Vom Hausmittel bis Macrogol: Verstopfung bei Kindern


Sanja Agatic

Symbolbild: Kleinkind sitzt auf einem Töpfchen.
Verstopgun bei Kindern entsteht häufig durch Zurückhalten nach schmerzhaften Stuhlgang, entscheidend ist, den Stuhl lange genug weich zu halten. Foto:stock.adobe.com/New Africa

Ein schmerzhafter Stuhlgang kann bei Kindern einen Teufelskreis auslösen: Sie halten ihn zurück, der Stuhl wird härter, die nächste Entleerung schmerzt noch mehr. Genau deshalb reicht es oft nicht, nur mehr Wasser oder Pflaumensaft anzubieten. Entscheidend ist, ob bereits eine funktionelle Verstopfung entstanden ist.

Die aktuelle S2k-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften zur funktionellen, also nicht-organischen, Obstipation bei Kindern und Jugendlichen beschreibt Verstopfung nicht als bloßes Ernährungsproblem. Die S2k-Leitlinie fasst den aktuellen Konsens medizinischer Fachgesellschaften zusammen und stützt sich unteranderem auf Empfehlungen der ESPGHAN (European Society for Paediatric Gastroenterologie, Hepatologie and Nutrition) und NASPGHAN (North American Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition).

Der Kreislauf beginnt mit Schmerzen

Nach einer schmerzhaften Entleerung unterdrücken viele Kinder den nächsten Stuhldrang. Der Stuhl bleibt länger im Dickdarm, verliert Wasser und wird somit härter. Typisch sind nicht nur wenige Stuhlgänge, sondern auch ein Pressen, sehr große Stuhlmengen, Stuhlschmieren oder Rückhaltemanöver wie Beine überkreuzen, Hinhocken und Anspannen.

Hausmittel können helfen, wenn die Beschwerden zunächst noch mild sind. Zwetschken und Birnen enthalten Sorbitol, das Wasser im Darm bindet. Lösliche Ballaststoffe aus Obst, Gemüse und Hafer können den Stuhl weicher machen, brauchen aber ausreichend Flüssigkeit. Wird die Ballaststoffmenge erhöht, ohne dass das Kind genug trink, kann der Stuhl sogar fester werden. Eine feste Toilettenroutine nach dem Essen nutzt den gastrokolischen Reflex: Der Darm arbeitet nach Mahlzeiten aktiver. Ein Fußhocker verbessert die Sitzposition und erleichtert die Entleerung.

Das Alter ist ebenfalls ein entscheidender Faktor. Bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten gehört eine neu auftretende oder anhaltende Verstopfung eher ärztlich abgeklärt,vor allem bei geblähtem Bauch, Erbrechen oder schlechtem Gedeihen. Ab Beikoststart können Flüssigkeiten, sorbitol-haltiges Obst und eine langsame Ballaststoffsteigerung sinnvoll sein. Beim Toilettentraining im Kleinkindalter sollte auf das Zurückhalten des Stuhls aus Angst vor Schmerzen geachtet werden.

Welche Wirkstoffe helfen

Als mittel der ersten Wahl nennen die Leitlinien Macrogol, auch Polyethylenglykol genannt. Der Wirkstoff bleibt im Darm, bindet Wasser und hält den Stuhl weich, ohne den Darm direkt zu reizen. Je nach Präparat ist Macrogol für unterschiedliche Altergruppen zugelassen; bei Säuglingen und kleinen Kindern sollte die Anwendung nach ärztlicher Vorgabe erfolgen. Wichtig ist: Ziel ist nicht ein einzelner Stuhlgang, sondern mehrere Wochen schmerzfreie Entleerung, damit das Kind das Zurückhalten verlernt.

Lactulose gilt als bewährte Alternative, wenn Macrogol nicht infrage kommt. Der Wirkstoff bindet Wasser im Darm und erleichtert so die Stuhlentleerung. Da Lactulose im Dickdarm von Baktieren verstoffwechselt wird, entstehen jedoch Gase und Säuren. Blähungen und Bauchkrämpfe treten deshalb häufiger auf als unter Macrogol.

Für eine rasche lokale Entleerung kommen Glycerin-Zäpfchen oder Mikroklistiere mit Natriumcitrat, Sorbitol und Natriumlaurylsulfoacetat infrage. Glycerin bindet Wasser im Enddarm und löst dort den Entleerungsreflex aus. Natriumcirtrat setzt im Stuhl gebundenes Wasserfrei, Sorbitol verstärkt den osmotischen Effekt, Natriumlaurlysulfoacetat erleichertd das Eindringen der Flüssifkeit in den Stuhl. Diese Mittel wirken lokal und meist rasch, behandeln aber nicht die Ursache einer länger bestehenden funktionellen Verstopfung.

Häufige Fehler

Ein häufiger Fehler ist das zu frühe Absetzen Abführmitteln. Sobald der erste Stuhlgang gelingt, wird die Behandlung beendet und wenige Tage später beginnt alles von vorne. Die Leitlinien empfehlen deshalb bei chronischer funktioneller Obstipation eine Erhaltungstherapie über Wochen bis Monate, mit langsamer Dosisreduktion.

Ärztlich abgeklärt sollten fehlender Mekoniumabgang (der erste Stuhl nach der Geburt des Babys) in den ersten 48 Stunden, Blut im Stuhl ohne erkennbare kleine Einrisse, wiederholtes Erbrechen, Fieber, ein stark geblähter Bauch, Gedeihstörungen oder eine ausbleibende Besserung trotz konsequenter Behandlung.



Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!