Eisen nicht prophylaktisch einnehmen


Nadine Tröbitscher

Symbolbild Eisentabletten und Kapseln
Wurde anhand eines Blutbildes ein Eisenmangel festgestellt, muss das Spurenelement substituiert werden. Foto: Rauf/stock.adobe.com

Eisen ist unter anderem an der Blutbildung oder den Sauerstofftransport beteiligt. Doch auf eigene Faust und prophylaktisch sollte das lebenswichtige und essentielle Spurenelement nicht einfach eingenommen werden – immer erst den Arzt oder die Ärztin fragen, mahnen Expert:innen.

Warum der Körper Eisen braucht

Je nach Körpergewicht enthält der menschliche Körper zwischen 2 und 4 g Eisen, das als Eisen (II) und Eisen (III) vorliegt und sich mit 60 Prozent zum Großteil im Blut und zu 25 Prozent in Leber, Milz und Knochenmark befindet. Etwa 15 Prozent sind an Muskelproteine oder Enzyme gebunden. Das Spurenelement kommt als Bestandteil von Proteinen in Hämoglobin, Myoglobin, lebenswichtigen Oxidoreduktasen, den Komplexen der Atmungskette und verschiedenen weiteren Enzymen vor.

Eisen ist verantwortlich für den Sauerstofftransport von der Lunge zu den Organen und außerdem an der Elektronenübertragung im Energiestoffwechsel beteiligt. Intrazellär wird das Spurenelement im Enzym Ferritin und dem Abbauprodukt Hämosiderin gespeichert. Den Transport übernimmt das Glykoprotein Transferrin.

Eisenmangel

Eingerissene Mundwinkel, erhöhte Infektanfälligkeit, gestörtes Wachstum von Haaren und Nägeln, Müdigkeit, Blässe oder trockene Haut gehören zu den Anzeichen eines leichten Eisenmangels. Die schwerste Form ist die Eisenmangelanämie – von der jedoch nur wenige Menschen betroffen sind. Ob ein Defizit im Körper vorliegt, sollte durch eine Blutuntersuchung ermittelt werden.

Wie viel Eisen braucht der Mensch?

Pro Tag verlieren der menschliche Körper etwa 1 mg Eisen über den Stuhl, den Schweiß oder den Urin. Während der Menstruation oder im Wachstum ist der Bedarf erhöht.

Die empfohlene Zufuhr für Erwachsene liegt nach den DGE/ÖGE-Referenzwerten für Frauen ohne Menstruation bei 11 mg – während der Menstruation bei 16 mg und bei Frauen am Ende der Menopause bei 14 mg täglich. Männer benötigen 11 mg Eisen pro Tag. Schwangere und Stillende haben mit 27 beziehungsweise 16 mg einen erhöhten Bedarf.

Eisen aus der Nahrung

Eisen ist sowohl in pflanzlichen als auch in tierischen Lebensmitteln enthalten. Allerdings kann der Körper Eisen tierischen Ursprungs – sogenanntes Hämeisen – im Vergleich zu Nicht-Hämeisen besser verwerten. Der Grund: Das Spurenelement ist in pflanzlichen Lebensmitteln als Eisen (III) gebunden. Damit der Körper es jedoch aufnehmen kann, muss es in die lösliche Form Eisen (II) reduziert werden. Außerdem gibt es ein weiteres Problem. Denn wie gut das Spurenelment aufgenommen wird, hängt davon ab, woran es gebunden ist. Bei einer Mischkost können zwischen 10 und 15 Prozent des Eisens aus der Nahrung aufgenommen werden.

Hepcidin

Hepcidin nimmt bei der Eisenaufnahme eine Schlüsselrolle ein. Das Protein wird in der Leber produziert und besteht aus 25 Aminosäuren. Weil Hepcidin das Membran-Transportprotein Ferroportin blockiert, kann es den Eisenstoffwechsel regulieren, indem der Übertritt von Eisen aus den Dünndarmzellen in den Blutkreislauf gestoppt wird. Daraufhin beginnt die Leber bei der Zufuhr von Eisen mit der Bildung von Hepcidin und der negativen Rückkopplungsschleife. Bindet das Protein an Ferroportin, wird weniger Eisen an Transferrin abgegeben und im Blutkreislauf transportiert. Was zu viel ist, wird über den Stuhl ausgeschieden.

Diagnose Eisenmangel

Wurde anhand eines Blutbildes ein Eisenmangel festgestellt, muss das Spurenelement substituiert werden. Möglich sind eine orale Gabe in Form von Kapseln, Lösungen oder Tabletten sowie die parenterale Gabe. Die Präparate unterschieden sich in der enthaltenen Eisenverbindung. Zweiwertiges Eisen kann besser aufgenommen und schneller freigesetzt werden als dreiwertiges. Ist das Spurenelement in magensaftresistenten Zubereitungen enthalten, erfolgt die Resorption erst im Duodenum. Das kann gastrointestinale Unverträglichkeiten mindern.

Bei der Anwendung ist auf einen Zeitabstand zu „Resorptionsräubern“ wie Calcium, Magnesium und Vollkornprodukten (aufgrund der komplexbildenden Phytine) zu achten. Etwa zwei Stunden sollten zwischen dem Verzehr liegen – ebenso zu Kaffee und Schwarztee. Obst oder ein Vitamin-C-haltiges Getränk wie Orangensaft können die Eisenaufnahme verbessern.

Gefahr durch Überdosierung

In Extremfällen sind Überdosierungen und in deren Folge akute Vergiftungserscheinungen möglich. Symptome können Erbrechen, Durchfall, Fieber, Blutgerinnungsstörungen, aber auch Nieren- und Leberschäden sein. Verwenden Erwachsene über einen längeren Zeitraum hochdosierte eisenhaltige Nahrungsergänzungsmittel, ist eine chronische Eisenüberversorgung möglich.



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