Drogenbericht: Sucht stabil, aber mit neuen Dynamiken


Viktoria Anderle

Symbolbild: Eine Spritze, Zigarette und Pillen liegen hinter einem Durchgeschlichen Symbol.
Die häufigste Sucht in Österreich: Nikotin. Rund 24 Prozent der Bevölkerung konsumieren es täglich.AdobeStock_575046940/splitov27

Der Suchtmittelkonsum bleibt in Österreich stabil. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich jedoch Verschiebungen bei Substanzen, Konsumalter und -mustern. Präsentiert wurden die aktuellen Zahlen des „Berichts zur Drogensituation 2025“ im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien.

Im Rahmen der Pressekonferenz stellte Martin Busch, Leiter des Kompetenzzentrums Sucht an der Gesundheit Österreich Gesellschaft (GÖG), die aktuellen Entwicklungen vor. Grundlage dafür sind der „Epidemiologiebericht Sucht 2025“ sowie der „Bericht zur Drogensituation 2025“.

Laut dem Epidemiologiebericht Sucht 2025 bleibt die Gesamtlage in Österreich relativ stabil, gleichzeitig verändert sich das Konsumverhalten spürbar. Ziel des Berichts ist es, ein möglichst klares Bild über Sucht in den Bereichen illegale Drogen, Alkohol, Nikotin und erstmals auch Glücksspiel zu geben. Grundlage sind zahlreiche Datenquellen aus Monitoring, Behandlungsstatistiken und Befragungen.

Nikotin bleibt häufigste Suchtform

Nikotin ist weiterhin die am weitesten verbreitete Sucht in Österreich. Rund 24 Prozent der Bevölkerung konsumieren täglich Nikotin, sei es in Form von klassischen Zigaretten, E-Zigaretten oder anderen Produkten. Der Anteil der Rauchenden ist seit 2002 um mehr als zwei Drittel zurückgegangen. Während der Zigarettenkonsum rückläufig ist, steigt jedoch die Nutzung neuer Produkte wie E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel deutlich an.

Besonders bei Jugendlichen zeigt sich diese Verschiebung. Martin Busch sieht hier eine problematische Entwicklung: „Da gibt es richtige Challenges, wer sich die meisten Nikotinbeutel reinzieht, ist der Hero“, so Busch gegenüber der APA. Der „Dual Use“, also das zusätzliche Anwenden von elektronischen Nikotinquellen und herkömmlichen Zigaretten, wird häufig beobachtet, heißt es im Drogenbericht.

Alkohol: Rückgang bei weiterhin hohen Zahlen

Alkohol bleibt die psychoaktive Substanz, mit der die meisten Menschen in Österreich Erfahrungen machen. Etwa 15 Prozent der Bevölkerung trinken in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß, rund fünf Prozent gelten als abhängig.

Positiv ist die langfristige Entwicklung: Problematischer Alkoholkonsum, alkoholassoziierte Erkrankungen und Todesfälle sind rückläufig. Auch bei Jugendlichen zeigt sich ein deutlicher Rückgang. Dennoch bleiben die absoluten Zahlen hoch.

Opioide dominieren Risikokonsum

Bei illegalen Drogen zeigt sich laut Bericht ebenfalls insgesamt eine stabile Situation. Risikoreicher Konsum wird weiterhin vor allem durch Opioide bestimmt, häufig in Kombination mit anderen Substanzen. Schätzungen gehen von 36.000 bis 39.000 betroffenen Personen aus.

Cannabis bleibt die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Gleichzeitig gewinnen Kokain und andere Stimulanzien an Bedeutung. Auch dazu findet Busch klare Worte: Kokain sei eines der wenigen Dinge, „die billiger und besser geworden sind“.

Eine besonders auffällige Entwicklung betrifft die drogenbezogenen Todesfälle: Diese liegen mit 257 Fällen im Jahr 2024 weiterhin auf hohem Niveau. Gleichzeitig ist der Anteil der unter 25-Jährigen deutlich gestiegen und liegt seit 2021 bei rund 25 Prozent.

Weiters gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass sich eine Gruppe sehr junger Konsumentinnen und Konsumenten mit hochriskantem Mischkonsum gebildet hat, die vom bestehenden Suchthilfesystem nicht ausreichend erreicht wird. Besonders auffällig ist dabei der steigende Anteil junger Frauen.

Glücksspiel und Sportwetten erstmals erfasst

Erstmals wurde im Bericht auch Glücksspiel und Sportwetten umfassend analysiert. Rund 50 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren nehmen zumindest einmal jährlich daran teil. Etwa 40 Prozent nehmen monatlich an Glücksspielen, darunter auch Lotto und Toto, teil.

Im vergangenen Jahr haben 4 Prozent der 14- bis 17-jährigen Schülerinnen und 16 Prozent der Schüler sich zumindest einmal an Glücksspiel teilgenommen. Diese Erfahrungen mit Glücksspiel besitzen Schüler:innen aus Polytechnischen Schulen und Berufsschulen doppelt so häufig wie Schüler:innen aus anderen Schultypen.

Gleichzeitig zeigen etwa 4 Prozent der Bevölkerung Anzeichen zumindest eines milden problematischen Spielverhaltens. Besonders betroffen sind jüngere Altersgruppen und Online-Angebote gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das Suchtpotenzial ist besonders hoch bei Glücksspielautomaten, Sportwetten und Poker.



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