Winter vor der Tür: Apotheken sehen mehrere Baustellen


Redaktion

Symbolbild: Vor einer kranken Person liegen viele Medikamentenblister auf einem Tisch.
Für 43 Prozent der befragten Apotheken sind Impfungen in der Apotheke ein wichtiges Zukunftsthema, das auch dazu beitragen könnte, bevorstehende Krankheitswellen abzumildern.Photographee.eu/AdobeStock_75616354

Wie gut ist Österreich auf die bevorstehende Erkältungs- und Grippesaison vorbereitet? Geht es nach einer aktuellen Umfrage der ApoLife-Apothekengruppe, besteht noch deutlicher Aufholbedarf. Doch nicht nur die gesundheitliche Situation der Bevölkerung bereitet den Apotheken Sorgen. Auch die wirtschaftliche Entwicklung der eigenen Betriebe wird zunehmend kritisch gesehen.

Eine aktuelle Umfrage innerhalb der ApoLife-Apothekengruppe, der österreichweit 117 Apotheken angehören, zeichnet ein ernüchterndes Bild. Drei Viertel der Befragten halten die Bevölkerung für „nicht“ oder „nur wenig“ auf die bevorstehenden Krankheitswellen vorbereitet. Dazu zählen insbesondere Erkältungskrankheiten, Influenza und Covid-19. Lediglich eine Apotheke schätzt den Vorbereitungsstand der Bevölkerung als sehr gut ein.

Impfungen als Zukunftsthema

Eine mögliche Maßnahme zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung sehen viele Befragte in Impfungen direkt in der Apotheke. Für 43 Prozent stellt dieses Angebot ein wichtiges Zukunftsthema dar. Auch seitens der Kundschaft scheint Interesse zu bestehen: 21 Prozent der befragten Apotheken berichten, dass Kundinnen und Kunden bereits aktiv nach Impfungen in der Apotheke fragen.

Allerdings bestehen Zweifel an der tatsächlichen Umsetzung. Rund ein Viertel der Befragten geht davon aus, dass die politischen Rahmenbedingungen eine Einführung letztlich verhindern werden.

Auch die allgemeine Stimmung der Kundschaft wurde erhoben. Während 62 Prozent der Apotheken seit Jahresbeginn keine wesentliche Veränderung wahrnehmen, berichten 29 Prozent von einer spürbaren Verschlechterung.

Mag. Geisler steht in einer Apotheke. Er trägt einen beigen Anzug.
Martin Geisler spricht über steigende Kosten und sinkende Erträge in den Betrieben.ApoLife/ Cornelia Hermann

Steigende Kosten belasten Apotheken

Neben der bevorstehenden Erkältungssaison beschäftigt die Apotheken vor allem ihre wirtschaftliche Zukunft. Knapp 80 Prozent der Befragten sehen eine zunehmende Diskrepanz zwischen Umsatz- und Kostenentwicklung im Betrieb. Ebenso viele geben an, dass die steigenden Betriebskosten durch zusätzliche Umsätze nicht mehr ausgeglichen werden können.

Weitere 75 Prozent betrachten den Wettbewerb durch Online-Apotheken, ärztliche Hausapotheken und alternative Vertriebswege als erhebliche Bedrohung. Dabei wird insbesondere auf die unterschiedlichen regulatorischen Anforderungen und den Versorgungsauftrag öffentlicher Apotheken verwiesen.

Auch das veränderte Kaufverhalten macht sich bemerkbar. Jeder zweite Befragte beobachtet, dass Kundinnen und Kunden aufgrund begrenzter finanzieller Mittel zunehmend sparen. Gleichzeitig berichten 60 Prozent, dass sie die rückläufige Umsatzentwicklung deutlich spüren. Weitere 35 Prozent nehmen zumindest geringfügige Einbußen wahr.

Die wirtschaftlichen Herausforderungen wirken sich offenbar auch auf die Zukunftserwartungen aus. So befürchten 60 Prozent der Befragten, dass die Stellung der öffentlichen Apotheken im österreichischen Gesundheitswesen geschwächt werden könnte. Hoffnung setzen die Apotheken hingegen in Eigenmarken. 85 Prozent sehen insbesondere in den Produkten der ApoLife-Linie wirtschaftliches Potenzial.

Dringender Handlungsbedarf

Martin Geisler, Generalsekretär der ApoLife-Apothekengruppe, sieht angesichts der Umfrageergebnisse dringenden Handlungsbedarf: „Wer gedacht hat, dass zumindest die Apotheken eine ‚Insel der Seligen‘ in einem immer schwieriger werdenden wirtschaftlichen Umfeld bleiben, muss mit der schmerzlichen Wahrheit leben, dass das einfach nicht zutrifft. Offen bleibt, wie lange unsere Gesellschaft einer Entwicklung zusehen kann, bei der ein systemrelevanter Bereich des Gesundheitswesens in eine sehr ungewisse Zukunft geht.“

Er fügt hinzu: „Aus Sicht der Apotheken ist bereits ein Punkt erreicht, an dem gehandelt werden muss, und die wirtschaftliche Entwicklung der Apotheken bestätigt diese Sicht. Denn mit steigenden Kosten und zugleich sinkenden Erlösen können wir auf Dauer die Apotheken als niederschwellige Gesundheitsdienstleister, wie wir es gewohnt sind, sicher nicht erhalten.“



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