Herpesviren befallen Menschen schon seit der Eisenzeit


Redaktion

Symbolbild: Eine DNA ist mit einem Virus dargestellt. Er legt sich an sie an.
Humane Herpesviren-6 sind in über 2.500 Jahre alten europäischen Skeletten nachweisbar.polesnoy/AdobeStock_357578361

Seit mindestens 2.500 Jahren befallen Herpesviren (HHV-6) die Menschen in Europa, fand die Wiener Anthropologin Meriam Guellil anhand von Skeletten aus der Eisenzeit, dem Mittelalter und von heute heraus. Sie verursachen bei Kindern ein Dreitagefieber mit Hautausschlag. Danach bleiben die Viren im Körper und können den Erwachsenen dieselben Symptome plus Hirn- und Herzmuskelentzündungen bescheren.

Erster Nachweis bei Mädchen in Eisenzeit

Die Forscherin vom Department für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien untersuchte mit internationalen Kollegen das Erbgut von rund 4.000 menschlichen Skelettresten, die Archäologen in ganz Europa ausgegraben hatten. Die erste Betroffene, die sie aufspürten, war ein junges Mädchen, das vor 3.100 bis 2.600 Jahren in der Eisenzeit im heutigen Italien lebte, berichtet Guellil in einer Aussendung. Auch bei Knochenproben etwa aus dem mittelalterlichen England und frühen historischen Russland konnte sie das Erbgut der Humanen Herpesviren-6 (HHV-6) nachweisen. Die Studie ist im Fachjournal „Science Advances“ erschienen.

Durchseuchung 90 Prozent

„HHV-6 infiziert fast 90 Prozent der menschlichen Bevölkerung irgendwann im Leben“, erklärt Guellil. Bei etwa jedem Hundertsten kann sich das Erbgut der Viren sogar in das menschliche integrieren und wird an die Kinder weitergegeben. Das war auch bei manchen der englischen Individuen der Fall, so die Forscherin: „Das macht sie zu den frühesten bekannten Trägerinnen und Trägern chromosomal integrierter Humaner Herpesviren.“

Latenz im Genom

Wie die meisten Herpesviren verbleiben auch die HHV-6-Viren nach der Infektion lebenslang latent im Wirt. Im Gegensatz zu allen anderen bekannten menschlichen Herpesviren baut sich HHV‑6 während der Ruhephase (Latenz) in das Erbgut der Wirtszelle ein. Andere menschliche Herpesviren bauen ihr Erbgut in der Regel nicht fest in die Chromosomen ein, sondern lagern es als eigenes, ringförmiges DNA‑Molekül (Episom) im Zellkern ab.

Diese Integration wird durch das Vorhandensein telomerähnlicher terminaler Wiederholungen (Repeats) in HHV-6A/B erleichtert. Diese Latenz findet in einer Vielzahl von Geweben statt, und die Viren lassen sich selbst nach einer Primärinfektion und anschließender Reaktivierung im Speichel nachweisen, berichten die Wissenschaftler. Das ist der Hauptmechanismus der Übertragung des Exanthema subitum („Dreitagesfieber“, roseola infantum), heißt es in dem Paper.

Dreitagefieber

Das Exanthema subitum oder Dreitagesfieber ist eine Viruserkrankung die sich mit Fieber und einem Hautausschlag äußert. Sie tritt im Kindesalter meist zwischen dem zwischen dem sechsten und 24. Lebensmonat auf. Die Erkrankung wird durch Speichel, Aerosole und nahen Körperkontakt übertragen und dauert typischerweise drei bis fünf Tage an. Neben einem Temperaturanstieg kann es zu Husten und Durchfall kommen. Nach Abfall des Fiebers kommt es zu dem typischen Exanthem, welches innerhalb von drei Tagen abklingt. Als Komplikation können Fieberkrämpfe auftreten und die betroffenen Kinder sind nach einer durchgemachten HHV-6 Infektion häufig noch längere Zeit abgeschlagen. Nach der Erstinfektion schlummert das Virus in den Speicheldrüsen. Wird das Immunsystem geschwächt kann es zu einer Reaktivierung des Virus mit Fieber, den typischen Exanthemen, einer Pneumonie, Enzephalitis und Myokarditis kommen.

Eine spezifische antivitale Therapie ist zumeist nicht notwendig. Eine Fiebersenkung kann mit Paracetamol oder Ibuprofen erfolgen. Bei schweren Verläufen nach Reaktivierung kann die Gabe eines Virostatikums wie Ganciclovir oder Cidofovir erwägt werden. Die Evidenz ist dazu jedoch nicht eindeutig gegeben.

APAMED



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