Zahlreiche Arzneimittel aus der Hausapotheke sind für Katzen hochgefährlich. Was vielen nicht bewusst ist: Schon kleine Mengen können schwere Vergiftungen auslösen. Welche Wirkstoffe besonders problematisch sind und worauf in der Beratung unbedingt geachtet werden muss, zeigt ein Überblick.
Vorsicht bei bekannten Wirkstoffen
Viele in der Humanmedizin eingesetzte nicht steroidale Antirheumatika (NSAID) führen bei Katzen bereits in kleinen Mengen zu schweren Nebenwirkungen. Dazu zählen unter anderem Ibuprofen, Acetylsalicylsäure und Diclofenac. Diese Wirkstoffe verursachen häufig Magen-Darm-Schäden mit Blutungen und können zudem ein akutes Nierenversagen auslösen. Besonders kritisch ist, dass selbst eine einmalige Gabe bereits lebensbedrohliche Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann.
Schon zwischen den verschiedenen Spezies gibt es Unterschiede. So sind etwa bei Hunden eingesetzte Wirkstoffe nicht automatisch für Katzen geeignet. Laut CliniPharm/CliniTox, einem Informationssystem für die veterinärmedizinische Pharmakotherapie und Toxikologie, sind beispielsweise Carprofen, Deracoxib oder Firocoxib für Hunde vorgesehen, bei Katzen aber nicht indiziert.
Paracetamol: Ein gefährlicher Sonderfall
Ein Sonderfall ist Paracetamol. Aufgrund einer genetisch bedingten eingeschränkten Glukuronidierungsfähigkeit können Katzen (aller Rassen) diesen Wirkstoff kaum abbauen. Dadurch kommt es zu einer Anreicherung toxischer Metaboliten im Körper.
Arzneistoffe, die glukuronidiert werden müssen, sind für Katzen absolut kontraindiziert!
Bereits geringe Mengen von Paracetamol können schwerwiegende Folgen haben: Laut CliniPharm/CliniTox liegt die toxische Dosis bei etwa 40 bis 50 mg pro kg Körpergewicht, wobei schon deutlich niedrigere Mengen gefährlich werden können. In einzelnen Fällen wurden bereits ab etwa 10 mg pro kg Körpergewicht eine Methämoglobinämie und tödliche Verläufe beobachtet. Es kommt zu einer gestörten Sauerstoffversorgung des Blutes sowie in höheren Dosen zusätzlich schwere Leberschäden.
Weitere Risiken im Alltag
Neben klassischen Schmerzmitteln bergen auch andere Substanzen erhebliche Gefahren. Besonders problematisch sind Insektizide wie Pyrethroide. Diese finden sich häufig in Floh- und Zeckenmitteln. Präparate mit Permethrin, die für Hunde gedacht sind, können für Katzen bereits bei Kontakt mit einem behandelten Hund tödlich sein. Als einzige Ausnahme wird Flumethrin (Seresto-Halsband) angeführt.
Besonders häufig treten auch Vergiftungen auf, wenn Katzen versehentlich Präparate erhalten, die eigentlich für Hunde bestimmt sind. Dazu zählen unter anderem Spot-on-Produkte oder Entwurmungsmittel.
Die klare Empfehlung lautet daher: „Wenden Sie nie ein für Hunde freigegebenes Produkt an Ihrer Katze an.“
Auch vermeintlich harmlose „natürliche“ Produkte sind nicht unbedenklich. Aufgrund der eingeschränkten Entgiftungsmechanismen (Glukoronidierung) können ätherische Öle wie Teebaumöl oder Neemöl bei Katzen schwere Vergiftungen auslösen.
Vergiftungsfälle aus der Praxis
Die Tierklinik Zweibrücken zählt die häufigsten Vergiftungsfälle aus der Praxis wie folgt auf:
- Rattengift: Antikoagulantien, Cholecalciferol (verusacht eine Hyperkalzämie)
- Insektizide: Organophosphate, Carbamate (wirken neurotoxisch), DEET (Diethyltoluamid) in Mückenabwehrsprays, Rotenon in Pflanzenschutzmitteln
- Medikamente: Ibuprofen, Paracetamol
- Pflanzen: Lilien, Rhododendron, Philodendron
- Chemikalien: Frostschutzmittel (Ethylenglykol)
Weiters gibt die Tierklinik an, dass 17 Prozent der Vergiftungen bei Katzen durch Humanarzneimittel, 27 Prozent durch Tierarzneimittel, 16 Prozent durch Haushaltsprodukte und 13 Prozent durch Pflanzen verursacht werden.
Katzen reagieren auf manche Wirkstoffe deutlich empfindlicher Menschen. Selbst geringe Mengen können schwerwiegende oder tödliche Folgen haben. Um eine Katz-astrophe zu vermeiden, sollten Arzneimittel Katzen niemals ohne Rücksprache mit dem Tierarzt verabreicht werden.
