Wer bei trockenem Mund ständig zur Wasserflasche greift, behandelt häufig nur ein Symptom. Denn Xerostomie kann auch bei normaler Speichelproduktion auftreten, während eine Hyposalivation den natürlichen Schutz von Zähnen und Schleimhäuten schwächt. Was hilft, hängt deshalb davon ab, was hinter der Trockenheit steckt.
Trocken ist nicht gleich zu wenig Speichel
Mundtrockenheit hat zwei medizinisch unterschiedliche Gesichter: Xerostomie bezeichnet das subjektive Gefühl eines trockenen Mundes, Hyposalivation eine objektiv verminderte Speichelproduktion. Beides tritt häufig gemeinsam auf, ist aber nicht dasselbe.
Ein trockener Mund bedeutet somit nicht, dass die Speicheldrüsen zu wenig produzieren. Darauf weisen auch Villa und Kolleg:innen in ihrer Übersichtsarbeit „Diagnosis and management of xerostomia and hyposalivation“ hin. Diese Unterscheidung erklärt, warum häufiges Trinken Beschwerden zwar kurzfristig lindern kann, das eigentliche Problem aber nicht immer löst. Speichel ist schließlich kein bloßes Wasser: Er hält die Schleimhäute gleitfähig, erleichtert Sprechen und Schlucken, spült Nahrungsreste weg und neutralisiert Säuren. Calcium und Phosphat im Speichel spielen zudem bei der Remineralisation des Zahnschmelzes eine Rolle.
Mögliche Auslöser
Bei anhaltender Mundtrockenheit lohn sich ein genauer Blick auf die Medikation. Arzneimittel gehören zu den häufigsten Auslösern, wobei mehrere Wirkstoff in Frage kommen. Zu den möglichen Auslösern zählen unter anderem anticholinerge Wirkstoffe wie Oxybutynin, trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin, Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) wie Sertralin sowie bestimmte Antihypertensiva und Diuretika.
Besonders bei mehreren gleichzeitig eingenommenen xerogene Arzneimittel kann sich die Mundtrockenheit verstärken. Eine umfangreiche Übersichtsarbeit „A Guide to Medications Inducing Salivary Gland Dysfunction, Xerostomia, and Subjectibe Sialorrhea“ von Wolff und Kolleg:innen zeigt, wie viele Arzneistoffe mit Xerostomie oder Veränderungen der Speichelproduktion in Verbindung gebracht werden.
Das bedeutet allerdings nicht, ein verdächtiges Medikament eigenständig abzusetzen. Bei ausgeprägten Beschwerden kann geprüft werden, ob Dosierung oder Therapie angepasst werden können.
Morgens besonders trocken?
Nicht jede Xerostomie ist durch Arzneimitteln begründet. Flüssigkeitsmangel, Rauchen und Mundatmung können die Beschwerden ebenfalls begünstigen. Wer hauptsächlich morgens mit trockenem Mund aufwacht, sollte deshalb auch die Nacht im Blick haben. Während des Schlafs nimmt die Speichelsekretion ab. Kommt eine ausgeprägte Mundatmung hinzu, kann die Schleimhaut austrocknen. Ein Spray bringt dann nur kurze Erleichterung, länger an der Schleimhaut haftende Gele können nachts praktischer sein.
Bestehen die Beschwerden hingegen dauerhaft oder treten zusätzlich trockene Augen auf, sollte auch nach anderen Ursaschen gesucht werden. Eine ausgeprägte Speicheldrüsenunterfunktion gehört etwa zum Beschwerdebild des Sjörgen-Syndroms. Auch eine Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich kann Speicheldrüsen dauerhaft beeinträchtigen.
Stimulieren oder ersetzen?
Bei der Behandlung führt eine Frage weiter: Produzieren die Speicheldrüsen noch ausreichend Speichel, um sie anzuregen? Ist das der Fall können zuckerfreie Kaugummis oder Lutschprodukte über Kau- und Geschmacksreize den Speichelfluss stimulieren. Die Untersuchung „The effect of gum chewing on xerostomia and salivary flow rate in elderly and medically compromised subject“ von Dodds und Kolleg:innen, zeigte dass Kaugummikauen den Speichelfluss steigern und das Gefühl von Mundtrockenheit reduzieren kann. Ein klarer Vorteil gegenüber Speichelersatzmitteln ließ sich allerdings nicht belegen.
Bei deutlich eingeschränkter Speichelproduktion rücken dagegen Speichelersatz und Mundbefeuchter in den Vordergrund. Sprays sind praktisch für zwischendurch, Gele können aufgrund ihrer längeren Verweildauer besonders für die Nacht interessant sein. Die Präparate lindern die Beschwerden, bringen die Speicheldrüsen nicht wieder zum Arbeiten.
Warum sauer nicht immer hilft
Saure Wattestäbchen und Lutschpastillen können den Speichelfluss kräftig anregen. Ausgerechnet bei Menschen mit wenig Speichel ist dieser Ansatz auf Dauer mit Bedacht einzusetzen: Fehlt ein Teil der natürlichen Pufferwirkung, ist der Zahnschmelz gegenüber Säureangriffen schlechter geschützt. Das ist ein wichtiger Unterschied zur gelegentlichen Mundtrockenheit. Bei chronischer Hyposalivation muss neben der Befeuchtung immer auch der Zahnschutz mitgedacht werden.
Bei bestimmten Erkrankungen und noch vorhandener Speicheldrüsenfunktion kommen auch verschreibungspflichtige Speichelstimulatoren infrage. Pilocarpin ist hierfür ein Beispiel. Die Behandlung ist insbesondere bei ausgeprägter Mundtrockenheit im Zusammenhang mit Sjögren-Syndrom oder nach Bestrahlung untersucht worden. Systemische Nebenwirkungen begrenzen den Einsatz und machen eine ärztliche Abklärung notwendig.
Warnzeichen
Spätestens wenn Mundtrockenheit dauerhaft anhält, nachts ausgeprägt ist oder Probleme beim Sprechen, Kauen und Schlucken hinzukommen, sollte nicht nur befeuchtet, sondern nach der Ursache gesucht werden. Auch neue oder ungewöhnlich häufige Karies, brennende Schleimhäute und wiederkehrende Infektionen sind Warnzeichen.
