Die frühere Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky ist 63-jährig verstorben. Das erfuhr die APA aus ihrem Umfeld. Die Wienerin hatte seit Längerem an einer Krebserkrankung gelitten. In die Regierung hatte die Ärztin und Personalvertreterin vor fast 20 Jahren die ÖVP entsandt, später stellte sie ihre Expertise den NEOS zur Verfügung. Auch für das Land Burgenland war Kdolksy in ihren späteren Jahren tätig.
Kdolsky war als streitbare und wortgewaltige Interessensvertreterin bekannt geworden. Unter anderem war die Anästhesistin Vorsitzende der Hochschullehrer-Gewerkschaft. 2002 rief sie sogar zum Streikt gegen eine Uni-Reform auf. Erfahrung an den Hochschulen hatte sie reichlich, studierte sie doch vor Medizin auch Jus und Handelswissenschaften.
Später war sie Geschäftsführerin der niederösterreichischen Landeskliniken-Holding. Von dort wechselte sie 2007 für die ÖVP ins Kabinett von Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und war für Gesundheit und Familie zuständig.
Verließ ÖVP 2023
Die ÖVP verließ sie 2023, weil diese in Niederösterreich eine Koalition mit den Freiheitlichen einging. Bei den Regierungsverhandlungen zwischen ÖVP, SPÖ und NEOS im Bund beriet sie letztere in Gesundheitsfragen. Im Vorjahr kandidierte sie für die NEOS bei der Gemeinderatswahl in ihrer Heimatgemeinde Purkersdorf.
Noch heuer war sie im Auftrag des Landes Burgenland in der Planung eines Zentrums für Menschen mit Krebserkrankungen tätig. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) hatte ihr im Vorjahr die Leitung des „Maggie’s Center“ überantwortet.
Ihre Diagnose hatte sie vor zwei Jahren erhalten und ihren Kampf gegen den Krebs wiederholt auch öffentlich thematisiert.
Große Trauer bei NEOS und ÖVP
Beide Parteien, für die sie tätig gewesen war, bekundeten am Abend große Trauer über ihren Tod. NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger meinte in einer Aussendung, Kdolsky sei leidenschaftliche Ärztin, engagierte Politikerin und eine geschätzte Wegbegleiterin gewesen. Sie habe klare Worte gefunden und sich nie gescheut, auch unbequeme Fragen anzusprechen. „Andrea Kdolsky war eine Politikerin, die offen ausgesprochen hat, was sie dachte, und die nie davor zurückgeschreckt ist, für ihre Überzeugungen einzustehen, auch wenn das unbequem war“, würdigte ÖVP-Obmann Christian Stocker die Verstorbene.
Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) würdigte, dass sich Kdolsky mit großer Energie in den Dienst der Menschen gestellt habe. In den vergangenen Jahren habe sie auch persönlich große Stärke gezeigt. Burgenlands Landeshauptmann Doskozil nannte Kdolsky „eine außergewöhnliche Persönlichkeit“: „Ihre Offenheit, ihre Menschlichkeit und ihre Kraft haben mich tief beeindruckt.“
Für Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hatte Kdolsky das „Herz am rechten Fleck“. Sie sei ein Mensch mit Ecken und Kanten, charakterstark und voller Durchsetzungskraft, aber auch offen, ehrlich und immer lebensfroh gewesen. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) nannte Kdolsky eine „Gesundheitspolitikerin mit Gespür für Innovation und Menschlichkeit.“ Trauer-Bekundungen kamen auch u.a. vom Samariterbund und der AUVA.
PHARMIG-Chef: „Kämpferin für die Gesundheit der Menschen“
„Mit Andrea Kdolsky verliert Österreich eine leidenschaftliche Kämpferin für die Gesundheit der Menschen und eine der profiliertesten Persönlichkeiten des heimischen Gesundheitswesens. Sie war ihrer Zeit in vielen Fragen voraus, hat Entwicklungen früh erkannt und den Mut gehabt, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen“, äußerte sich auch Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG, zum Tod von Kdolsky. „Mit ihrem ehrlichen, konstruktiven und lösungsorientierten Zugang hat sie die gesundheitspolitische Debatte über viele Jahre entscheidend mitgeprägt. Über viele Jahre hinweg durfte ich in unterschiedlichen Funktionen mit ihr zusammenarbeiten und habe Andrea Kdolsky dabei fachlich wie menschlich außerordentlich geschätzt. Ihr Rat, ihre klare Haltung und ihr unermüdliches Engagement werden fehlen. Wir werden Andrea Kdolsky in dankbarer Erinnerung behalten. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie und ihren Angehörigen.“
„Es gibt wenige Menschen, die sich auf so vielen Ebenen für das Gesundheitswesen eingesetzt haben wie Andrea Kdolsky“, so Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer. „Wir waren nicht immer einer Meinung, aber wir hatten stets eine gute Gesprächsbasis, die von gegenseitigem Respekt gezeichnet war.“ Mit ihrem Tod verliere Österreich eine engagierte Persönlichkeit, die sich trotz ihrer Erkrankung nicht zurückhielt und mit ihrem offenen Umgang mit ihrer Krebserkrankung zutiefst berührt habe. „Ihr viel zu früher Tod ist ein Verlust für Österreich“, so Steinhart.
APA/Redaktion
