„Keine Notwendigkeit“: Ärztekammer über Impfen in Apotheken


Redaktion

Kammerpräsident Steinhart bei der Pressekonferenz.
Bei der Pressekonferenz sprich Johannes Steinhart (r.) auch über das geplante Impfen in den Apotheken. (l: Edgar Lutscher, Vizepräsident ÖÄK)ÖÄK/Stefan Seelig

Vergangene Woche äußerte sich die Führungsebene der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) zu aktuellen Themen der Gesundheitspolitik. Das geplante Impfen in Apotheken wurde ebenfalls angesprochen: Eine „medizinische Notwendigkeit“ sieht man seitens der Kammer nicht. Vielmehr gerate das System in eine „Schieflage“, unter anderem aufgrund eines „Wochenendkurses mit unklarer Qualität“. Zudem wurde die Idee eines Gebietsschutzes für Arztpraxen in den Raum gestellt, um die Fairness im System zu wahren.

„In den vergangenen Wochen gab es im Gesundheitsbereich eine Menge an Ideen und Entscheidungen, die das Ziel des Gesundheitswesens aus den Augen verloren haben – die bestmögliche Versorgung der Menschen“, eröffnete Johannes Steinhart, Präsident ÖÄK, die Pressekonferenz. Diese könne nicht mit populistischen Aktionen oder Zwangsmaßnahmen hergestellt werden, „sondern sie ist das Resultat harter und konsequenter Arbeit und erfordert sinnvolle, an die Versorgungsrealität angepasste und zukunftsorientierte Maßnahmen“.

Kein Bedarf in Österreich

Die Politik sei bestrebt, Impfungen ab 2027 auch in Apotheken zu ermöglichen. „Es mag den politischen Wunsch geben, die medizinische Notwendigkeit gibt es jedenfalls nicht“, sagt Steinhart. Man höre zwar immer wieder von internationalen Beispielen, in denen das Impfen in Apotheken möglich ist, dabei werde aber die Ausgangslage in Österreich außer Acht gelassen. „Wir verfügen über ein sehr leistungsfähiges Ärztenetz, es mangelt also nicht an geeigneten Orten für kompetentes Impfen, sondern leider sehr oft an Impfstoffen und an wirksamen Kampagnen zur Steigerung der Impfbereitschaft der Bevölkerung“, so Steinhart.

Man könnte auch argumentieren, dass in vielen Ländern Medikamente ganz einfach online gekauft werden können, zieht das aber für Österreich nicht in Betracht. „Aber Politik und einige ÖGK-Vertreter picken sich aus den internationalen Beispielen oft gerne nur die Aspekte heraus, die zur eigenen Agenda passen, ohne auf das Gesamtgefüge und die jeweilige Situation im Land zu achten. Wir werden jedenfalls weiterhin höchstmögliche Patientensicherheit einfordern – das sind wir unseren Patientinnen und Patienten, aber auch uns selbst als Ärztinnen und Ärzte schuldig.“

Kamaleyan-Schmied: „Schieflage und Ungerechtigkeit“

Wenn das Impfen auf Nichtärzte ausgebaut werde, wie es die Regierung vorsieht, bringe das „eine Menge Schieflagen mit sich“, warnte Naghme Kamaleyan-Schmied, Obmann-Stellvertreterin der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und Allgemeinmedizinerin. Ärzt:innen hätten nicht nur eine jahrelange Ausbildung, sondern seien verpflichtet, sich ständig fortzubilden. Auf der anderen Seite stünde ein Wochenendkursus mit unklarer Qualität. „Wenn man das in der Tat gleichsetzen will, wäre das selbst gegenüber unseren Ordinationsassistenten ungerecht. Deren Ausbildung dauert mindestens 650 Stunden, drei Jahre, berechtigt aber nicht zum Impfen. Das heißt, man hat sich bei diesem Curriculum schon etwas überlegt, warum die Hürde so hoch angesetzt wurde“, hält Kamaleyan-Schmied fest.

Gebietsschutz für Arztpraxen?

Zudem müssten die gleichen Qualitätsmaßstäbe angesetzt werden, wie sie seit Jahren in den Ordinationen bestehen und geprüft werden. „Das bedeutet Hygienevorschriften, Privatsphäre durch einen eigenen Raum, Dokumentationspflichten – das ganze Programm!“ Außerdem hätten die Apotheken durch ihren Gebietsschutz einen Standortvorteil: „Konsequenterweise müsste dann auch ein Gebietsschutz für Arztpraxen kommen, das heißt zum Beispiel 400 Meter rund um eine Arztpraxis darf in der Apotheke nicht geimpft werden – das fände ich fair“, so Kamaleyan-Schmied.

Forderungen

ÖÄK-Präsident Steinhart fasste resultierend die Forderungen der ÖÄK zusammen: Eine Fokussierung auf Patienteninteressen durch maximale Sicherheit, beispielsweise durch Impfen als ärztliche Tätigkeit sowie einem One-Stop-Shop bei der Ärztin oder dem Arzt. Damit sollen Patient:innen keine längeren Wege mehr zurücklegen müssen, um an Impfstoffe oder Medikamente zu kommen. Gefordert werden alle erforderlichen medizinischen Leistungen und Medikamente in der ärztlichen Ordination (One-Stop-Shop). Als Beispiel wird hier die Situation in der Schweiz angeführt.

PRESSEINFORMATION ÖÄK



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