Apothekenteams ist es wohl schon aufgefallen: Die Allergiesaison ist zurück. Und das heuer intensiver denn je, wie Prognosen der Experten von Polleninformation.at zeigen. Durch den rasanten Anstieg der Pollen konnte sich der Körper nicht an die Allergene gewöhnen, was Betroffene als besonders belastend wahrnehmen.
Mit der schlagartig einsetzenden Blüte von Hasel und Erle ist die Pollensaison heuer überraschend intensiv gestartet. Viele Allergiker berichten von besonders ausgeprägten Beschwerden, denn der plötzliche Beginn ließ dem Körper kaum Zeit, sich an die steigende Belastung anzupassen. Der verzögerte Saisonauftakt entpuppte sich also lediglich als kurze Atempause. Aktuelle Prognosen deuten auf ein insgesamt belastungsreiches Pollenjahr hin.
Tatsächlich begann die Pollensaison bereits Ende Dezember, als die Purpurerle an klimatisch begünstigten Standorten damit startete, Pollen freizusetzen. Als Vertreterin der Birkengewächse kann sie, wie auch alle anderen Erlenarten, bei Birken- und Haselpollenallergikern Symptome auslösen – und das bereits rund um die Weihnachtszeit, lange bevor viele Betroffene mit Pollen in der Luft rechnen.
Hasel und Erle: Verspätet und heftig
Die Ruhe vor dem nächsten (Pollen-)Sturm ist kurz, denn in der Regel geht die Blüte der Purpurerle fast nahtlos in die der ersten Frühblüher über, die normalerweise bereits Ende Jänner beginnen ihren Pollen abzugeben. Mit dem plötzlichen Temperaturanstieg Ende Februar setzte der Pollenflug von Hasel und Erle dann zwar verspätet, dafür aber umso heftiger ein. Die hohe Konzentration an Hasel- und Erlenpollen innerhalb kurzer Zeit wurde von vielen Betroffenen als besonders belastend wahrgenommen.
Die von den Frühblühern hervorgerufenen Belastungen werden in den Niederungen und Tallagen vermutlich noch bis Ende März anhalten, aber bereits in der kommenden Woche deutlich an Intensität verlieren. Ein Abklingen der Haselpollenbelastungen ist in Ostösterreich bereits in der ersten Märzhälfte erkennbar.
Viel Pollen heißt nicht immer starke Beschwerden
Wichtig zu wissen: Eine hohe Pollenkonzentration bedeutet nicht automatisch starke Symptome. Entscheidend ist, wie eine Saison beginnt und verläuft. Steigt die Belastung langsam an, kann sich der Körper besser anpassen. Ein schlagartiger Beginn hingegen verstärkt häufig die subjektiv empfundene Intensität. Auch die Luftqualität spielt eine Rolle: Schadstoffe wie Ozon können die Allergenität der im Pollen enthaltenen Proteine (Allergene) erhöhen und Symptome intensivieren. Zusätzlich werden starke Temperaturschwankungen während der Saison oft als besonders belastend erlebt.
Palmkätzchen nicht ins Wohnzimmer
Derzeit blühen auch die flauschigen Kätzchen der Sal-Weide, im Volksmund als Palmkätzchen bekannt. Ihr Pollen ist als mäßig allergen eingestuft. Allergiker:innen wird empfohlen, sich die Zweige dieses vorösterlichen Frühlingsboten nicht zu dekorativen Zwecken in das Wohnzimmer zu stellen. Zudem sind Weiden im frühen Frühling die erste wertvolle Nahrungsquelle für Wild- und Honigbienen. Werden blühende Zweige abgeschnitten, fehlen Pollen und Nektar genau dann, wenn Bestäuber sie dringend brauchen. Sensibilisierte Personen können außerdem auf Pollen verwandter Arten reagieren, etwa auf Pappeln. Zusätzlich können sich Effekte mit zeitgleich fliegenden Frühblühern (Hasel, Erle) verstärken.
Hinzu kommt aktuell eingetragener Saharastaub. Er besteht aus sehr feinen Partikeln, die als Feinstaub die Schleimhäute in Nase, Rachen und Augen reizen. Sind diese strapaziert, können Allergene leichter anhaften und mit dem Immunsystem in Kontakt kommen. Die „Tür“ für intensivere allergische Reaktionen steht damit weiter offen. Darüber hinaus kann Feinstaub die Oberfläche von Pollen verändern und pro‑entzündliche Prozesse weiter verstärken.
Unterschätzte Esche
Mit der Blüte der Esche, die in der Regel zwischen Mitte und Ende März beginnt, folgt die nächste Belastungswelle. Ihr allergologisches Potenzial wird oft unterschätzt, da ihr Pollen oft zeitgleich mit anderen Arten auftritt und eine mögliche Sensibilisierung daher häufig maskieren kann. Da die Blütenstände der Esche sehr lange in Knospen verborgen bleiben, die nicht eindeutig Blättern oder Blüten zugeschrieben werden können, ist eine Prognose der Gesamtpollenmenge, basierend auf phänologischen Beobachtungen, nur schwer möglich. Die Esche gehört zur Familie der Ölbaumgewächse. Zu ihren „Verwandten“ zählen Ölbaum, Liguster, Flieder, Goldflieder (Forsythie) und Jasmin. Aufgrund ähnlicher allergieauslösender Strukturen können bei sensibilisierten Personen auch diese Pflanzen Beschwerden hervorrufen. Diese sogenannte Kreuzreaktion beschränkt sich bei diesen Vertretern der Ölbaumgewächse jedoch auf das direkte Umfeld, da sie alle, anders als die Esche, von Insekten und nicht vom Wind bestäubt werden.
Mast-Jahr für Birke erwartet
Weiter ging es mit der Birke, deren Blütenstände sich bei Temperaturen über 10 °C besonders rasch entwickeln können.Die meisten Birken erreichten aufgrund der warmen Wetterverhältnisse in der zweiten Märzhälfte ihre Blüte. Vereinzelt kam es auch schon früher zu einer Pollenfreisetzung, wie in etwa in Oberösterreich, wo bereits Anfang März vereinzelte Birkenpollenkörner in den Messstellen registriert wurden.
Die Birkenblüte unterliegt einem Zwei-Jahres-Rhythmus: Auf ein Jahr mit geringer Gesamtpollenmenge folgt meist eines mit höherer Gesamtpollenmenge, das gerne als Mast-Jahr bezeichnet wird.
Da 2025 deutlich unterdurchschnittlich verlief, ist heuer allein basierend auf dem 2-Jahres-Rhythmus mit einer intensiveren Saison zu rechnen. Dieser Verdacht bestätigt sich auch beim Blick auf den Kätzchenbesatz der Birken im gesamten Land, der im Vergleich ebenfalls als überdurchschnittlich dicht zu beurteilen ist. Die regionalen Polleninformationsdienste aller Bundesländer bestätigen diesen Trend und erwarten ebenfalls eine überdurchschnittlich hohe Menge an Birkenpollen im Jahr 2026.
Pressekonferenz: „Pollenjahr 2026: Auftakt, Ausblick & neue Services“
Pressemitteilung Österreichischer Polleninformationsdienst
