Rötung, Brennen, wunde Stellen: Die Windeldermatitis gehört zu den häufigsten Hautproblemen im Säuglings- und Kleinkinderalter. Was oft wie eine allergische Reaktion wirkt, ist meist eine Folge des besonderen Milieus unter der Windel. Wärme, Feuchtigkeit, Reibung und Ausscheidungen treffen dort auf eine empfindliche Hautbarriere und können sie schnell aus dem Gleichgewicht bringen.
Die Haut im Windelbereich ist besonders belastet. Unter der Windel entsteht ein feucht-warmes Klima, das die oberste Hautschicht aufweichen kann. Mediziner sprechen dabei von Mazeration. Wird die Hautbarriere durch Feuchtigkeit und Reibung geschwächt, können Urin und Stuhl zusätzlich reizen. Vor allem Ammoniak, das beim Abbau von Harnstoff entsteht, kann die Haut weiter belasten. Die Folge: Die Haut rötet sich, wird wund, brennt und juckt.
Nicht immer eine Allergie
Viele Eltern denken bei plötzlich wunder Haut zuerst an eine Unverträglichkeit gegen Windeln oder Pflegeprodukte. Möglich ist das zwar, häufig liegt die Ursache aber banaler: zu viel Feuchtigkeit, zu wenig Luft, Reibung und wiederholter Kontakt mit Stuhl oder Urin. Auch Durchfall, häufigerer Stuhlgang, neue Lebensmittel, ein Wechsel der Windelmarke oder stark parfümierte Feuchttücher und Pflegeprodukte können eine bereits gereizte Haut zusätzlich strapazieren. Diese gut gemeinte Pflege kann die Haut reizen, wenn zu viele Produkte gleichzeitig verwendet werden oder Inhaltsstoffe wie Duftstoffe, Alkohol oder aggressive Reinigungssubstanzen dazukommen.
Besonders anfällig ist die Haut, wenn sie über längere Zeit feucht bleibt. Dann verliert sie einen Teil ihrer Schutzfunktion. Was zunächst als leichte Rötung beginnt, kann sich zu nässenden, wunden oder schmerzhaften Stellen entwickeln. Typisch sind Rötungen im Bereich von Gesäß, Genitalregion und Oberschenkeln. Je stärker die Hautbarriere geschädigt ist, desto leichter können sich zusätzliche Keime ansiedeln.
Windelsoor
Windeldermatitis ist daher weniger eine klassische „Erkrankung von außen“, sondern eher ein Zeichen dafür, dass die Hautbarriere im Windelbereich überfordert ist. Genau deshalb steht nicht nur die Behandlung der Rötung im Mittelpunkt, sondern vor allem die Entlastung der Haut.
Bleibt die Haut länger gereizt oder ist die bereits wund, können sich Pilze oder Bakterien leichter vermehren. Besonders der Hefepilz Candida albicans kann den entzündeten Windelbereich zusätzlich besiedeln. Dann spricht man von Windelsoor. Hinweise können sehr hartnäckige Rötungen, kleine Pusteln, nässende Stellen oder eine Ausbreitung über den eigentlichen Windelbereich hinaus sein. Windelsoor ist aber nicht mit jeder Windeldermatitis gleichzusetzen, er ist eher eine mögliche Komplikation, wenn die Hautbarriere bereits geschwächt ist.
Weniger Reizung, mehr Luft
Der wichtigste Schritt ist, das feucht-warme Milieu zu unterbrechen. Häufiges Wickeln, sanftes Reinigen mit Wasser und vorsichtiges Trockentupfen entlasten die Haut. Kurze windelfreie Phasen bringen Luft an die gereizten Stellen und können helfen, Feuchtigkeit zu reduzieren. Zinkoxidhaltige Pasten werden häufig eingesetzt, weil sie eine schützende Barriere bilden und die Haut vor weiterem Kontakt mit Feuchtigkeit, Urin und Stuhl abschirmen. Auch Dexpanthenol kann die Regeneration der Haut unterstützen. Kamille wirkt entzündungshemmend und ein Sitzbad mit Gerbstoffe wie Eichenrinde kann durch die adstringierende Wirkung Linderung verschaffen. Der Einsatz von antimykotischen Salben ist manchmal notwendig.
Entscheidend bleibt aber: Eine Salbe allein löst das Problem selten, wenn das feucht Milieu weiterbesteht. Meist bessert sich eine unkomplizierte Windeldermatitis, wenn die Haut konsequent entlastet wird. Bleiben die Beschwerden jedoch bestehen, verschlimmern sie sich oder entstehen offene, blutige oder stark nässende Stellen, sollte ärztlich abgeklärt werden. Das gilt auch, wenn die Ursache unklar bleibt, die Haut chronisch wund ist oder zusätzlich Fieber, starke Schmerzen oder ein reduzierter Allgemeinzustand auftreten.
