„Brain Freeze“: Kälte lässt Denken erstarren


Redaktion

Symbolbild: Ein dick bekleideter Mann hält sich die Arme vor Kälte. Sein Bart ist eingefroren.
Schon 15 Minuten bei tiefen Temperaturen genügen, um die Entscheidungsfindung nachhaltig zu beeinflussen.WHstudio Leushin N/AdobeStock_382674515

„Brain Freeze“ bekommt eine ganz neue Bedeutung. Dass beim zu schnellen Eisessen plötzlich der Kopf schmerzt, ist bekannt. Doch offenbar kann Kälte noch mehr: Selbst eine nur kurzzeitige Belastung durch tiefe Temperaturen lässt das Denken erstarren. Eine experimentelle Studie von Südtiroler und Innsbrucker Wissenschaftern zeigt, dass bereits 15 Minuten bei minus 10 Grad die Reaktionszeit verlängern und die Entscheidungsfindung beeinträchtigen können.

„Ziel dieser Studie war es, die Auswirkungen einer akuten und kurzen (15-minütigen) Exposition gegenüber niedrigen Umgebungstemperaturen von minus 10 Grad Celsius im Vergleich zu fünf und 20 Grad Celsius auf ausgewählte kognitive Leistungen (Reaktionszeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Risikoverhalten) zu untersuchen.

Leistungsfähigkeit nimmt ab ?

Wir stellten die Hypothese auf, dass die kognitive Leistungsfähigkeit bei niedrigen Temperaturen geschlechtsspezifisch abnimmt, bevor sich die Körperkerntemperatur verändert“, schrieben jetzt Marika Falla (Eurac Forschungsinstitut für Alpine Notfallmedizin in Bozen) und ihre Co-Autoren in „Scientific Reports“.

Diese mit Zufallsauswahl geplante und jeweils mit unterschiedlichen Vergleichsgruppen kontrollierte Studie, bei der die Teilnehmer von einer Gruppe bzw. experimentellen Situation zur nächsten wechselten, wurde in einer Klimakammer (terraXcube) unter reproduzierbaren und sicheren Bedingungen mit 24 gesunden Probanden (Frauen und Männer) im Alter von 18 bis 60 Jahren durchgeführt. Gemessen wurden unter anderem die Aufmerksamkeit, die Hirnleistung, Risikobereitschaft, Stress und Kälteempfinden. Sowie die Hauttemperatur und Körperkerntemperatur. Die Tests erfolgen bei „angemessener Kleidung“.

Effekt vor Absenken der Körpertemperatur

„Wir stellten vorübergehende Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit bei Personen in angemessener Kleidung fest. Kälteexposition (minus 10 Grad Celsius) beeinträchtigte die Aufmerksamkeit durch verlangsamte Reaktionszeiten und erhöhte Aussetzer sowie die Entscheidungsfindung durch reduziertes Risikoverhalten. Herzfrequenz, Kälteempfinden und Stress sowie thermisches Empfinden und Wohlbefinden, nicht aber die Körperkerntemperatur, unterschieden sich bei den drei experimentellen Temperaturexpositionen“, stellten die Wissenschafter fest. Damit traten die Effekte der tiefen Temperatur bereits ein, bevor sie zu physischen Auswirkungen mit Absenken der Körpertemperatur geführt hätten.

Aussetzer schon nach kurzer Kälte

Die Daten stützten die Annahme „für einen Rückgang der kognitiven Leistungsfähigkeit selbst bei kurzer Kälteexposition“, so die Autoren. Eine solche Beeinträchtigung sollte bei Personen, die in kalter Umgebung verschiedenen Tätigkeiten nachgehen, auch nur kurzzeitig, sorgfältig berücksichtigt werden.

APAMED



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