Apodoc: „Super, wenn Arzt und Apotheke zusammenarbeiten“


Carolin Ciulli

Inhaberin Anna Ratt vor Deko-Gefäßen in ihrer Apotheke
Anna Ratt hat mit Apodoc bisher sehr gute Erfahrungen gemacht.Apotheke Mauerkirchen

Telemedizin in der Apotheke wird seit zwei Wochen in Mauerkirchen praktiziert. Inhaberin Anna Ratt ist begeistert und konnte bereits rund 20 Kundinnen und Kunden per Bildschirm an Medizinerinnen vermitteln. Hintergrund ist der Ärztemangel gerade mit Blick auf das Wochenende. „Wenn Gesundheitsberufe zusammenarbeiten entstehen Synergien“, sagt die 41-jährige Inhaberin der Apotheke zum Schwarzen Adler.

Die Apotheke von Ratt ist einer von 15 Betrieben in Wien und Oberösterreich, in denen bis Ende Juni im Pilotprojekt „ApoDoc“ Arztgespräche über Videotelefonie vermittelt werden. Das Angebot gilt in Randzeiten – am Freitagnachmittag und Samstag – für Patientinnen und Patienten, bei denen nach Einschätzung des Apothekenpersonals die rezeptfreie Selbstmedikation nicht ausreicht.

Nur noch ein Arzt vor Ort

Weil es in Mauerkirchen nur noch einen Arzt gibt, wurde Ratt von der Apothekerkammer, die das Projekt mitunterstützt, angesprochen. Die Inhaberin war begeistert, denn sie verlor vor anderthalb Jahren einen Mediziner im Ort. „Die Stelle wurde leider nicht nachbesetzt und das spürt man an der Zahl der Kundschaft. Ich musste deshalb Angestellte entlassen.“

Pro Woche vermittelt sie etwa zehn Kundinnen und Kunden an die Telemedizinerinnen. Das Angebot sei beispielsweise praktisch, wenn jemand am Freitagnachmittag oder Samstag noch dringend eine Dauermedikation benötige. „Dadurch entlasten wir die Notfallambulanzen“, sagt sie. Doch auch andere akuten Infekte seien Thema bei den Konsultationen.

Apothekenangestellte assistieren

Die Apothekenangestellten assistieren bei der Terminvereinbarung und bei der Vorbereitung. Sie nehmen die relevanten persönlichen Daten auf und leiten diese an die beiden teilnehmenden Ärztinnen weiter. Möglich sei auch, dass sie dem Gespräch in diskreter Umgebung auf Wunsch beiwohnen. „Der zeitliche Aufwand ist unterschiedlich“, sagt Ratt, die für die Teilnahme eine Aufwandsentschädigung von der Kammer erhält.

Die niedrigschwellige Erreichbarkeit der Apotheke ist bei dem Projekt ein wichtiger Faktor. Telemedizinische Angebote gehören der Inhaberin zufolge nicht in Drogerien oder Supermärkte. Immerhin hätten Apothekerinnen und Apotheker nicht umsonst jahrelang studiert. „Es ist super, wenn Arzt und Apotheke zusammenarbeiten“, sagt Ratt, die die Apotheke 2024 in sechster Generation übernommen hat. Sie hofft, das das Projekt in die Regelversorgung übergeht.

Immer mehr Apotheken folgen

Seit dem 20. Februar 2026 wird am Freitag von 14 bis 18 Uhr und am Samstag von 8 bis 12 Uhr bereits in drei Wiener Apotheken die assistierte Telemedizin kostenlos angeboten. Mitte März kamen zwölf weitere Apotheken in Wien und Oberösterreich dazu. Ziel des Pilotprojekts ist die Entwicklung und Erprobung eines standardisierten telemedizinischen Ablaufs in öffentlichen Apotheken.

Damit soll im Bedarfsfall insbesondere außerhalb regulärer Ordinationszeiten ein zusätzlicher Zugang zu allgemeinmedizinischer Versorgung ermöglicht werden. Das Pilotprojekt ApoDoc läuft bis Ende Juni 2026. Wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird das neue Versorgungsmodell vom Institut für Pharmazie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU). 



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