INCI entschlüsselt: Die wichtigsten Kosmetik-Inhaltsstoffe


Sanja Agatic

Symbolbild:
Die INCI-Liste verrät nicht nur, welche Inhaltsstoffe enthalten sind, sondern auch, welche die Rezeptur maßgeblich bestimmen. Foto:stock.adobe.com/ifeelstock

Lange, komplizierte Namen auf der Inhaltsliste sorgen oft für Verunsicherung. Dabei steckt hinter vielen INCI-Bezeichnungen nichts anderes als Bezeichnungen für bewährte Feuchtigkeitsspender oder Konservierungsstoffe. Wer ihre Funktion kennt, kann Kosmetik besser verstehen und gezielter auswählen.

Die International Nomenclature of Cosmetic Ingredients (INCI) sorgt dafür, dass Inhaltsstoffe weltweit einheitlich bezeichnet werden. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist aber nicht nur der Name interessant, sondern auch seine Position auf der Liste. Inhaltsstoffe mit einer Konzentration von mehr als einem Prozent müssen in absteigender Reihenfolge angegeben werden. Stehen Glycerin oder Niacinamid weit vorne, sind sie meist in einer wirksamen Menge enthalten. Befinden sie sich erst am Ende der Liste, spielen sie für die Gesamtwirkung häufig nur eine untergeordnete Rolle.

Feuchtigkeit ist nicht gleich Feuchtigkeit

Viele Produkte werben mit Hyaluronsäure, tatsächlich bildet sie aber selten die Basis einer guten Feuchtigkeitspflege. Daher sind in Kosmetika oft folgende Inhaltsstoffe enthalten:

Glycerin gehört zu den am besten untersuchten Feuchthaltemitteln. Es bindet Wasser in der Hornschicht und verbessert nachweislich die Hautfeuchtigkeit. Deshalb findet es sich in einem Großteil moderner Cremes.

Sodium Hyaluronate, das Salz der Hyaluronsäure, bindet ebenfalls Wasser, wirkt aber überwiegend an der Hautoberfläche. Bei sehr trockener Haut reicht Hyaluronsäure allein oft nicht aus. Erst in Kombination mit hautverwandten Lipiden kann die Feuchtigkeit langfristig in der Haut gehalten werden.

Urea (Harnstoff) verfolgt einen anderen Ansatz: In niedrigen Konzentrationen spendet er Feuchtigkeit, ab etwa zehn Prozent löst er zusätzlich verhornte Haut und wird deshalb häufig in Fuß- oder Hornhautpflege eingesetzt.

Diese Inhaltsstoffe reparieren die Hautbarriere

Eine geschädigte Hautbarriere gilt heute als Mitursache vieler Hautprobleme, von trockener Haut bis hin zu Neurodermitis. Entsprechend häufig finden sich Inhaltsstoffe, die genau diese Barriere unterstützen.

Ceramide ersetzen fehlende Hautlipide und dichten die Hornschicht ab. Besonders wirksam sind Formulierungen, die Ceramide mit Cholesterin und freien Fettsäuren kombinieren, weil sie den natürlichen Aufbau der Hautbarriere nachahmen.

Niacinamid, eine Form von Vitamin B3, fördert die Bildung hauteigener Ceramide, reduziert den Wasserverlust der Haut und kann gleichzeitig überschüssige Talgproduktion sowie Pigmentflecken positiv beeinflussen. Studien zeigen die besten Effekte meist bei Konzentrationen zwischen zwei und fünf Prozent.

Panthenol unterstützt die Regeneration der Hautbarriere, wirkt feuchtigkeitsbindend und beruhigt gereizte Haut. Deshalb findet sich der Wirkstoff häufig in Produkten für empfindliche oder strapazierte Haut.

Säuren: Gleicher Name, unterschiedliche Wirkung

Nicht jede Säure schält die Haut gleich stark.

Salicylsäure ist fettlöslich und kann deshalb tief in talgreiche Poren eindringen. Sie eignet sich besonders bei Mitessern und unreiner Haut.

Glykolsäure löst abgestorbene Hautzellen besonders effektiv und verbessert die Hautstruktur, reizt empfindliche Haut jedoch häufiger.

Milchsäure wirkt ebenfalls peelend, spendet zusätzlich Feuchtigkeit und gilt insgesamt als etwas milder.

Da alle drei Säuren die Haut lichtempfindlicher machen, gehört ein täglicher Sonnenschutz während der Anwendung dazu.

Nicht jeder schwierige Name ist bedenklich

Kaum eine Stoffgruppe wird so kontrovers diskutiert wie Silikone und Mineralölbestandteile.

Dimethicone bilden einen dünnen Schutzfilm auf der Haut, reduzieren den Feuchtigkeitsverlust und verbessern die Verteilbarkeit einer Creme. Wissenschaftliche Belege dafür, dass Silikone die Haut „ersticken“, gibt es nicht.

Petrolatum bildet einen besonders wirksamen Schutzfilm gegen Feuchtigkeitsverlust und zählt zu den effektivsten Inhaltsstoffen für sehr trockene oder rissige Haut. Kosmetisch eingesetztes Petrolatum muss strenge Reinheitsanforderungen erfüllen und gilt bei sachgemäßer Herstellung als sicher.

Konservierungsstoffe

Ohne Konservierung würden wasserhaltige Cremes innerhalb kurzer Zeit von Bakterien, Hefen oder Schimmelpilzen besiedelt werden. Phenoxyethanol, Natriumbenzoat und Kaliumsorbat gehören zu den am häufigsten verwendeten Konservierungsstoffen. Sie verhindern das Wachstum von Mikroorganismen und tragen wesentlich dazu bei, dass Kosmetik während ihrer gesamten Haltbarkeit sicher verwendet werden kann. Ihre zulässigen Einsatzmengen sind in der europäischen Kosmetikverordnung genau geregelt.



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