Magnesiumperoxid als Laxans: Was ist dazu bekannt?


Viktoria Anderle

Frau auf der Toilette
Magnesiumperoxid darf bei eingeschränkter Nierenfunktion, Darmperforation oder Darmverschluss (Ileus), starkem Durchfall und Herzrhythmusstörungen nicht angewendet werden.Foto: Goffkein/stock.adobe.com

Magnesiumsalze werden seit langem auch zur Behandlung von Verstopfung eingesetzt. Neben bekannten Wirkstoffen wie Bittersalz (Magnesiumsulfat) ist Magnesiumperoxid ein wenig gebräuchlicher Vertreter, der in Deutschland als Medizinprodukt verfügbar ist, in Österreich jedoch nicht. Leitlinien zufolge gelten salinische Laxantien zwar als wirksam, sind jedoch nicht als Mittel der ersten Wahl empfohlen.

Mischung von Magnesiumsalzen

Magnesiumperoxid (MgO₂) ist laut dem pharmazeutischen Wörterbuch Hunnius eine Mischung aus Magnesiumperoxid und Magnesiumoxid. Der Anteil an Magnesiumperoxid liegt dabei bei etwa 22 bis 28 Prozent. Es handelt sich um ein weißes bis schwach gelbliches, amorphes Pulver, das in Wasser und Ethanol unlöslich ist.

Äußerlich kann das Salz unter anderem als Desodorans (Deodorant) oder Bleichmittel in Zahnpasten angewendet werden. Beschrieben ist auch eine innerliche Anwendung als Laxans sowie bei Blähungen.

Medizinprodukt in Deutschland

In Österreich befinden sich derzeit keine Magnesiumperoxid-haltigen Präparate auf dem Markt, in Deutschland schon. Das Medizinprodukt Ozovit wird zur Behandlung von Stuhlverstopfung und Blähungen eingesetzt. Die orale Anwendung des Pulvers ist auf eine Woche begrenzt.

Laut Gelber Liste, einem Arzneimittel-Informationsportal für medizinische Fachkreise, wird der Wirkstoff als alternativmedizinisches Mittel eingesetzt. Die abführende Wirkung beruht dabei auf dem enthaltenen Magnesium: Durch osmotische Effekte wird Wasser in den Darm gezogen, wodurch der Stuhl aufgeweicht und die Darmentleerung erleichtert wird.

Salinische Laxanzien „eher nicht“

Magnesiumperoxid wird in der aktuelle S2k-Leitlinie zur chronischen Obstipation (Stand 10/2021, gültig bis 10/2026) nicht explizit erwähnt. Zum Thema salinische Laxantien, zu denen Magnesiumsalze zählen, lautet der Konsens der Expert:innen wie folgt:

Salinische Laxantien sind bei chronischer Obstipation wirksam, sollten aber wegen potenzieller unerwünschter Arzneimittelwirkungen eher nicht zur Behandlung der chronischen Obstipation eingesetzt werden.“

Zu den klassischen Vertretern dieser Gruppe zählen neben Magnesiumhydroxid (Mg(OH)2, milk of magnesia) auch das Bittersalz (MgSO4). Diese wirken osmotisch im Darm, sind jedoch teilweise resorbierbar und können insbesondere bei Überdosierung zu Nebenwirkungen wie Elektrolytverschiebungen oder im Extremfall zu Intoxikationen führen.

Als Mittel der ersten Wahl schlägt die Leitlinie Macrogole, Natriumpicosulfat und Bisacodyl vor. Sie können sowohl bei akuter funktioneller als auch bei chronischer Obstipation angewendet werden. Eine Begrenzung des Einnahmezeitraums ist laut Konsensmeinung unbegründet. Magnesiumverbindungen bleiben damit eher eine ergänzende Möglichkeit als Mittel der ersten Wahl.



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