Ein Sonnenbrand ist nur die Spitze des Eisbergs. Was viele unterschätzen: Nicht nur die sichtbare Hautrötung ist das Problem, sondern vor allem die unsichtbaren Schäden, die sich über Jahre summieren. Wer UVA- und UVB-Schutz versteht, kann gezielt empfehlen und schützt mehr als nur die Hautoberfläche.
UVB-Strahlen sind die „klassischen Übeltäter“. Sie dringen in die oberste Hautschicht ein und sind hauptverantwortlich für den Sonnenbrand. Der Lichtschutzfaktor (LSF/SPF), der auf jedem Sonnenschutzprodukt angegeben ist, bezieht sich ausschließlich auf den Schutz vor UVB-Strahlung.
UVA-Strahlen hingegen dringen deutlich tiefer in die Haut ein. Sie sind maßgeblich an vorzeitiger Hautalterung beteiligt und spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Hautkrebs. Besonders problematisch: UVA-Strahlen sind das ganze Jahr über relativ konstant vorhanden, unabhängig von Temperatur oder Bewölkung. Laut EU-Kosmetikverordnung muss ein Sonnenschutzprodukt einen UVA-Schutz bieten, der mindestens ein Drittel des angegebenen LSF beträgt. Erkennbar ist das am UVA-Siegel.
Merksatz: UVA steht für Hautalterung (A wie „Aging“) und UVB für Sonnenbrand (B wie „Burning“).
Ein zusätzlicher Aspekt, der oft unterschätzt wird: Eine Gesichtscreme mit Lichtschutzfaktor ist nicht automatisch gleichwertig mit einer klassischen Sonnencreme. Während Tagescreme mit LSF meist nur einen Basisschutz bieten und oft zu sparsam aufgetragen werden, sind Sonnenschutzprodukte speziell dafür formuliert, in ausreichender Menge angewendet zu werden und einen verlässlichen Breitbandschutz vor UVA- und UVB-Strahlen zu gewährleisten. LSF in der Tagescreme ersetzt keinen Sonnenschutz bei längerer oder intensiver Sonnenexposition.
Filtertypen: Chemisch, mineralisch oder kombiniert
In Apothekenprodukten finden sich meist moderne, gut verträgliche Filtersysteme, die Wahl hängt dabei stark vom Hauttyp und den individuellen Bedürfnissen ab:
- Organische (chemische) Filter absorbieren UV-Strahlen und wandeln sie in Wärme um. Typische Vertreter sind etwa Avonbenzon, Octocrylen oder moderene Breitbandfilter wie Tinosorb. Sie lassen sich gut formulieren, sind meist leicht und ziehen schnell ein, ideal für den Alltag.
- Mineralische Filter wie Zinkoxid oder Titanoxid reflektieren und streuen UV-Strahlung. Sie gelten als besonders gut verträglich und kommen häufig bei empfindlicher Haut, bei Kindern oder bei Hauterkrankungen wie Rosazea zum Einsatz.
- Kombinationsfilter verbinden beide Systeme und ermöglichen einen breiten Schutz bei gleichzeitig angenehmer Textur, ein häufiger Ansatz in modernen Sonnenschutzprodukten aus der Apotheke.
Gerade in der apothekenüblichen Beratung spielt die Hautsituation eine zentrale Rolle: Unreine Haut braucht andere Texturen als trockene oder atopische Haut.
Galenik: Mehr als nur „Creme“
Die passende Galenik entscheidet oft darüber, ob Sonnenschutz konsequent angewendet wird und damit, wie gut er tatsächlich schützt.
Cremes
Der Klassiker für normale bis trockene Haut. Reichhaltiger, pflegend und oft mit zusätzlichen Wirkstoffen (Antioxidantien) kombiniert.
Fluide
Leicht, schnell einziehend, ideal für Mischhaut oder fettige Haut. Häufig im Gesichtsbereich empfohlen.
Gele
Fettfrei, kühlend, besonders geeignet bei öliger oder zu Akne neigender Haut.
Lotionen/Milch
Für den Körper gedacht, gut verteilbar, oft für größere Flächen geeignet.
Sprays
Praktisch in der Anwendung, vor allem bei Kindern oder behaarten Hautarealen. Wichtig: gleichmäßiges Auftragen sicherstellen.
Sticks
Für sensible Zonen wie Lippen, Nase oder Narben. Hoher Schutz, gezielte Anwendung.
Alle genannten galenischen Formen sind im Apothekenbereich vertreten, häufig mit dermatologisch getesteten Formulierungen, die auf gute Verträglichkeit und zusätzliche Eigenschaften wie Wasserfestigkeit ausgelegt sind.
Was oft vergessen wird
Sonnenschutz ist kein „Einmal-und-fertig“ – Produkt. Entscheidend sind:
- Ausreichende Auftragungsmenge
- Für das Gesicht inklusive Ohren: zwei Finger oder etwa ½ Teelöffel
- Für den ganzen Körper: eine Handvoll oder etwa 30-40 ml
- Regelmäßiges Nachcremen, besonders nach dem Schwimmen oder Schwitzen
- Kombination mit textilen Maßnahmen (Hut, Kleidung)
Wenn zu wenig aufgetragen wird, sinkt der tatsächliche Schutz drastisch, ein LSF 50 kann schnell zu einem gefühlten LSF 15 oder weniger werden.
UVA- und UVB-Schutz sind kein Detail, sondern die Basis jeder fundierten Sonnenschutzberatung. Während der LSF den UVB-Schutz definiert, entscheidet der UVA-Anteil über den langfristigen Hautschutz. In Kombination mit der passenden Galenik lässt sich der Sonnenschutz individuell anpassen.
