Neue Einbruchsserie: Wiener Apothekerkammer fordert Maßnahmen


Viktoria Anderle

Symbolbild: Ein grünes leuchtendes Kreuz mit dem Apothekenlogo.
Die Apothekerkammer Wien intensivierte zuletzt den Austausch mit Politik und Stadtverwaltung.TARA24

In Wien kommt es erneut zu mehreren Einbrüchen in Apotheken. Teilweise ereigneten sich die Vorfälle sogar während laufender Nachtdienste. Bisher wurden mindestens neun Fälle gemeldet. „Für die diensthabenden Apothekerinnen und Apotheker bedeutet die aktuelle Einbruchsserie eine starke Belastung“, erklärt Mag. pharm. Susanne Ergott-Badawi, Vizepräsidentin der Apothekerkammer Wien.

Auf Anfrage von TARA24 bei der Wiener Apothekerkammer hieß es, dass die Zahl der Einbrüche zuletzt wieder deutlich zugenommen habe. Im Juni soll das Thema außerdem bei einem Landesgeschäftsstellenabend behandelt werden. Die Kammer fordert zudem mehr Unterstützung durch Politik und Sicherheitsbehörden. Konkret gefordert werden unter anderem eine stärkere Polizeipräsenz, besonders in den Nachtstunden, sowie ein Sicherheitsgipfel zum Thema Jugendkriminalität.

Minderjährige nicht strafmündig

„Soweit bekannt, handelt es sich bei den Tätern offenbar vornehmlich um unter-14-jährige Täter, die ganz genau wissen, dass sie vor ihrem 14. Geburtstag keinerlei rechtliche Konsequenzen zu fürchten haben. Die Apothekerkammer appelliert an die Politik, sich mit dem Problem minderjähriger Straftäter noch intensiver zu befassen und endlich nachhaltige Lösungen zu erarbeiten. Wir fordern außerdem eine noch stärkere Präsenz der Polizei“, erklärt DDr. Philipp Saiko, Präsident der Apothekerkammer Wien

Einbruch im Nachtdienst

Bereits in den vergangenen Wochen war es wiederholt zu Einbrüchen gekommen. Erst Anfang Mai wurde kurz nach dem Feiertag in eine Apotheke in Wien-Favoriten eingebrochen. Mehrere mutmaßliche jugendliche Täter sollen beteiligt gewesen sein, berichtet eine Apothekenmitarbeiterin gegenüber TARA24. Während ein Einbrecher in die Apotheke eindrang und sich an Kassa und Regalen zu schaffen machte, dürften weitere Personen vor dem Gebäude gewartet haben. Das brisante an der Situation: Zum Zeitpunkt des Einbruchs befand sich ein Mitarbeiter im Nachtdienst und überraschte den Täter. Alle flüchteten, niemand wurde verletzt.

Sachschäden übersteigen Beute

Die Kammer appelliert an die Apotheken, möglichst wenig Bargeld in den Kassen zu führen. Höhere Beträge sollten untertags mehrmals weggeschafft werden, sodass sich in den Kassen nur Kleingeld befindet. Große Geldbeträge sollten über Nacht auch nicht in den Kassen aufbewahrt werden. Kassenladen sollten offen stehen gelassen werden, um zusätzliche Sachschäden zu vermeiden. „In den Kassen der Apotheken gibt es kaum etwas zu holen. Die durch die Einbrüche verursachten Sachschäden übersteigen die erbeuteten Geldbeträge immer um ein Vielfaches“, so Saiko.

Auch die Sicherheitstechnik solle regelmäßig überprüft werden, heißt es weiter. Seit geraumer Zeit würde die Kammer auch verstärkt Sicherheitsschulungen für das Apothekenpersonal anbieten. Sie hat den Kontakt mit Stadtverwaltung und Politik intensiviert.

Starke Belastung für Personal

Mag. pharm. Susanne Ergott-Badawi, Vizepräsidentin der Apothekerkammer Wien über die derzeitigen Einbrüche: „Für die diensthabenden Apothekerinnen und Apotheker bedeutet die aktuelle Einbruchsserie eine starke Belastung. Das gilt vor allem für jene Kolleginnen und Kollegen, die Nachtdienste verrichten.“ Weiters meint sie: „Rund 90 Prozent der Apothekerschaft sind Frauen. Sie leiden in besonderem Maße unter der aktuellen Situation.“

Ergott-Badawi und Saiko sind sich einig: „Es ist die Aufgabe des Staates, für entsprechende Sicherheit zu sorgen, damit wir Apotheken die Menschen mit Arzneimitteln versorgen können.“

Vergangene Vorfälle

Schon im Februar 2026 waren mehrere Einbrüche in Wiener Apotheken gemeldet worden. Damals bestätigte die Apothekerkammer vier Fälle. Nach der Festnahme eines Tatverdächtigen sei vorübergehend wieder „Ruhe eingekehrt“, hieß es damals auf Anfrage von TARA24.

Besonders groß war die Verunsicherung bereits im Frühjahr 2025. Innerhalb weniger Wochen war damals in insgesamt 19 Wiener Apotheken eingebrochen worden, teilweise sogar mehrfach in denselben Betrieb. Die Ermittler gingen von einer Jugendbande aus. Laut Polizei standen dabei vor allem Bargeldbestände im Fokus, Medikamente oder andere Wertgegenstände wurden hingegen kaum entwendet.

Bei einer Pressekonferenz im April 2025 berichteten Vertreter der Apothekerkammer und der Wiener Polizei schließlich über erste Ermittlungserfolge. Mehrere mutmaßliche Täter, darunter ein 15-Jähriger, konnten damals festgenommen werden. Die Polizei betonte dabei, dass die Täter Konfrontationen vermeiden wollten und meist rasch die Flucht ergriffen, sobald sie auf Mitarbeitende trafen. Dennoch wurde bereits damals auf die Bedeutung funktionierender Sicherheitsmaßnahmen hingewiesen.



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