Stundenlanges Sitzen gilt als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch offenbar kommt es nicht nur darauf an, wie lange wir sitzen, sondern auch, wie häufig wir zwischendurch aufstehen. In einer randomisiert-kontrollierten Studie senkten häufigere Sitz-Steh-Wechsel den Blutdruck übergewichtiger oder adipöser Frauen nach der Menopause. Eine reine Verkürzung der Sitzzeit zeigte diesen Effekt hingegen nicht.
Forschende gingen der Frage nach, welchen Einfluss das Sitz- und Stehverhalten auf den Blutdruck hat und ob gezielte Veränderungen diesen senken können. An der dreimonatigen Studie dazu nahmen 407 postmenopausale Frauen mit Übergewicht oder Adipositas teil, die ihren Alltag überwiegend sitzend verbrachten.
Drei Interventionsgruppen
Sie wurden nach dem Zufallsprinzip einer von drei Gruppen zugeteilt:
- Die erste Gruppe erhielt allgemeine Gesundheitstipps.
- Die zweite Gruppe sollte ihre tägliche Sitzzeit reduzieren.
- Die dritte Gruppe sollte häufiger vom Sitzen ins Stehen wechseln.
Alle Teilnehmerinnen absolvierten innerhalb von zwölf Wochen sieben individuelle Beratungsgespräche mit einem Gesundheitscoach. Zu Beginn und am Ende der Studie wurden unter anderem der Blutdruck und verschiedene Stoffwechselparameter bestimmt. Beschleunigungssensoren am Oberschenkel und an der Hüfte zeichneten über jeweils sieben Tage das Sitz- und Bewegungsverhalten auf. Insgesamt 388 Frauen schlossen die Studie ab.
Fast eine Stunde weniger sitzen reicht nicht
Die Teilnehmerinnen der Sitzzeit-Gruppe verbrachten im Vergleich zur Kontrollgruppe täglich rund 58 Minuten weniger im Sitzen. Die Anzahl ihrer Sitz-Steh-Wechsel veränderte sich jedoch nicht wesentlich. Trotz der deutlich reduzierten Sitzdauer zeigten sich weder beim Blutdruck noch bei der Blutzuckerregulation signifikante Verbesserungen.
Ein anderes Bild ergab sich in der Sitz-Steh-Gruppe: Die Frauen standen durchschnittlich 26-mal häufiger pro Tag auf als die Teilnehmerinnen der Kontrollgruppe. Ihre gesamte tägliche Sitzzeit nahm dabei nicht signifikant ab.
Diastolischer Blutdruck sank
Durch das häufigere Aufstehen sank der diastolische Blutdruck im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant um 2,24 mmHg. Auch beim systolischen Blutdruck wurde eine Verringerung um 3,33 mmHg beobachtet. Dieses Ergebnis erreichte jedoch nicht den vorab festgelegten Schwellenwert für statistische Signifikanz von p < 0,025.
Auf die Blutzuckerregulation und die untersuchten Stoffwechselwerte hatten weder die häufigeren Sitzunterbrechungen noch die verkürzte Sitzzeit einen relevanten Einfluss.
Sitzen gezielt unterbrechen
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass nicht ausschließlich die gesamte Sitzdauer entscheidend sein könnte. Zumindest bei übergewichtigen oder adipösen Frauen nach der Menopause brachte es innerhalb von drei Monaten mehr, das Sitzen regelmäßig durch kurzes Aufstehen zu unterbrechen, als insgesamt weniger Zeit im Sitzen zu verbringen.
Nach Ansicht der Studienautor:innen könnten häufige Sitz-Steh-Wechsel eine einfache und praktikable Maßnahme darstellen, um den Blutdruck und möglicherweise auch das Herz-Kreislauf-Risiko zu senken. Ob der beobachtete Effekt längerfristig anhält und sich auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen lässt, muss allerdings noch untersucht werden.
Das Paper ist unter dem Titel „Impacts of Reducing Sitting Time or Increasing Sit-to-Stand Transitions on Blood Pressure and Glucose Regulation in Postmenopausal Women: Three-Arm Randomized Controlled Trial“ im Fachjournal Circulation erschienen.
