Sie fallen nicht immer sofort auf. Ein Teil steht in der Sichtwahl, vieles verschwindet im Lager oder im Kommissionierer. Genau das macht Nichtdreher so tückisch. Was nicht täglich ins Auge fällt, wird leicht übersehen. Ein wirtschaftliches Problem, das es zu hinterfragen und konsequent zu reduzieren gilt.
Der Anfang ist meist unspektakulär. Ein Produkt wird aufgenommen, vielleicht aufgrund einer Empfehlung, eines Trends oder aus Vorsicht, „falls es gebraucht wird“. Anfangs gibt es Lagerbewegungen, doch irgendwann bleibt der Abverkauf aus. Während Artikel in der Sichtwahl noch auffallen, verschwinden viele Packungen im Hintergrund, im Lager oder im Automaten. Dort können sie lange liegen, ohne dass es im Alltag sofort bemerkt wird.
Unsichtbare Bestände im Kommissionierer
Gerade der Kommissionierer vermittelt ein Gefühl von Ordnung und Kontrolle. Alles ist systematisch gelagert, schnell verfügbar und optisch „aufgeräumt“. Gleichzeitig entsteht genau dort ein blinder Fleck. Produkte, die sich kaum drehen, bleiben im System bestehen, ohne dass sie aktiv hinterfragt werden. Anders als in der Sichtwahl gibt es keinen visuellen Hinweis darauf, dass etwas nicht läuft. Das Problem verlagert sich in den Hintergrund, verschwindet aber nicht. In den seltensten Fällen steckt ein einzelner Fehler dahinter. Viel häufiger sind es mehrere kleine Entscheidungen, die sich summieren. Produkte werden vorsorglich bestellt, Trends werden überschätzt oder Artikel bleiben im Sortiment, obwohl sie schon lange keine Rolle im Verkauf spielen. Der Alltag in der Apotheke ist oft schnell und fordernd. Entscheidungen werden pragmatisch getroffen, Zeit für Auswertungen fehlt. Genau in diesem Umfeld können sich Nichtdreher unbemerkt aufbauen.
Eine „Nulldreherliste“ hilft
Jede Packung im Lager oder im Roboter wurde bezahlt und soll im Idealfall wieder Umsatz bringen. Wenn das nicht passiert, bleibt dieses Geld gebunden. Ein einzelnes Produkt fällt dabei kaum ins Gewicht. Die Summe vieler solcher Artikel hingegen schon. Über Monate hinweg entsteht so ein Betrag, der weder sichtbar noch unmittelbar spürbar ist, aber wirtschaftlich eine klare Auswirkung hat. Nichtdreher erkennt man nicht durch Zufall, sondern durch gezielte Kontrolle. Ein Blick in die Abverkaufszahlen zeigt schnell, welche Produkte sich nicht bewegen. In vielen Apotheken gibt es dafür sogar eigene Übersichten, oft als „Nulldreherliste“ geführt. Sie macht sichtbar, welche Artikel über längere Zeit keinen Abverkauf haben und regelmäßig überprüft werden sollten. Gerade bei Beständen im Kommissionierer ist das ein entscheidendes Werkzeug.
Regelmäßige Lagerpflege statt einmaliger Aktion
Artikel von der „Nulldreherliste“ verschwinden nicht von selbst. Deshalb reicht es nicht, nur gelegentlich einen Blick ins System zu werfen. Sinnvoll ist eine regelmäßige Lagerpflege, idealerweise in festen Abständen. Viele Apotheken planen ein, alle paar Monate, etwa quartalsweise, gezielt zu prüfen, welche Produkte sich über längere Zeit nicht bewegt haben. Dabei geht es nicht nur darum, Probleme zu erkennen, sondern auch aktiv zu handeln. Artikel ohne Abverkauf sollten bewusst hinterfragt werden.
In manchen Fällen besteht die Möglichkeit, solche Produkte über den Großhandel zu retournieren. Oft ist das mit Abschlägen verbunden, dennoch kann es wirtschaftlich sinnvoller sein, ein Teil des Warenwertes zurückzuholen, statt vollständig darauf sitzen zu bleiben. Voraussetzung ist natürlich, dass Fristen und Bedingungen eingehalten werden. Eine konsequente Lagerpflege sorgt dafür, dass sich solche Bestände gar nicht er über längerer Zeit ansammeln und schafft gleichzeitig wieder Raum für Produkte, die sich tatsächlich drehen.
Abwarten hilft selten
Häufig bleiben solche Produkte einfach liegen, in der Hoffnung, dass sie sich irgendwann doch noch verkaufen. In der Praxis passiert das selten. Je länger ein Artikel unbewegt bleibt, desto unwahrscheinlicher wird es, dass er plötzlich wieder gefragt ist. Sinnvoller ist es aktiv zu entscheiden. Wird das Produkt gezielt in die Beratung eingebunden oder hat es im Sortiment keinen Platz mehr? Diese Klarheit fehlt oft, ist aber entscheidend. Gleichzeitig hilft ein klarer interner Austausch. Wird im Team abgestimmt, welche Nichtdreher es gibt, können diese bei passenden Verkaufssituationen gezielt berücksichtigt werden.
