Augentropfen richtig anwenden


Sanja Agatic

Smybolbild: Eine Frau versucht sich Augentropfen einzutropfen.
Schon kleine Anwendungsfehler können die Wirkung von Augentropfen beeinträchtigen oder das Risiko für Nebenwirkungen und Infektionen erhöhen.Foto:stock.adobe.com/dragonstock

Ein Tropfen ins Auge, einfacher könnte die Anwendung kaum sein. Trotzdem zeigen Studien, dass viele Augentropfen nicht korrekt angewendet werden. Die Folge: Der Wirkstoff erreicht sein Ziel schlechter, Nebenwirkungen können zunehmen und im schlimmsten Fall gelangen Keime ins Auge.

Ob trockene Augen, Allergien, Infektionen oder Glaukom, Augentropfen sollen nur dort wirken, wo sie gebraucht werden. Schon kleine Anwendungsfehler können jedoch dazu führen, dass ein Teil des Wirkstoffs das Auge gar nicht erreicht oder stattdessen über den Tränenkanal in den Blutkreislauf gelangt. Die American Academy of Ophthalmology weist deshalb darauf hin, dass die richtige Applikation ein wesentlicher Bestandteil des Therapieerfolgs ist.

Der häufigste Fehler

Viele richten die Tropfflasche direkt auf die Mitte des Auges. Genau dort trifft der Tropfen jedoch direkt auf die empfindliche Hornhaut. Sie ist besonders dicht mit Nervenfasern besetzt. Beim Kontakt mit dem Arzneimittel wird dann häufig ein sofortiger Lidschlussreflex ausgelöst. Ein Großteil der Flüssigkeit läuft daher wieder aus dem Auge. Empfohlen wird stattdessen, das Unterlied vorsichtig nach unten zu ziehen und den Tropfen in den unteren Bindehautsack zu tropfen. Dort verteilt sich die Lösung gleichmäßig über die Augenoberfläche und bleibt länger mit dem Gewebe in Kontakt.

Ein weiterer häufiger Irrtum: Zwei oder drei Tropfen wirken besser als einer. Der Bindehautsack fasst nur rund 30 Mikroliter Flüssigkeit. Ein einzelner Augentropfen enthält jedoch bereits 30 bis 50 Mikroliter. Alles was darüber hinausgeht, läuft meist über den Lidrand oder den Tränenkanal wieder ab. Ein zweiter Tropfen erhöht die Wirksamkeit in der Regel nicht, stattdessen steigt das Risiko, dass der Wirkstoff über die Nasenschleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen wird.

Gerade bei Wirkstoffen wie dem Betablocker Timolol, die zur Behandlung eines Glaukoms eingesetzt werden, kann dies systemische Nebenwirkungen wie einen verlangsamten Herzschlag oder Blutdruckabfall begünstigen. Hier kann nach dem Eintropfen zusätzlich mit einem Finger leicht auf den inneren Augenwinkel gedrückt werden, um den Abfluss über den Tränenkanal zu blockieren.

Blinzeln verkürzt die Kontaktzeit

Viele blinzeln unmittelbar nach dem Eintropfen mehrfach oder öffnen das Auge sofort wieder weit. Dadurch wird der Tropfen schneller über den Tränenkanal abgeleitet und verbleibt kürzer auf der Augenoberfläche. Die European Glaucoma Society empfiehlt deshalb, das Auge nach dem Eintropfen für etwa eine Minute geschlossen zu halten und gleichzeitig mit einem Finger sanft auf den inneren Augenwinkel zu drücken. Durch diesen Verschluss des Tränenkanals, die sogenannte Tränenwegsokklusion, bleibt mehr Wirkstoff am Auge, während gleichzeitig weniger Arzneistoff in den Blutkreislauf gelangt. Mehrere Studien zeigen, dass sich dadurch sowohl die lokale Wirkung verbessern als auch systemische Nebenwirkungen verringern lassen.

Nicht weniger wichtig ist der Abstand zwischen verschiedenen Augenpräparaten. Werden mehrere Augentropfen unmittelbar hintereinander angewendet, spült der zweite den ersten häufig wieder aus dem Bindehautsack. Die Folge: Der zuerst verabreichte Wirkstoff kann seine volle Wirkung nicht entfalten. Fachgesellschaften empfehlen deshalb, zwischen zwei unterschiedlichen Augentropfen mindestens fünf Minuten zu warten. Wird zusätzlich eine Augensalbe verwendet, sollte sie immer zuletzt angewendet werden, da sie einen Fettfilm auf der Augenoberfläche bildet und die Aufnahme wässriger Tropfen behindern kann.

Hygiene und Haltbarkeit

Ein oft unterschätztes Risiko ist die Kontamination der Tropfflasche. Berührt die Flaschenspitze das Auge, die Wimpern oder die Finger, können Bakterien oder Pilze auf die Flasche übertragen werden. Mehrere Untersuchungen zeigen, dass vor allem die Tropferspitze häufig mit Mikroorganismen verunreinigt ist. Konservierungsmittel können das Risiko zwar verringern, verhindern eine Verkeimung aber nicht vollständig. Deshalb sollte die Tropferspitze niemals mit dem Auge oder anderen Oberflächen in Kontakt kommen und die Flasche nach jeder Anwendung sofort wieder verschlossen werden.

Ebenso häufig wird die Haltbarkeit nach dem Öffnen überschätzt. Viele Anwenderinnen und Anwender orientieren sich ausschließlich am aufgedruckten Mindesthaltbarkeitsdatum. Dieses gilt jedoch nur für ungeöffnete Packungen. Nach Anbruch sind klassische Mehrdosisbehälter meist nur etwa vier Wochen verwendbar, sofern die Fachinformation nichts anderes angibt. Danach steigt trotz Konservierung das Risiko einer mikrobiellen Verunreinigung. Konservierungsmittelfreie Systeme können je nach Verpackung deutlich kürzere oder längere Anbruchfristen haben. Ein Blick in die Packungsbeilage lohnt sich daher immer.

Auch Kontaktlinsen spielen bei der Anwendung eine wichtige Rolle. Viele Augentropfen enthalten Benzalkoniumchlorid, eines der am häufigsten verwendeten Konservierungsmittel. Weiche Kontaktlinsen können diesen Stoff aufnehmen und wieder and die Augenoberfläche abgeben. Das kann die Hornhaut reizen und den Tränenfilm beeinträchtigen. Deshalb sollten Kontaktlinsen vor dem Eintropfen entfernt und sofern in der Packungsbeilage nichts anderes angegeben ist, frühestens 15 Minuten später wieder eingesetzt werden.

Suspensionen: Bitte schütteln

Ein weiterer Fehler betrifft Suspensionen. Im Gegensatz zu Lösungen liegt der Wirkstoff hier nicht vollständig gelöst vor, sondern als feine Partikel in der Flüssigkeit. Bleibt die Falsche längere Zeit stehen, setzen sich diese Partikel am Boden ab. Wird das Präparat vor der Anwendung nicht geschüttelt, kann die Wirkstoffkonzentration von Tropfen zu Tropfen deutlich schwanken. Besonders bei kortison-haltigen Augentropfen als Suspension ist deshalb ein gründliches Schütteln vor der Anwendung entscheidend.



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