Lieferengpässe bei Arzneimitteln gehören in Österreich weiterhin zum Alltag. Während die Versorgung der Patientinnen und Patienten vielfach aufrechterhalten werden kann, zeigen aktuelle Zahlen des Verbands der Arzneimittel-Vollgroßhändler PHAGO das tatsächliche Ausmaß des Problems: Rund 74.000 Medikamentenpackungen pro Tag sind von Lieferengpässen betroffen.
Die Situation bei der Arzneimittelversorgung bleibt angespannt. Im Vertriebseinschränkungsregister des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) sind aktuell 473 Arzneimittel gelb oder rot markiert. Damit gelten sie als eingeschränkt verfügbar oder vorübergehend nicht lieferbar. Hinter diesen Meldungen verbergen sich jedoch deutlich höhere Mengen. Nach aktuellen Daten sind österreichweit täglich rund 74.000 Medikamentenpackungen von Lieferengpässen betroffen.
Diabetes-, Nerven-, und Herz-Kreislauf-Medikamente
Die betroffenen Arzneimittel verteilen sich auf 14 unterschiedliche therapeutische Gruppen. Am stärksten betroffen sind Medikamente zur Behandlung von Erkrankungen des Verdauungstrakts und des Stoffwechsels. Mehr als 20.000 Packungen pro Tag entfallen auf diesen Bereich. Dazu zählen auch Arzneimittel zur Behandlung von Diabetes. Auch Medikamente für Erkrankungen des Nervensystems sind in erheblichem Ausmaß betroffen. Mehr als 14.000 Packungen werden täglich als lieferkritisch oder nicht verfügbar eingestuft. Darunter befinden sich unter anderem Psychopharmaka, die zu den häufig verordneten Arzneimitteln zählen. Bei Therapien für Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden nahezu 9.000 betroffene Packungen pro Tag registriert.
Wenn Medikamente verspätet oder gar nicht eintreffen
Für das Gesundheitssystem stellen Lieferengpässe eine besondere Herausforderung dar. Betroffene Arzneimittel werden von Herstellern mitunter verspätet geliefert, in geringeren Mengen bereitgestellt oder sind zeitweise überhaupt nicht verfügbar. Um die Versorgung möglichst aufrechtzuerhalten, sind laufende Umlagerungen, alternative Beschaffungswege und eine gezielte Verteilung knapper Arzneimittel notwendig. Dadurch können viele Engpässe abgefedert werden, bevor sie bei Patientinnen und Patienten unmittelbar spürbar werden.
„Dass sich die Auswirkungen der Lieferschwierigkeiten nur eingeschränkt auf die Patient:innenversorgung in Österreich durchschlagen, ist vor allem dem zusätzlichen Aufwand der Vollgroßhändler zu verdanken. Dank vorausschauender Planung, laufender Umlagerung, Alternativbeschaffungen und einer gezielten Steuerung knapper Arzneimittel gelingt es die Auswirkungen der Lieferschwierigkeiten auf die Versorgung zu einem großen Teil abzufedern“, so PHAGO-Generalsekretärin Monika Vögele.
OTS PHAGO
