Warum Probiotika bei manchen Darmentzündungen besser als bei anderen helfen, hat eine Studie der Universität Bern und des Inselspitals an Mäusen gezeigt und dabei ergeben, dass die bereits vorhandene Darmflora eine wichtige Rolle spielt. „Die zentrale Frage lautet künftig nicht nur, welches Probiotikum verabreicht wird, sondern auch, auf welche Darmflora es trifft“, erklärte Studienleiter Professor Dr. Bahtiyar Yilmaz.
Im Darm leben Billionen von Bakterien, die unter anderem Nahrungsbestandteile umwandeln und dabei wichtige Stoffe für die Darmschleimhaut bilden. Probiotika sind Medikamente, die ein beschädigtes Darmökosystem unterstützen sollten. Sie werden beispielsweise beim Reizdarmsyndrom eingesetzt und bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa erforscht. Ihre Wirkung fällt jedoch unterschiedlich aus: Während manche Menschen davon profitieren, bleibt der Nutzen bei anderen gering oder aus. Welche Faktoren dafür entscheidend sind, ist bislang nur teilweise geklärt.
Tests an Mäusen
Um mehr darüber zu erfahren, hat das Berner Forschungsteam eine Mischung aus vier Bakterienstämmen an Mäusen mit experimentell ausgelösten Darmentzündungen getestet. Tiere, die auf die Behandlung ansprachen, verloren weniger Gewicht, zeigten geringere Krankheitszeichen und erlitten weniger Gewebeschäden. Ihre Darmflora blieb vielfältiger und stabiler.
Die Schutzwirkung der Mischung war am deutlichsten, wenn die Mäuse das Probiotikum bereits vor Beginn der Entzündung erhielten. Begann die Behandlung erst nach Einsetzen der Entzündung, fiel die Wirkung geringer aus. Bei wiederholten Entzündungsschüben nahm sie trotz fortgesetzter Gabe ab.
Ob sich die Erkenntnisse auf Menschen übertragen lassen, ist allerdings offen. Die Studie beschränkte sich auf ein Mausmodell mit chemisch ausgelöster Darmentzündung. Die Forschenden wollen die Ergebnisse deshalb in weiteren Tierversuchen und prospektiven Studien mit Menschen überprüfen. Die Studie wurde im Fachjournal „Cell Reports“ veröffentlicht.
APA
