Der europäische Dorgenmarkt verändert sich, neue psychoaktive Substanzen und wechselnde Beimengungen erhöhen die Risiken für Konsumierende. Als Reaktion darauf baut Wien das Drug-Checking-Angebot aus: Das Drogen-Analysezentrum „checkit!“ hat einen zweiten Standort im Meidlinger U4-Center eröffnet. Ziel ist es, Beratung und Substanzenanalysen niederschwellig zugänglich zu machen.
Das Wiener Drogen-Analysezentrum „checkit!“ erweitert sein Angebot. Neben der bisherigen Anlaufstelle in der Gumpendorfer Straße steht Konsumierenden ab sofort auch ein zweiter Standort im Meidlinger U4-Center zur Verfügung. Die Wiener Sucht- und Drogenkoordination begründet den Ausbau mit den veränderten Entwicklungen am europäischen Suchtgiftmarkt. Auslöser ist unter anderem, dass der europäische Drogenmarkt zunehmend vielfältiger und dynamischer wird. Damit steigen auch die Risiken unbekannter Wirkstoffe, hochpotente Substanzen und unerwartete Beimengungen. Das zeigt auch der aktuelle Bericht der European Union Drugs Agency (EUDA).
Mit dem Ausbau des Drug-Checking-Angebots setzt Wien nach eigenen Angaben auf eine evidenzbasierte, niederschwellige Drogen- und Suchtpolitik. Im Mittelpunkt stehen Prävention, Gesundheitsschutz und Schadensminimierung.
Analyse und Beratung unter einem Dach
„checkit!“ ist eine Einrichtung der Suchthilfe Wien und richtet sich an Menschen, die psychaktive Substanzen konsumieren oder einen Konsum zumindest in Erwägung ziehen. Diese können ihre Substanzen analysieren lassen, um Informationen über Inhaltsstoffe und mögliche Risiken zu erhalten. Die Proben können nicht nur direkt vor Ort, sondern auch in teilnehmenden Apotheken sowie bei ausgewählten Veranstaltungen abgegeben werden. Ergänzend zur Analyse erhalten Konsumierende eine Beratung zu Risiken und einem möglichst sicheren Umgang mit den Substanzen. Bei Bedarf wird außerdem an weiterführende Beratungs- und Behandlungsangebote des Wiener Suchthilfesystems vermittelt.
Niederschwelliger Zugang soll mehr Menschen erreichen
Mit dem zweiten Standort soll das Angebot leichter erreichbar werden, insbesondere für junge Menschen. „Wien zählt seit vielen Jahren zu den internationlen Vorreitern im Bereich Drug Checking. Mit dem zusätzlichen Standort erweitern wir unser bewährtes Angebot und ermöglichen einen niederschwelligen Zugang zu Beratung, Information und Risikominimierung“, betont Dorgenkoordinator Ewald Lochner. Gerade junge Menschen benötigen Anlaufstellen, die sie unkompliziert und ohne Hürden nutzen könnten.
Auch „checkit!“-Leiterin Bettina Höblinger sieht in der Substanzanalyse einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsprävention. „Das Aussehen, der Geruch oder die Konsistenz einer Subtanz sagen nichts über ihre tatsächlichen Inhaltsstoffe aus. Mit Drug Checking erhalten Menschen verlässliche Informationen und mutliprofessionelle Beratung, denn wer die Risiken kennt, kann bessere Entscheidungen treffen“, erklärt sie. Nach ihren Worten entscheiden sich Konsumierende zudem häufig gegen den Konsum, wenn bei der Analyse gefährliche Inhaltsstoffe oder unerwartete Beimengungen festgestellt werden.
Prävention statt Strafverfolgung
Mit dem erweiterten Angebot verfolgt Wien weiterhin den Ansatz, gesundheitliche Risiken möglichst früh zu reduzieren. Drug Checking soll dabei nicht nur Informationen über Inhaltsstoffe liefern, sondern auch den Zugang zu Beratung erleichtern und Konsumierende frühzeitig mit dem Suchthilfesystem in Kontakt bringen.
APA
