Eine ausreichende Proteinzufuhr könnte im Alter eine wichtige Rolle für Mobilität und Selbstständigkeit spielen. Eine aktuelle Analyse zeigt Zusammenhänge zwischen höherem Proteinkonsum und besserer körperlicher Funktion sowie geringerer Sterblichkeit. Besonders im Fokus steht dabei auch die Qualität der Proteinquellen.
Die Bedeutung von Protein für ein gesundes Altern rückt zunehmend in den Fokus der Forschung. Dennoch ist bislang nicht eindeutig geklärt, wie stark die Eiweißzufuhr den funktionellen Abbau im Alter oder die Sterblichkeit beeinflusst. Eine aktuelle Analyse von Daten älterer Menschen aus Großbritannien liefert hierzu neue Hinweise.
Auswirkungen der Proteinzufuhr im Blick
Untersucht wurden Daten von 532 Personen ab 65 Jahren aus der English Longitudinal Study of Ageing über einen Zeitraum von sechs Jahren. Die Analyse berücksichtigte Zusammenhänge zwischen der Proteinzufuhr und verschiedenen klinischen Endpunkten.
Als erhöhte Proteinzufuhr galt eine Aufnahme von mindestens 0,8 bis 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag oder ein Anteil von mindestens 18 Prozent an der täglichen Energiezufuhr. Zusätzlich wurde analysiert, inwieweit Protein die Effekte gesunder Ernährungsweisen wie der mediterranen Ernährung oder des WHO Quality Diet Index beeinflusst.
Mehr Protein, weniger Stürze
Eine höhere Proteinzufuhr war konsistent mit einem geringeren Risiko für mehrere altersrelevante Einschränkungen verbunden:
- Stürze
- Mobilitätseinschränkungen
- Einschränkungen bei Aktivitäten des täglichen Lebens
- Gebrechlichkeit
- Abnahme der Gehgeschwindigkeit
- Mortalität
Darüber hinaus zeigte sich, dass Protein, insbesondere aus tierischen Quellen, einen Teil der positiven Effekte der mediterranen Ernährung und der WHO-Empfehlungen auf die körperliche Funktion vermitteln könnte.
Tierisches Protein scheint im Vorteil
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität der Proteinzufuhr eine Rolle spielt. Tierische Proteine liefern wohl ein vollständiges Spektrum essenzieller Aminosäuren und könnten daher im Alter effizienter zur Muskelproteinsynthese beitragen. Zwar kann der Körper laut den Wissenschaftler:innen grundsätzlich auch pflanzliche Proteine verwerten, jedoch scheint dieser Prozess im Alter weniger effizient zu sein.
Die Studienautor:innen betonen auch, dass es sich um Beobachtungsdaten handelt. Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Proteinzufuhr und den beobachteten Effekten kann daher nicht abschließend belegt werden. Dennoch unterstreichen die Ergebnisse die mögliche Bedeutung einer ausreichenden und qualitativ hochwertigen Proteinzufuhr als Bestandteil von Ernährungsstrategien für ein gesundes Altern.
Die wissenschaftliche Arbeit ist als early access-Artikel unter dem Namen „Protein intake and its interaction with dietary patterns on clinical outcomes among older adults“ im Journal npj Aging erschienen.
