Der Wunsch ist oft da. Der Plan auch. Trotzdem scheitert der Rauchstopp häufig nicht am fehlenden Willen, sondern an der Nikotinabhängigkeit selbst. Denn Rauchen ist mehr als eine Gewohnheit: Nikotin greift direkt in das Belohnungssystem ein, Entzugssymptome und Verlangen machen den Ausstieg für viele zur echten Belastungsprobe.
Genau hier rücken medikamentöse Unterstützungen wieder stärker in den Fokus. Neben einer Nikotinersatztherapie, Bupropion oder Vareniclin wird auch Cytisin zunehmend diskutiert. Der Wirkstoff ist keineswegs neu, er wird in osteuropäischen Ländern bereits seit den 1960er Jahren zur Unterstützung der Raucherentwöhnung eingesetzt. In Österreich gewinnt Cytisin nun auch beim Rauchstopp zunehmend an Bedeutung.
Nikotin wirkt schnell. Nach dem Inhalieren erreicht es innerhalb kurzer Zeit das Gehirn und bindet dort an nikotinische Acetylcholinrezeptoren. Die Folge ist eine vermehrte Ausschüttung von Botenstoffen wie Dopamin und damit jenes Belohnungsgefühl, das Rauchen so stark mit Alltagssituationen verknüpft. Kaffee, Anlässe werden zu Auslösern, die das Verlangen immer wieder anstoßen. Beim Rauchstopp fehlt dieser gewohnte Reiz. Viele Betroffene berichten dann über innere Unruhe, Gereiztheit, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, gesteigerten Appetit oder starkes Rauchverlangen. Gerade dieses Verlangen ist einer der Gründe, warum Rückfälle häufig passieren, selbst dann, wenn die Motivation grundsätzlich hoch ist.
Pflanzlicher Ursprung
Cytisin ist ein pflanzliches Alkaloid, das unter anderem im Goldregen (Laburnum) vorkommt. Pharmakologisch wirkt es partieller Agonist an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren. Vereinfacht gesagt: Cytisin besetzt jene Rezeptoren, an denen sonst Nikotin wirkt, löst dort aber eine schwächere Wirkung aus. Dadurch können Entzungssymptome und Rauchverlangen gedämpft werden. Gleichzeitig kann Cytisin den belohnenden Effekt einer Zigarette abschwächen, weil Nikotin nicht mehr in gleicher Weise an den Rezeptoren andocken kann. Damit unterscheidet sich Cytisin klar von einer Nikotinersatztherapie. Während Pflaster, Kaugummi oder Spray weiterhin Nikotin zuführen, arbeitet Cytisin ohne Nikotin. Ziel ist es den Übergang in die Rauchfreiheit pharmakologisch abzufedern.
Kurze Therapie
Ein zentraler Punkt bei Cytisin ist das feste Einnahmeschema. Die klassische Therapie dauert 25 Tage. Dabei wird die Dosis nach dem Auftitrieren schrittweise wieder reduziert. Wichtig ist: Spätestens ab dem fünften Behandlungstag sollte vollständig mit dem Rauchen aufgehört werden. Auch andere Nikotinprodukte sollten dann nicht weiterverwendet werden, da sich Nebenwirkungen verstärken können. Gerade dieser klare zeitliche Rahmen kann für manche Rauchende hilfreich sein. Der Rauchstopp wird nicht vage auf „irgendwann“ verschoben, sondern an einen konkreten Plan gebunden. Gleichzeitig bleibt die Therapie anspruchsvoll. Cytisin nimmt nicht automatisch die Verhaltensmuster weg, die über Jahre mit dem Rauchen verknüpft wurden.
Rauchfrei werden bedeutet deshalb nicht nur, ein Medikament einzunehmen. Die körperliche Abhängigkeit ist nur ein Teil des Problems. Der andere Teil ist psychisch und verhaltensbezogen. Wann wird geraucht? Welche Situationen lösen Verlangen aus? Welche Ersatzhandlungen funktionieren wirklich? Und was passiert beim ersten Rückfall? Fachlich sinnvoll ist daher eine Kombination aus medikamentöser Unterstützung und Beratung.
Für wen Cytisin nicht geeignet ist
Auch wenn Cytisin häufig als „pflanzlicher Wirkstoff“ beschrieben wird ist es kein harmloses Produkt. Es handelt sich um eine pharmakologisch wirksame Substanz. Ärztliche Abklärung ist besonders wichtig bei relevanten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, instabiler Angina pectoris, kürzlich aufgetretenem Herzinfarkt oder Schlaganfall, schweren Rhythmusstörungen, Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei bestimmten psychiatrischen oder neurologischen Vorerkrankungen. Für Personen über 65 Jahren wird eine Anwendung aufgrund fehlender Daten nicht empfohlen.
Auch mögliche Wechselwirkungen und Begleitmedikationen müssen berücksichtigt werden. Wer mit dem Rauchen aufhört, verändert nicht nur sein Verhalten, sondern auch Stoffwechselprozesse. Tabakrauch kann Leberenzyme (CYP1A2) induzieren. Nach dem Rauchstopp können sich daher Wirkspiegel einzelner Arzneistoffe verändern, etwa bei bestimmten Psychopharmaka, Theophyllin, Insulin oder Antikoagulanzien.
Nebenwirkungen
Zu den möglichen Nebenwirkungen von Cytisin zählen unter anderem Übelkeit, Kopfschmerzen, vermehrter Appetit, Schlafstörungen, ungewöhnliche Träume, Mundtrockenheit, Veränderung des Geschmacksempfindens oder Magen-Darm-Beschwerden. Die Nebenwirkungen werden meist als mild bis moderat beschrieben, dennoch können sie für Betroffene relevant sein, vor allem, wenn gleichzeitig weitergeraucht oder zusätzlich Nikotin verwendet wird. Gerade deshalb braucht es eine gute Erklärung vor Therapiebeginn. Cytisin ist kein „Anti-Rauch-Wundermittel“, sondern ein Hilfsmittel innerhalb eines Rauchstopp-Plans. Wer weiß, was in den ersten Tagen passieren kann, bricht die Therapie seltener vorschnell ab.
