Bei Kindern mit homozygoter familiärer Hypercholesterinämie (HoFH) reichen klassische Lipidsenker oft nicht aus, um die extrem hohen LDL-Werte ausreichend zu senken. Neue Daten zu Evinacumab zeigen nun, dass die zusätzliche Therapie nicht nur den Cholesterinspiegel senken, sondern bei einem Teil der Betroffenen auch Atherosklerose-Plaques zurückdrängen kann.
Die homozygote familiäre Hypercholesterinämie, kurz HoFH, gehört zu den schwersten erblichen Fettstoffwechselstörungen. Betroffene tragen die ursächlichen genetischen Veränderungen von beiden Elternteilen und entwickeln bereits im Kindesalter extrem hohe LDL-Cholesterinwerte. Die Erkrankung ist selten: Schätzungen zufolge ist etwa eine von 500.000 Personen betroffen.
„Die homozygote familiäre Hypercholesterinämie, die durch extrem erhöhte LDL-Cholesterinwerte aufgrund eines stark eingeschränkten LDL-Cholesterin-Abtransports aus dem Blutkreislauf gekennzeichnet ist, stellt nach wie vor eine Behandlungsherausforderung dar“, schreiben Albert Wiegman von Amsterdam University Medical Center und seine Co-Autoren. An der Untersuchung waren auch Spezialisten der Universitätskinderklinik Wien beteiligt.
Das Risiko beginnt früh. Durch die dauerhaft stark erhöhten LDL-Werte kann sich Atherosklerose bereits bei Kindern entwickeln. In schweren Fällen treten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte schon in jungen Jahren auf.
Klassische Therapie stößt an Grenzen
Zur Behandlung werden mehrere Maßnahmen kombiniert. Statine allein reichen bei HoFH meist nicht aus. Zusätzlich kommen weitere lipidsenkende Arzneimittel zum Einsatz. Bei besonders hohen LDL-Werten kann außerdem eine Lipoproteinapherese erforderlich sein, bei der Fettpartikel regelmäßig aus dem Blut entfernt werden.
Eine weitere Therapieoption ist Evinacumab. Der monoklonale Antikörper ist in der Europäischen Union und in den USA zur Behandlung der HoFH zugelassen und wird als intravenöse Infusion verabreicht. Er kommt zusätzlich zur bestehenden lipidsenkenden Therapie zum Einsatz, wenn sich die LDL-Werte mit den bisherigen Maßnahmen nicht ausreichend kontrollieren lassen.
Wie sich die zusätzliche Behandlung langfristig bei Kindern auswirkt, untersuchte nun ein internationales Forschungsteam bei 13 Betroffenen ab einem Alter von elf Jahren.
9 von 13 Kindern erreichten den LDL-Zielwert
Vor Beginn der Behandlung erreichte keines der untersuchten Kinder den empfohlenen LDL-Cholesterinwert. Unter der zusätzlichen Therapie mit Evinacumab änderte sich das deutlich: 9 von 13 Kindern, also 69 Prozent, kamen auf den angestrebten Bereich. Im Mittel lag der LDL-Wert bei 111 Milligramm pro Deziliter Blut. Als Zielwert für Kinder wurde in der Untersuchung ein Wert unter 115 Milligramm pro Deziliter herangezogen. Auch bei der Lipoproteinapherese zeigte sich eine Veränderung. Bei jenen Kindern, die regelmäßig auf diese Behandlung angewiesen waren, verlängerte sich der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Sitzungen um 42 Prozent, von knapp acht auf knapp 19 Tage. Drei der 13 Kinder konnten im Beobachtungszeitraum ganz auf die Apherese verzichten.
Plaques gingen bei einzelnen Kindern zurück
Neben den Laborwerten untersuchten die Forschenden auch die Herzkranzgefäße mittel koronarer CT-Angiografie. Gerade dieser Teil der Untersuchung liefert Hinweise darauf, ob sich die Senkung des LDL-Cholesterins auch an den Gefäßen bemerkbar macht. Bei zehn der 13 Kindern zeigte sich ein günstiger Verlauf. Bei fünf blieb der Zustand der Gefäße stabil, bei drei gingen bereits vorhandene Atherosklerose-Plaques zurück. Zwei Kinder entwickelten keine neuen Plaques. Bei drei Betroffenen schritten die Veränderungen an den Herzkranzgefäßen dennoch weiter fort.
Die Ergebnisse zeigen damit auch die Grenzen der Therapie. Evinacumab beseitigt das hohe kardiovaskuläre Risiko bei HoFH nicht. Die Daten sprechen jedoch, dafür dass die zusätzliche starke LDL-Senkung bei einem Teil der Kinder über den Laborwert hinaus mit einer Stabilisierung oder sogar Rückbildung bestehender Gefäßveränderungen einhergehen kann.
Die Untersuchung wurde im Journal of the American Heart Association veröffentlicht.
APA
