Update: Carbamazepin in der Schwangerschaft


Redaktion

Schwangere mit Tablettenblister
Levetiracetam und Phenytoin waren mit keinem erhöhten Risiko für Entwicklungsstörungen verbunden.Foto: Andrey Popov/stock.adobe.com

Antikonvulsiva wie Carbamazepin werden zur Behandlung von Epilepsie angewendet. Doch in der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten. Seit Längerem wird bereits vor dem Einsatz von Topiramat gewarnt. Der Grund: mögliche neurologische Entwicklungsstörungen beim Kind. Doch gilt dies auch für andere Wirkstoffe und sollte beispielsweise auf Carbamazepin in der Schwangerschaft verzichtet werden?

Carbamazepin ist ein Dibenzazepin-Derivat. Die Wirkung des Antikonvulsivums wird auf die Inaktivierung der Natriumkanäle an den Nervenzellen zurückgeführt. In der Folge wird die Erregbarkeit der Nervenbahnen verringert. Konvulsive Entladungen bleiben aus – die synaptische Übertragung wird gehemmt. Der Wirkstoff kommt unter anderem bei Epilepsien unterschiedlicher Anfallsarten zum Einsatz – beispielsweise zur Behandlung einfacher sowie komplexer partieller Anfälle und Grand mal, aber auch zur Therapie gemischter Epilepsieformen.

Schwangerschaft: Risiko durch Carbamazepin?

In einer Studie haben Forschende vom Brigham and Women’s Hospital und der Harvard Medical School in Boston (USA) zehn Wirkstoffe beziehungsweise Wirkstoffkombinationen gegen Epilepsie im Hinblick auf das Risiko von neurologischen Entwicklungsstörungen bei Kindern unter die Lupe genommen. Analysiert wurden dafür Patienteninformationen aus den US-Gesundheitsdatenbanken.

Genau wurden mehrere tausend Kinder berücksichtigt, deren Mütter in der Schwangerschaft Substanzen wie Carbamazepin, Lacosamid, Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Topiramat, Valproat oder Zonisamid angewendet hatten. Verglichen wurde, ob die jeweiligen Kinder im Vergleich zu Personen ohne pränatale Antikonvulsiva-Exposition häufiger Entwicklungsstörungen wie eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus-Spektrum-Störung (ASS), Verhaltensstörung, Entwicklungskoordinationsstörung, Intelligenzminderung, Lernschwierigkeiten oder Sprach-/ Sprechstörungen entwickelten.

Das Ergebnis

Es kommt auf die Wahl des Wirkstoffs an. Denn während beispielsweise unter Carbamazepin ein moderat erhöhtes Risiko für ADHS und Verhaltensstörungen festgestellt werden konnte, war dies unter Valproat und Zonisamid deutlich erhöht, und zwar für alle genannten neurologischen Entwicklungsstörungen. Unter Topiramat wurde dagegen eine mögliche Assoziation mit Lernschwierigkeiten deutlich. Levetiracetam und Phenytoin waren mit keinem erhöhten Risiko für Entwicklungsstörungen verbunden.

Um die Ergebnisse zu bestätigen, fordern die Forschenden weitere Untersuchungen, wobei unter Valproat bereits von einem erhöhten Risiko für Neuroentwicklungsstörungen bei Kindern mit pränataler Exposition ausgegangen werden kann.



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