eltern eines der genannten Produkte vorrätig haben, wird empfohlen, diese nicht weiter zu verfüttern und im jeweiligen Geschäft zurückzugeben. Der Kaufpreis wird auch ohne Kassenbon erstattet. Für Rückfragen steht der Verbraucherservice von Danone zur Verfügung.

Übeltäter Cereulid

Im aktuellen Rückruf steht jedoch insbesondere Cereulid im Fokus. Dieses stark emetisch wirkende Toxin wird von bestimmten Bacillus-cereus-Stämmen gebildet, wenn sie sich stark vermehren. Cereulid ist hitzestabil und kann schon in geringen Mengen zu ausgeprägter Übelkeit und Erbrechen führen, teils bereits 30 Minuten nach Aufnahme. In sehr seltenen Fällen wurden auch schwere Verläufe beschrieben. TARA24 hat bereits über frühere Chargen-Rückrufe Anfang Jänner berichtet.

OTS Foodwatch



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