Zeckenmonitoring: AGES meldet hohe Borrelienrate und erinnert an FSME-Schutz


Viktoria Anderle

Hände mit blauen Handschuhen halten einen Objektträger. Darauf sitzt eine Zecke. Darüber befindet sich eine Lupe.
Die Zeckenüberwachung hilft der AGES neue Zeckenarten und potenzielle Krankheitserreger frühzeitig zu identifizieren.wifesun/AdobeStock_1459807358

Das kürzlich veröffentlichte Zeckenmonitoring 2025 der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zeigt, dass die Zeckensaison im vergangenen Jahr bereits früh begonnen hat. Insgesamt wurden 8.298 Zecken aus nahezu allen Bundesländern eingesendet. Von den untersuchten Schildzecken der Gattungen Ixodes, Dermacentor und Haemaphysalis waren 24 Prozent mit Borrelien infiziert.

Der Jahresbericht des AGES-Zeckenmonitorings 2025 zeigt das Ausmaß der Zeckenaktivität in Österreich. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 8.298 Zecken aus nahezu allen Bundesländern eingesendet. Von den 3.838 untersuchten Schildzecken der Gattungen IxodesDermacentor und Haemaphysalis waren 24 Prozent mit Lyme-Borrelien infiziert. Am häufigsten wurde die Borrelienart Borrelia afzelii nachgewiesen.

2026: Erste Funde schon im Februar

Auch heuer wurden der AGES bereits zahlreiche Zecken gemeldet und eingesandt. Die ersten Funde datieren bereits auf Anfang Februar. Bis Anfang Mai 2026 gingen 1720 Exemplare aus Österreich ein. Die meisten Einsendungen stammten aus Oberösterreich (739; 43 Prozent) und Niederösterreich (423 Zecken). Zudem wurde Ende April in der Steiermark die erste bestätigte Hyalomma-Zecke des Jahres identifiziert. Laut AGES dominiert weiterhin die Zeckengattung Ixodes, die als wichtigster Überträger der Lyme-Borreliose in Österreich gilt.

50 Jahre FSME-Impfung

Ixodes-Zecken gelten als wichtigste Überträger der Lyme-Borreliose in Österreich. Neben der Borreliose zählt die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zu den bedeutendsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen. Im Jahr 2026 feiert die FSME-Impfung in Österreich ihr 50-jähriges Bestehen. Die Bedeutung der Schutzimpfung unterstreicht auch eine im Herbst 2025 veröffentlichte Untersuchung. Demnach konnten durch die FSME-Impfung zwischen 2000 und 2024 mehr als 10.000 Krankenhausaufenthalte, rund 4000 schwere Krankheitsverläufe sowie etwa 80 Todesfälle verhindert werden.

Laut AGES wurden im Jahr 2025 österreichweit 146 FSME-Fälle registriert. Seit Jahresbeginn 2026 kamen bis Mitte Mai vier weitere Fälle hinzu. Da Österreich als Hochrisikogebiet für durch Zecken übertragene Erkrankungen gilt, empfehlen Fachleute einen konsequenten Zeckenschutz im Freien, das rasche Entfernen von Zecken nach einem Stich sowie einen aktuellen FSME-Impfschutz. Da sich der Beginn der Zeckensaison und damit auch der ersten FSME-Fälle in den vergangenen Jahren zunehmend in Richtung März und April verschoben hat, sollten Grundimmunisierung und Auffrischungsimpfungen möglichst bereits vor Beginn der Saison erfolgen.

Riesenzecken

Neben heimischen Zeckenarten steht auch die sogenannte Riesenzecke (Hyalomma spp.) zunehmend im Fokus der Überwachung. Die ursprünglich in südlicheren Regionen beheimatete Zecke breitet sich im Zuge des Klimawandels immer weiter nach Norden aus und kann Krankheitserreger übertragen, die in Österreich bislang kaum eine Rolle spielen, darunter das gefährliche Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber-Virus (CCHFV) sowie bestimmte Rickettsien-Arten. Zwar gibt es hierzulande noch keine etablierten Populationen, im Rahmen des Zeckenmonitorings konnten 2025 jedoch sechs Sichtungen von Hyalomma-Zecken bestätigt werden. Bei den untersuchten Exemplaren wurde kein CCHFV nachgewiesen, allerdings fanden sich erneut Rickettsien-Bakterien in einem Teil der Proben.

Impfstoffkandidat gegen Lyme-Borreliose

Während gegen das FSME-Virus eine wirksame und empfohlene Schutzimpfung zur Verfügung steht, gibt es gegen Borreliose derzeit noch keinen zugelassenen Impfstoff. Hoffnung macht jedoch ein Impfstoffkandidat, der sich derzeit in Entwicklung befindet. Laut Hersteller Pfizer und Valneva konnte dieser in einer Phase-3-Studie eine Wirksamkeit von rund 70 Prozent gegen Lyme-Borreliose zeigen. Der Kandidat richtet sich gegen mehrere in Europa verbreitete Borrelien-Varianten, die auch in Österreich vorkommen.



Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!