Die Einbruchsserie in Wiener Apotheken hält an. Allein im Mai wurden laut Apothekerkammer Wien 15 Einbrüche gemeldet, zwei davon während eines laufenden Nachtdienstes. Beim Landesgeschäftsstellenabend „Sicherheit in den Apotheken“ gaben Polizei und Apothekerkammer nicht nur Einblicke in die aktuelle Täterstruktur, sondern auch konkrete Empfehlungen, wie sich Apotheken besser schützen können.
Bereits im Frühjahr 2025 hatte eine Serie von Apothekeneinbrüchen die Wiener Apothekerschaft beschäftigt. Damals berichteten Polizei und Apothekerkammer bei einem Landesgeschäftsstellenabend über erste Ermittlungserfolge und Präventionsmaßnahmen.
Ein Jahr später beschäftigt das Thema die Branche erneut. Beim Landesgeschäftsstellenabend der Apothekerkammer Wien unter dem Titel „Sicherheit in den Apotheken“, zogen Vertreter:innen von Apothekerkammer und Polizei Bilanz zur aktuellen Einbruchsserie und gaben praktische Sicherheitstipps für den Apothekenalltag.
Wieder strafunmündige Täter
Wiener Apothekerkammerpräsident Priv.-Doz. DDr. Philipp Saiko zog vor den anwesenden Apotheker:innen eine ernüchternde Bilanz: „Seit Mai wurden 15 Einbrüche beziehungsweise Einbruchsversuche in Wiener Apotheken registriert, zwei davon während eines laufenden Nachtdienstes.“
Es dürfte es sich erneut um junge strafunmündige Täter handeln, möglicherweise um dieselbe Gruppierung, die bereits im vergangenen Jahr für zahlreiche Vorfälle verantwortlich gemacht wurde. Gleichzeitig verwies er auf eine weitere Entwicklung: „Es ist keine leichte Zeit. Es gab in diesem Jahr auch schon zwei Raubfälle, einmal mit einer Faustfeuerwaffe und einen mit einem Fleischerbeil.“ Diese Vorfälle stünden jedoch nicht im Zusammenhang mit der aktuellen Jugendbande.
Auch Mag. pharm. Susanne Ergott-Badawi, Vizepräsidentin der Apothekerkammer Wien, wandte sich an die Anwesenden: „Wir als Kammer fühlen mit Ihnen. Wir würden Sie sehr gerne beschützen, können Ihnen aber nur eine Hilfestellung geben, wie Sie die Einbrüche erschweren können.“
„Leider kommen wir langsam vom Einbruch in den Raub“
Anschließend schilderte Chefinspektor Josef Janisch vom Landeskriminalamt Wien die aktuelle Situation aus Sicht der Polizei. „Letztes Jahr um diese Zeit haben wir von einer Einbruchsserie gesprochen. Leider kommen wir langsam vom Einbruch in den Raub“, eröffnete Janisch seinen Vortrag.
Die derzeit aktive Jugendbande passe jedoch nicht in das klassische Täterprofil. Einbrecher würden normalerweise versuchen, möglichst unauffällig vorzugehen und keine Aufmerksamkeit zu erregen. Die jugendlichen Täter würden hingegen mit, aus öffentlichen Verkehrsmitteln entwendeten, Notfallhämmern Fensterscheiben einschlagen und dabei bewusst große Schäden und Lärm in Kauf nehmen.
Meist dringe ein Täter in die Apotheke ein, während drei bis vier weitere Jugendliche vor dem Gebäude Schmiere stünden. Auffällig sei zudem, dass die Täter kaum darauf achten würden, ob eine Apotheke Nachtdienst habe oder nicht. „Sie informieren sich nicht darüber. Daher kam es wohl auch zu den Vorfällen während der Nachtdienste“, so Janisch.
„Diese straffälligen Jugendlichen machen, was sie wollen. Sie überfallen Apotheken, Taxis sowie jüngere Kinder auf der Straße. Hier ist die Polizei leider machtlos“, erklärte Janisch. Oft sei die Anzeige noch nicht vollständig bearbeitet, während die Minderjährigen bereits wieder auf freiem Fuß seien. Der Kriminalpolizist und die Kammerspitze sind sich in diesem Punkt einig: Die aktuelle Situation verdeutliche den Bedarf an politischen Lösungen im Umgang mit strafunmündigen Intensivtätern.
Licht immer an, Kassen immer leer
Besonders eindringlich appellierten die Experten an die Apotheker:innen, den potenziellen Ertrag für die Täter möglichst gering zu halten. Abteilungsinspektor Michael Felsberger betonte: „Bitte leeren Sie abends Ihre Kassen vollkommen. Schon kleine Beträge sind die Welt für diese Täter. Sie fühlen sich schon durch 100 Euro motiviert, weitere Einbrüche zu tätigen.“
Daher lautet die klare Empfehlung der Polizei: Kassenladen über Nacht vollständig leeren und möglichst offen stehen lassen. Auch Kleingeld sollte entfernt und getrennt verwahrt werden. Nur wenn möglichst viele Apotheken konsequent mitziehen, könne bei den Tätern ein Lerneffekt eintreten.
Ebenso wichtig sei es, während des Nachtdienstes die Beleuchtung eingeschaltet zu lassen. Auch wenn die Täter häufig nicht überprüfen würden, ob eine Apotheke dienstbereit ist, könne Licht dennoch abschreckend wirken und signalisieren, dass sich Personen im Gebäude befinden.
Diese Sicherheitsmaßnahmen empfiehlt die Polizei
Aus zahlreichen Begehungen betroffener Apotheken leiteten Janisch und Felsberger mehrere Empfehlungen ab:
- Paniktaster installieren beziehungsweise regelmäßig testen. Mobile Geräte sollten im Nachtdienst möglichst direkt am Körper getragen werden.
- Alarmanlagen mit Außenhautsicherung verwenden. Dadurch kann auch während eines laufenden Nachtdienstes ein zusätzlicher Schutz für das Personal geschaffen werden.
- Glasbruchmelder nachrüsten. Diese erkennen das Zerspringen von Scheiben und lösen unmittelbar Alarm aus.
- Glasbruchhemmende Sicherheitsfolien anbringen. Sie verzögern das Eindringen erheblich und erhöhen den Aufwand für die Täter.
- Alarmanlagen und Sicherheitseinrichtungen regelmäßig warten und überprüfen lassen.
Keine Helden spielen
Zum Abschluss richtete Janisch noch einen klaren Appell an alle Anwesenden:„Die Täter haben alle höchstwahrscheinlich ein Messer. Spielen Sie keinen Helden. Das Geld ist versichert und ein Menschenleben ist wesentlich wertvoller.“ Komme es zu einer direkten Täterkonfrontation, solle die eigene Sicherheit immer oberste Priorität haben. Bargeld und Sachwerte könnten ersetzt werden, Menschen nicht.
Abschießend appellierte Präsident Saiko nochmals an die Apotheker:innen, jeden derartigen Vorfall stets an die Wiener Apothekerkammer zu melden: „Bitte melden Sie immer auch der Landesgeschäftsstelle, wenn sich bei Ihnen ein Einbruch oder Einbruchsversuch ereignet hat. Es reicht schon ein Dreizeiler an wien@apothekerkammer.at.“ Denn nur durch vollständige Meldungen könne die Kammer das tatsächliche Ausmaß einer Einbruchsserie dokumentieren und entsprechende Maßnahmen mit Nachdruck einfordern.
