Nierenkrebs: Klinik Donaustadt testet Immuntherapie


Katharina Brand

Symbolbild: Ein DNA-Doppelstrang wird von einer Genschere berührt. Die Stelle glüht orange und Funken sprühen.
Bei Nierenkrebs könnte es bald einen therapeutischen Impfstoff geben. Nebenwirkungen und der Therapieaufwand könnten so reduziert werden.NongEngEng/AdobeStock_1673203916

Mit einer Impfung gegen Nierenkrebs startet die Klinik Donaustadt Ende des Jahres in eine großangelegte klinische Studie. Das Forschungsteam testet dabei an rund 400 Patient:innen eine Immuntherapie aus körpereigenem Tumormaterial. „Dass dieser Ansatz grundsätzlich funktioniert, konnte bereits gezeigt werden“, erklärt Martin Marszalek, Leiter der Abteilung für Urologie und Andrologie der Klinik Donaustadt.

Nach einer Nierentumor-Operation bleibt für viele Patientinnen und Patienten das Risiko eines Rückfalls bestehen. Die aktuelle Standardtherapie ist jedoch oft eine Belastung: Eingesetzte Medikamente führen häufig zu schweren Nebenwirkungen wie einer Schilddrüsenunterfunktion, die eine lebenslange weitere Behandlung erzwingt. 

Die neue Impftherapie an der Klinik Donaustadt soll das Rückfallrisiko minimieren, ohne die Lebensqualität massiv einzuschränken. Der Impfstoff arbeitet hochpersonalisiert: Jedem Betroffenen wird nach der Operation Tumorgewebe entnommen, um die Erbinformation des Krebses zu analysieren. Die Vakzine wird dann maßgeschneidert hergestellt, damit das Immunsystem verbliebene Krebszellen gezielt erkennt. Statt lebenslanger Medikamente könnten künftig lediglich klassische Impfreaktionen wie lokale Schwellungen auftreten. 

Jährlich rund 1300 Neuerkrankungen in Österreich 

Laut dem aktuellen österreichischen Krebsreport erkranken jährlich etwa 1300 Menschen neu an Nierenkrebs. Das Nierenzellkarzinom macht damit rund 3 Prozent aller Krebsneuerkrankungen aus. Besonders auffällig ist die Geschlechterverteilung: Mit etwa 900 Fällen sind Männer fast doppelt so häufig betroffen wie Frauen. 

Da die Früherkennung zunimmt, liegen die Heilungschancen bei rechtzeitiger Diagnose heute bei fast 80 Prozent. Wie die Experten der Klinik Donaustadt gegenüber dem Kurier betonten, markiert dies einen historischen Wendepunkt: Vor rund 30 Jahren lag die Sterblichkeit bei fortgeschrittenem Nierenkrebs noch bei etwa 80 Prozent innerhalb eines Jahres. 

Phase-III-Studie

Statt zeitintensiver Infusionen genügen beim neuen Therapieansatz wenige Injektionen. Aufgrund der individuellen Anpassung und der hohen Produktionskosten sei der Einsatz nach einer Zulassung allerdings vorrangig für Hochrisiko-Patienten vorgesehen. 

Die Klinik Donaustadt fungiert hierbei als eines der weltweit führenden Zentren dieser Phase-III-Studie, an der insgesamt rund 400 Personen im In- und Ausland teilnehmen. Erste Zwischenergebnisse erwartet Marszalek nach rund einem Jahr. 

Die meisten Betroffenen sind nach einer operativen Tumorentfernung geheilt. Dabei hat sich die Klinik Donaustadt auf Eingriffe mit dem Da Vinci-OP-Roboter spezialisiert. „Jährlich machen wir bei Nierentumoren rund 120 Eingriffe mit roboterassistierter Chirurgie, die es uns ermöglicht, auch sehr komplexe Nierentumore organerhaltend zu operieren“, erklärt Marszalek.



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