Magnesium ist nicht gleich Magnesium


Sanja Agatic

Magnesium kommt häufig in Nahrungsergänzungsmitteln vor
Magnesium kommt nie pur vor.Foto:stock.adobe.com/adrian_ilie825

Muskelkrämpfe trotz Supplement? Unruhe, obwohl Magnesium genommen wird? Genau hier beginnt das Problem: Magnesium ist nicht gleich Magnesium und oft sind es Form, Aufnahme oder unsichtbare Magnesiumräuber, die über Wirkung entscheiden.

Magnesium steckt in fast allem, was im Körper läuft: Muskeln, Nerven, Energieproduktion. Über 300 Enzyme brauchen es und trotzdem nehmen viele zu wenig davon auf. Ein Mangel zeigt sich oft durch Muskelkrämpfe, Unruhe, manchmal auch Herzrhythmusstörungen.

Der entscheidende Punkt: Die Verbindung entscheidet

Magnesium kommt nie pur vor. Es ist immer gebunden und genau das bestimmt, wie gut es im Körper ankommt. Organische Verbindungen werden meist besser aufgenommen. Anorganische Verbindungen haben oft mehr Magnesium aber sind schlechter verwertbar.

Häufige Magnesiumverbindungen

Magnesiumcitrat gehört zu den häufigsten eingesetzten Magnesiumverbindungen. Dabei handelt es sich um eine organische Verbindung aus Magnesium und Zitronensäure. Diese Form ist gut wasserlöslich und kann im Dünndarm relativ effizient aufgenommen werden. Aufgrund dieser Eigenschaften wird Magnesiumcitrat häufig in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt. In höheren Dosierungen kann Magnesiumcitrat zudem Wasser im Darm binden und dadurch eine leicht abführende Wirkung haben.

Magnesiumbisglycinat ist eine Verbindung aus Magnesium und der Aminosäure Glycin. Durch diese Bindung kann die Aufnahme teilweise über Aminosäuren-Transportmechanismen im Dünndarm erfolgen. Diese Form zählt zu den organischen Magnesiumverbindungen und wird häufig als gut bioverfügbar beschrieben. Die Einnahme erfolgt am Abend.

Magnesiumtaurat ist eine Verbindung aus Magnesium und Taurin und wird im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Funktionen untersucht.

Magnesiumchlorid zählt zu den anorganischen Magnesiumsalzen. Es ist das Magnesiumsalz der Salzsäure und ist gut wasserlöslich. Natürlich kommt diese Verbindung beispielsweise im Meerwasser vor.

Magnesiumoxid enthält einen hohen Anteil an elementarem Magnesium, wird jedoch im Dünndarm schlechter aufgenommen als viele organische Verbindungen, ein großer Teil verbleibt im Darm und kann dadurch eine abführende Wirkung entfalten.

Neuere Magnesiumformen

Magnesium-L-Threonat wurde entwickelt, um die Magnesiumaufnahme im Gehirn zu verbessern. Dabei handelt es sich um eine Verbindung aus Magnesium und L-Threonsäure, einem Stoffwechselprodukt von Vitamin C. Diese Form wird in wissenschaftlichen Studien besonders im Zusammenhang mit neurologischen Funktionen untersucht, da sie möglicherweise eine gute Aufnahme im Nervensystem ermöglicht.

Bei liposomalem Magnesium wird der Mineralstoff in winzige Lipidbläschen, sogenannte Liposomen, eingeschlossen. Diese Vesikel ähneln der Zellmembran und schützen das Magnesium im Verdauungstrakt. Dadurch kann das Magnesium möglicherweise besser aufgenommen und effizienter in die Zelle transportiert werden. Liposomale Präparate gelten als besonders gut bioverfügbar.

Magnesiumräuber: Warum Magnesium oft nicht wirkt

Hier liegt in der Praxis oft der entscheidende Unterschied. Viele Patientinnen und Patienten nehmen Magnesium ein, verlieren es aber gleichzeitig wieder oder nehmen es schlechter auf.

  • Ernährung, gebunden statt aufgenommen:
    Bestimmte Inhaltsstoffe können Magnesium im Darm „blockieren“ wie zum Beispiel Phytate (Getreide, Hülsenfrüchte), Oxalate (Spinat, Rhabarber) oder hohe Mengen an Calcium oder Phosphat. Diese Stoffe bilden mit Magnesium schwer lösliche Komplexe, die Resorption sinkt deutlich.
  • Stress, der stille Magnesiumverbraucher:
    Stress wirkt gleich doppelt, erhöhter Verbrauch im Körper und gesteigerte Ausscheidung über die Niere. Das perfide daran, ein niedriger Magnesiumspiegel erhöht wiederum die Stressanfälligkeit, ein biologischer Teufelskreis.
  • Alkohol und Koffein:
    Alkohol steigert die Magnesiumausscheidung und Koffein kann ebenfalls den Verlust erhöhen. Gerade bei regelmäßigem Konsum kann das langfristig den Magnesiumstatus deutlich verschlechtern.
  • Medikamente als versteckte Ursache:
    Auch bestimmte Arzneimittel können den Magnesiumhaushalt erheblich beeinflussen und das oft unbemerkt im Alltag.
    • Diuretika führen dazu, dass vermehrt Flüssigkeit über die Niere ausgeschieden wird. Dabei geht auch Magnesium verloren, was langfristig zu einem sinkenden Magnesiumspiegel führen kann.
    • Protonenpumphemmer (PPI) können die Aufnahme von Magnesium im Dünndarm beeinträchtigen. Wird die Magensäureproduktion dauerhaft reduziert, kann dies die Resorption von Magnesium verringern und so einen Mangel begünstigen.
    • Auch Abführmittel (Laxantien) können den Magnesiumhaushalt beeinflussen. Durch eine beschleunigte Darmpassage wird weniger Magnesium aufgenommen und gleichzeitig mehr ausgeschieden.

Gerade bei einer langfristigen Einnahme dieser Medikamente kann sich dadurch ein schleichender Magnesiummangel entwickeln, selbst dann, wenn die Zufuhr über Nahrung oder Supplemente ausreichend erscheint.

Wenn mehrere Faktoren zusammenkommen

Besonders häufig zeigt sich ein Muster, bei dem mehrere Einflussfaktoren gleichzeitig wirken. Ein/e Patient:in steht unter Stress, trinkt viel Kaffee, nimmt einen PPI und achtet auf eine ballaststoffreiche Ernährung. In diesem Fall treffen verminderte Aufnahme, erhöhte Ausscheidung und gesteigerter Bedarf zusammen. Magnesium wird zugeführt, kommt aber nicht ausreichend im Körper an.

Nebenwirkungen

Magnesium ist gut verträglich kann aber bei höheren Dosierungen zu Durchfall, weichem Stuhl oder Übelkeit führen.



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