Erst im November 2025 ins Firmenbuch eingetragen, nun bereits insolvent: Über die Easy Apotheke zum heiligen Paulus im Tiroler Aschau wurde Ende Juli ein Konkursverfahren eröffnet. Dass eine öffentliche Apotheke bereits nach knapp neun Monaten Insolvenz anmelden muss, ist selten. Gegenüber TARA24 nennt der Kreditschutzverband (KSV1870) den Standort als möglichen Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Über das Vermögen der Easy Apotheke zum heiligen Paulus OG wurde am 30. Juli am Landesgericht Innsbruck ein Konkursverfahren eröffnet. Wie Mag. Klaus Schaller, Regionalleiter West des Kreditschutzverbandes (KSV1870), gegenüber TARA24 erklärt, ist die Informationslage derzeit noch dünn. „Ich habe derzeit keine Informationen und kann daher keine verbindlichen Aussagen über die finanzielle Situation der Apotheke machen.“
In verschiedenen Medienberichten ist von Verbindlichkeiten in Höhe von rund 800.000 Euro die Rede. „Ich habe noch nichts Gegenteiliges diesbezüglich gehört“, sagt Schaller. Bestätigen könne er diese Summe derzeit jedoch nicht. Von der Insolvenzeröffnung seien zwei Dienstnehmerinnen beziehungsweise Dienstnehmer betroffen.
Standort könnte Rolle gespielt haben
Zur Ursache der Insolvenz liegen laut dem KSV1870 nach wie vor keine geprüften Unterlagen vor. Einen möglichen Faktor sieht Schaller jedoch im Standort der Apotheke. „Die Apotheke befindet sich in einem Gebiet, wo kaum jemand wusste, dass dort eine neue Apotheke eröffnet hat“, erklärt er. Auch die Mitbewerbersituation dürfte „nicht die einfachste“ gewesen sein, da im Zillertal mehrere Apotheken gibt. In einem Umkreis von etwa vier Kilometern befinden sich drei weitere Apotheken: Zwei davon liegen rund drei Kilometer, eine weitere etwa vier Kilometer entfernt.
In den Medien heißt es, dass „laut Schuldnerangaben die Umsatzerwartungen nicht erfüllt worden seien“. Die Anfangsinvestitionen hätten daher nicht planmäßig zurückgeführt werden können. Angesichts des Standorts und der Mitbewerbersituation hält Schaller dies für plausibel.
Sanierung derzeit offen
Ob der Apothekenbetrieb fortgeführt werden kann, ist derzeit noch unklar. „Derzeit gibt es noch keine Unterlagen zu den wirtschaftlichen Verhältnissen, anhand derer man entscheiden könnte, ob eine Sanierung stattfinden kann“, betont Schaller.
Zur Insolvenzverwalterin wurde Rechtsanwältin Mag. Bettina Presl bestellt. Bis 14. September können Gläubiger ihre Forderungen anmelden. Als besonders wichtig bezeichnet Schaller jedoch den 28. September. An diesem Tag findet am Landesgericht Innsbruck die erste Gläubigerversammlung samt Prüfungstagsatzung statt. „Hier wird vom Gericht erhoben, welche Forderungen korrekt sind“, erklärt Schaller. Bereits davor müsse entschieden werden, ob der Betrieb fortgeführt werden könne.
Über EasyApotheken
Die easyApotheken verbinden nach eigenen Angaben Elemente traditioneller Apotheken mit Merkmalen einer Drogerie. Dabei setzen sie unter anderem auf ein breites Freiwahlsortiment. Laut Unternehmenswebsite zählt die easyApotheke-Kooperation rund 150 Standorte in Deutschland und Österreich. Bereits 2019 gab es Pläne, in Österreich die erste EasyApotheke zu eröffnen. Im österreichischen FirmenABC finden sich derzeit drei Apotheken mit „easyApotheke“ im Firmennamen. Alle drei befinden sich in Tirol.
