Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) gibt erneut ein Update zu den verunreinigten Chargen von Säuglingsnahrung. Sowohl die Zahl der detektierten Proben als auch der gemeldeten Cereulid-Erkrankungsfälle steigt weiter an: Mittlerweile sind 28 verunreinigte Proben bestätigt sowie 14 Erkrankungsfälle registriert.
Bekannt wurde die Verunreinigung verschiedener Säuglingsanfangsnahrungen bereits Anfang Jänner. Auslöser für die erorme Rückrufaktion war der Nachweis von Cereulid, einem Toxin, das vom Bakterium Bacillus cereus gebildet werden kann. Laut Herstellerangaben stammt die betroffene Zutat von einem Zulieferer. Für Apotheken ist vor allem relevant, dass derzeit keine über Apotheken vertriebenen Produkte betroffen sind und der Rückruf klar chargenbezogen erfolgt.
Sollte ein Kind innerhalb von sechs Stunden nach dem Konsum von Säuglingsnahrung typische Symptome (insbesondere Erbrechen) zeigen, sollen sich die Eltern unter Angabe des Produkts an die örtliche Lebensmittelaufsicht wenden. Bei einem Verdachtsfall mit anhaltenden oder schweren Symptomen ist darauf hinzuweisen, dass umgehend eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt kontaktiert werden soll.
Weitere Untersuchungen laufen
In einer Schwerpunktaktion der Behörden wurden mittlerweile 162 Proben Säuglingsnahrung von 15 verschiedenen Herstellern kontrolliert:
- 130 Proben enthielten keine bestimmbaren Mengen an Cereulid
- In 28 Proben wurde Cereulid nachgewiesen.
- Die meisten Werte liegen deutlich unter dem von der EFSA ermittelten Wert, bei dem gesundheitliche Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden können
- In allen Fällen handelte es sich um Produkte, die bereits von den Herstellern zurückgerufen wurden.
- Bei vier Proben steht das Ergebnis noch aus
Weitere Proben werden derzeit noch untersucht.
Vier neue Meldungen
Im epidemiologischen Meldesystem (EMS) wurden Anfang März 14 Erkrankungsfälle bei Säuglingen durch verunreinigte Cereulid-Chargen gemeldet (Stand 11.3.2026). Seit dem letzten Update der AGES sind somit vier neue Fälle hinzugekommen. Die höchste Aktivität bei den Meldungen wurde in den Kalenderwochen drei bis sieben verzeichnet. In dieser Zeit wurden elf der 13 Fälle registriert.
Drei Fälle gelten offiziell als bestätigt, elf Fälle als wahrscheinlich. Die Kinder sind zwischen zwei Wochen und drei Jahre alt. Drei der erkrankten Kinder mussten im Spital behandelt werden. Alle Kinder sind inzwischen wieder genesen. Die bisher letzte aufgezeichnete Erkrankung trat laut Informationen am 10. Februar auf. Auch die Anzahl der betroffenen Bundesländer erhöhte sich. Neben gemeldeten Fälle aus Wien, Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, Steiermark und Tirol kamen neue aus Oberösterreich dazu.
Anzeige gegen gegen Nestlé und Danone
Foodwatch Österreich hat vor Kurzem bei der Staatsanwaltschaft Wien Strafanzeige gegen Nestlé und Danone Österreich eingebracht. Im Zentrum der Anzeige stehen der Verdacht, gesundheitsgefährdende Lebensmittel in Verkehr gebracht zu haben, sowie der Verdacht einer Körperverletzung durch Unterlassung. Ziel ist es, umfassende Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft einzuleiten und mögliche Verantwortlichkeiten vollständig aufzuklären.
Für die Organisation stellt die Strafanzeige einen ersten Schritt dar. Weitere rechtliche Maßnahmen im Hinblick auf mögliche Schäden bei Betroffenen werden derzeit geprüft. Nach Rückrufen hat auch die Pariser Staatsanwaltschaft Mitte Februar fünf Ermittlungsverfahren eingeleitet.
