Allergie bei Kindern: Sensibilisierung kann wieder verschwinden


Viktoria Anderle

Symbolbild: Ein Prick Haut Test.
In der Studie zeigte sich, dass Kinder im Alter von einem Jahr besonders häufig gegen Ei und Erdnuss sensibilisiert waren, während im Alter von fünf Jahren Erdnüsse und Baumnüsse im Vordergrund standen.AdobeStock_278882436/Microgen

Gegen welche Nahrungsmittel Kinder sensibilisiert sind, kann sich in den ersten Lebensjahren deutlich verändern. Eine internationale Studie unter Beteiligung der Karl Landsteiner Privatuniversität zeigt, dass manche Sensibilisierungen früh entstehen und bestehen bleiben, während andere erst später auftreten. Einige können im Laufe der Zeit sogar wieder verschwinden.

Nahrungsmittelallergien können bereits im frühen Kindesalter auftreten und die weitere gesundheitliche Entwicklung beeinflussen. Für die medizinische Betreuung ist deshalb entscheidend, ob eine Sensibilisierung dauerhaft bestehen bleibt oder sich im Laufe der Zeit verändert. Dabei muss zwischen einer Sensibilisierung und einer tatsächlichen Allergie unterschieden werden. Denn der Nachweis spezifischer Immunglobulin-E-Antikörper (IgE) bedeutet nicht automatisch, dass der Verzehr des entsprechenden Lebensmittels auch allergische Beschwerden auslöst.

Wie die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) in einer Presseaussendung berichtet, liefert eine internationale Untersuchung nun neue Erkenntnisse über die Entwicklung von Sensibilisierungen in den ersten fünf Lebensjahren. An der Studie waren auch Forschende der Klinischen Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Universitätsklinikum St. Pölten beteiligt, das als Lehr- und Forschungsstandort der Universität fungiert.

Kinder: Allergietest eine Momentaufnahme

„Gerade bei kleinen Kindern ist ein positiver Allergietest zunächst einmal eine Momentaufnahme“, sagt Prof. Thomas Eiwegger, Leiter der Klinischen Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Universitätsklinikum St. Pölten. „Für die weitere Einschätzung müssen wir wissen, ob eine Sensibilisierung bestehen bleibt, wieder verschwindet oder erst später auftritt. Die Analyse einzelner Allergenkomponenten liefert uns dafür wichtige Informationen und hilft, Risiken und Möglichkeiten zur Behandlung gemeinsam mit den Familien abzuwägen.“

Für die Untersuchung wertete das internationale Forschungsteam Blutproben von 500 Mutter-Kind-Paaren aus der kanadischen CHILD Study aus. Von den Müttern lagen Proben aus der Schwangerschaft vor, während die Kinder im Alter von einem und fünf Jahren untersucht wurden. Mithilfe einer molekularen Allergiediagnostik analysierten die Forschenden rund 300 Allergenextrakte und einzelne Allergenkomponenten.

Spektrum der relevanten Allergene ändert sich

Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Sensibilisierungsmuster innerhalb weniger Jahre deutlich verändern kann. Im Alter von einem Jahr wiesen 25,3 Prozent der Kinder eine spezifische IgE-Sensibilisierung auf, im Alter von fünf Jahren waren es bereits 40,4 Prozent. Während zunächst Ei und Erdnuss zu den häufigsten Nahrungsmitteln gehörten, gegen die eine Sensibilisierung bestand, standen vier Jahre später Erdnüsse und Baumnüsse im Vordergrund. Auch Sensibilisierungen gegen Umweltallergene wie Katzen, Hunde, Hausstaubmilben und Gräserpollen nahmen mit zunehmendem Alter zu.

Besonders auffällig waren die unterschiedlichen Entwicklungen bei Erdnüssen und Baumnüssen. Etwa die Hälfte der Kinder, bei denen eine Sensibilisierung gegen wichtige Erdnussallergene festgestellt wurde, war bereits im Alter von zwölf Monaten betroffen. Diese Sensibilisierungen blieben häufig bis zum fünften Lebensjahr bestehen. Bei Cashew, Haselnuss, Walnuss und Pistazie entwickelten sich entsprechende Sensibilisierungen dagegen oftmals erst später.

Gleichzeitig zeigte sich, dass manche Sensibilisierungen auch wieder verschwinden können. Bei etwa jedem vierten der zunächst betroffenen Kinder waren im Alter von fünf Jahren keine entsprechenden IgE-Sensibilisierungen gegen bestimmte 2S-Albumine mehr nachweisbar. Dabei handelt es sich um Speicherproteine, die unter anderem in Erdnüssen, Baumnüssen und Sesam vorkommen. Sie gelten als wichtige allergologische Marker, da Sensibilisierungen gegen diese Proteine mit systemischen allergischen Reaktionen in Verbindung stehen können.

Therapie mit Wissen

Die Erkenntnisse könnten künftig auch für die Behandlung von Nahrungsmittelallergien von Bedeutung sein. Insbesondere bei der oralen Immuntherapie, die inzwischen in entsprechenden Behandlungsleitlinien berücksichtigt wird, spielt der Zeitpunkt des Therapiebeginns eine wichtige Rolle. Studien deuten darauf hin, dass ein früher Behandlungsbeginn Vorteile bieten kann.

Für die individuelle Therapieentscheidung ist daher relevant, ob eine Sensibilisierung bereits im Kleinkindalter besteht, neu hinzukommt oder im Laufe der Zeit wieder verschwindet. Wiederholte Untersuchungen und die Analyse einzelner Allergenkomponenten könnten dabei helfen, das persönliche Allergierisiko besser einzuschätzen.

Allerdings weisen die Studienautoren auf eine wesentliche Einschränkung hin: Im Rahmen der Untersuchung wurden keine oralen Provokationstests durchgeführt, mit denen sich eine klinisch relevante Nahrungsmittelallergie bestätigen lässt. Die Ergebnisse beziehen sich daher ausschließlich auf immunologische Sensibilisierungen. Aus den Ergebnissen ließe sich nicht ableiten, dass ein Viertel der Kinder eine bereits bestehende Nahrungsmittelallergie wieder verlieren würden.

Die wissenschaftliche Arbeit wurde unter dem Titel „IgE Sensitization Patterns of Mothers and Their Offspring in the First Five Years of Life The CHILD Study“ im Fachjournal Allergy veröffentlicht.



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