Sind alle hochverarbeiteten Lebensmittel schädlich?


Viktoria Anderle

Symbolbild: Mann schaut in Kühlschrank und will zwischen Paprika und Wurst entscheiden.
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Sind alle hochverarbeiteten Lebensmittel schlecht? Genau dieser Frage widmete sich eine Übersichtsarbeit von 14 Studien. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Während einige Produkte das Risiko für chronische Erkrankungen erhöhen, könnten andere sogar schützende Effekte haben.

Hochverarbeitete Lebensmittel sind aus dem modernen Alltag kaum mehr wegzudenken. Im Englischen werden sie als Ultra-processed Food (UPF) bezeichnet und umfassen industriell hergestellte Produkte mit mehreren Verarbeitungsschritten, zahlreichen Zutaten und Zusatzstoffen.

Zur Einordnung wird häufig die sogenannte NOVA-Klassifikation herangezogen, die Lebensmittel je nach Verarbeitungsgrad in vier Gruppen einteilt – von unverarbeiteten (Klasse 1) bis hin zu stark verarbeiteten Produkten (Klasse 4).

Bewertung der gesundheitlichen Auswirkungen

Die Übersichtsarbeit der Arbeitsgruppe um Hana Kahleova analysierte insgesamt 14 Studien, darunter prospektive Beobachtungsstudien sowie randomisierte klinische Studien. Untersucht wurden Zusammenhänge zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel und dem Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Körpergewicht sowie Sterblichkeit.

Die untersuchten Lebensmittel wurden dabei in verschiedene Gruppen eingeteilt, darunter süße Getränke, verarbeitete Fleischprodukte, Fette und Saucen, Süßwaren, pflanzliche Fleischalternativen, Getreideprodukte sowie Fertiggerichte.

Unterschiede zwischen den Lebensmittelgruppen

Die Ergebnisse zeigen, dass nicht alle hochverarbeiteten Lebensmittel gleich zu bewerten sind. Besonders süße Getränke, stark verarbeitete Fleischprodukte sowie Fette und Fertigsaucen standen konsistent mit einem erhöhten Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer erhöhten Sterblichkeit in Zusammenhang.

Auch Daten aus großen europäischen Kohortenstudien deuten darauf hin, dass insbesondere diese Produktgruppen maßgeblich zum negativen Gesundheitseffekt beitragen.

Mögliche schützende Effekte

Dem gegenüber stehen Lebensmittelgruppen, die trotz ihres hohen Verarbeitungsgrades mit einem geringeren Risiko für Erkrankungen assoziiert waren. Dazu zählen vor allem Vollkornprodukte, Frühstückscerealien und Brot sowie pflanzliche Fleisch- und Wurstalternativen. Ihr Verzehr ging mit einem geringeren Erkrankungs- und Sterberisiko einher.

Randomisierte Studien zeigen zudem, dass ein Ersatz tierischer Produkte durch pflanzliche Alternativen gesundheitliche Vorteile mit sich bringen kann, selbst wenn diese ebenfalls zu den hochverarbeiteten Lebensmitteln zählen.

Für Süßwaren und Desserts ergab sich hingegen kein einheitliches Bild, da die Ergebnisse stark von der jeweiligen Zusammensetzung der Produkte abhingen.

Fazit

Die Auswertung macht deutlich, dass hochverarbeitete Lebensmittel differenziert betrachtet werden müssen. Während bestimmte Produktgruppen klar mit gesundheitlichen Risiken verbunden sind, können andere, insbesondere pflanzenbasierte Alternativen und Vollkornprodukte, auch positive Effekte haben.

Das Paper ist unter dem Titel „Not all ultra-processed foods are created equal: a review“ im British Medical Journal (BMJ) erschienen.

MEDWISS.ONLINE



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