Folge 37: Faktencheck Importarzneimittel: Was steckt hinter dem „Parallelimport“?


Viktoria Anderle

Bei Lieferengpässen können Parallelimporte dazu beitragen, Versorgungslücken zu schließen. An der Tara werfen sie hin und wieder Fragen auf. Grund genug für einen kurzen Faktencheck: Was genau sind Parallelimporte, welche gesetzlichen Vorgaben gelten für sie und warum spielt die Sekundärverpackung eine so wichtige Rolle?

„Ein Parallelimport ist ein identisches Originalpräparat desselben Markenherstellers aus einem anderen EU-Land. Medizinische oder qualitative Unterschiede gibt es nicht, häufig ist das Arzneimittel aber günstiger“, fasst Ulrich Sekotill, Geschäftsführer von kohlpharma Österreich, zusammen. 

Die Primärverpackung, also Blister oder Spritzen, bleibt bei Parallelimporten ident. Lediglich die Sekundärverpackung wird für den jeweiligen Zielmarkt angepasst. Generika sind hingegen Nachahmerpräparate mit demselben Wirkstoff, die von einem anderen Hersteller produziert und eigenständig zugelassen werden.

Freier Warenverkehr ermöglicht Parallelimporte

Sekotill bevorzugt persönlich den Begriff Importarzneimittel, da das Wort „parallel“ den Eindruck erwecken könnte, dass die Arzneimittel am regulären Vertriebsweg vorbei importiert werden. „Tatsächlich kommen die Arzneimittel aus dem regulären Vertriebsnetz, nur eben aus einem anderen EU-Land“, erklärt er.

Die gesetzliche Grundlage für Importarzneimittel ist der freie Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union. Ziel ist es, nationale Märkte nicht voneinander abzuschotten und den Binnenmarkt zu stärken. Dadurch können Arzneimittel aus Ländern mit niedrigeren Preisen, etwa aus Frankreich, Griechenland oder den skandinavischen Ländern, nach Österreich importiert werden.

Gleiche Qualitätsstandards 

Dass Kund:innen an der Tara sagen „Ich will keinen Parallelimport, ich will das Original“, hält Sekotill für eher unwahrscheinlich. „Es handelt sich um dasselbe Originalpräparat und sogar die Packung sieht meistens komplett ident aus“, erklärt er.

Kommt es dennoch zu Fragen, könne man darauf hinweisen, dass Importarzneimittel denselben strengen Qualitätsanforderungen unterliegen wie der Originator selbst. Das gilt sowohl für die Produktion als auch für den Transport und die Lagerung. „Für alle gelten dieselben gesetzlichen Vorgaben, etwa die Good Manufacturing Practice (GMP) und die Good Distribution Practice (GDP).“

Sekundärverpackung als Herstellungsschritt

Diese GMP-Zertifizierung sei wichtig, um pharmazeutische Herstellungsschritte durchführen zu dürfen. Dabei gehe es Sekotill zufolge allerdings nicht um die Herstellung des Arzneimittels selbst: „Wir haben keine Galenik im Haus und füllen keine Tabletten in Blister. Wir beschäftigen uns mit der Sekundärverpackung, also etwa den Faltschachteln“, erklärt er weiter. Diese werden an die Anforderungen des jeweiligen Ziellandes angepasst und in deutscher Sprache ausgeführt. Anschließend bringen Parallelimporteure die Importarzneimittel in den pharmazeutischen Großhandel, der sie an Apotheken ausliefert.

Beim Einkauf empfiehlt Sekotill, die Konditionen genau zu prüfen: „Die niedrigeren Preise sind durchaus attraktiv im Einkauf. Gleichzeitig handelt es sich um ein komplexes Marktumfeld. Deshalb sollte man bei den Konditionen mit dem spitzen Bleistift nachrechnen“, führt er aus. Der Einkaufspreis verschiedener Händler allein lasse nicht automatisch Rückschlüsse auf die tatsächliche Marge für die Apotheke zu.

„Das Bewusstsein wird weiterhin zunehmen“

In der Podcast-Folge spricht Sekotill außerdem darüber, wodurch die Preisunterschiede zwischen Originator und Parallelimport entstehen, welchen Beitrag Importarzneimittel zur Arzneimittelversorgung leisten und warum die Nachverfolgung internationaler Warenströme mitunter an Detektivarbeit erinnert. Für die Zukunft ist er überzeugt: „Das Bewusstsein für Parallelimporte wird sicherlich weiterhin zunehmen.“

Zum Gast:

Herr Sekutill im schwarzen Anzug und blauer Krawatte.

Ulrich Sekotill ist der Geschäftsführer kohlpharma Österreich. Er war vormals Geschäftsführer bei Hexal Pharma und in gleicher Funktion bei Klosterfrau Healthcare jeweils verantwortlich für Österreich.

Seit 1. Juni vertreibt Kohlpharma hierzulande diverse Parallelimporte im österreichischen Markt. Das Sortiment soll in den nächsten Monaten deutlich ausgeweitet werden. Kohlpharma wurde 1979 von Edwin Kohl in Deutschland gegründet und ist seit über 45 Jahren im Bereich des Arzneimittelimports tätig. Das Unternehmen gilt als einer der ältesten und größten Akteure auf dem deutschen Importmarkt für Arzneimittel.



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