In einer frühen klinischen Studie konnte mit der neuartigen Stammzelltherapie Zimislecel bei Menschen mit Typ-1-Diabetes eine Wiederaufnahme der Inselzellfunktion beobachtet werden. Nach einem Jahr waren 83 Prozent der Teilnehmenden nicht mehr auf eine externe Insulinzufuhr angewiesen, zudem traten keine schweren Hypoglykämien auf.
Zimislecel ist eine allogene, aus Stammzellen gewonnene Inselzelltherapie. Bislang existiert bei Typ-1-Diabetes keine etablierte Therapie, die eine dauerhafte Wiederherstellung der körpereigenen Insulinproduktion ermöglicht. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie wirksam und sicher dieser neue Therapieansatz ist.
Neue Perspektive bei Typ-1-Diabetes?
Die zugrunde liegende klinische Phase-1/2-Studie wurde in drei Abschnitten durchgeführt. In Studienteil A erhielten die Teilnehmenden zunächst eine halbe Dosis Zimislecel (0,4 × 10⁹ Zellen), verabreicht über eine Infusion in die Pfortader, mit der Möglichkeit einer zweiten Gabe innerhalb von zwei Jahren. In den Teilen B und C wurde eine volle Dosis von 0,8 × 10⁹ Zellen appliziert.
Alle Teilnehmenden erhielten begleitend eine immunsuppressive Therapie ohne Glukokortikoide. Der primäre Endpunkt in Teil C war definiert als das Ausbleiben schwerer Hypoglykämien zwischen Tag 90 und 365 bei gleichzeitig guter Blutzuckerkontrolle (HbA1c unter 7 Prozent oder eine Reduktion um mindestens 1 Prozentpunkt). Sekundäre Endpunkte umfassten unter anderem Sicherheit sowie Insulinunabhängigkeit. Die Beurteilung der Inselzellfunktion erfolgte über den Nachweis von Serum-C-Peptid im Rahmen eines Mischmahlzeiten-Toleranztests.
Das C-Peptid ist ein Marker für die körpereigene Insulinproduktion und wird vor allem zur Differenzierung der verschiedenen Diabetesformen eingesetzt. Da es gemeinsam mit Insulin gebildet wird, erlaubt seine Konzentration Rückschlüsse darauf, wie gut die Bauchspeicheldrüse noch Insulin produziert. Bei Typ 1-Diabetes ist dieser Wert erniedrigt aufgrund der gestörten Insulinsynthese. Bei Diabetes mellitus Typ 2 sind die Werte zu Beginn erhöht und in einem Spätstadium ebenfalls erniedrigt.
C-Peptid-Nachweis
Insgesamt wurden 14 Personen (zwei aus Teil A, zwölf aus den Teilen B und C) über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten nachbeobachtet. Zu Studienbeginn war bei keinem der Teilnehmenden eine messbare C-Peptid-Produktion vorhanden. Nach der Infusion von Zimislecel konnte jedoch bei allen ein C-Peptid-Nachweis erbracht werden, was auf eine funktionelle Aktivität der transplantierten Inselzellen hinweist. Als häufigste schwerwiegende Nebenwirkung trat eine Neutropenie auf, die bei drei Teilnehmenden beobachtet wurde. Zudem wurden zwei Todesfälle berichtet: einer infolge einer Kryptokokken-Meningitis, ein weiterer im Zusammenhang mit einer schweren demenziellen Erkrankung.
Inusunlinunabhängigkeit erreicht
Alle zwölf Personen aus den Studienteilen B und C blieben zwischen Tag 90 und 365 frei von schweren Unterzuckerungen. Gleichzeitig wurde eine gute glykämische Kontrolle erreicht: Der HbA1c-Wert lag unter 7 Prozent, und mehr als 70 Prozent der Zeit befanden sich die Blutzuckerwerte im Zielbereich von 70 bis 180 mg/dl. Nach einem Jahr waren zehn von zwölf Teilnehmenden (83 Prozent) insulinunabhängig und benötigten keine externe Insulinzufuhr mehr.
Hinweise auf Wiederherstellung der Inselzellfunktion
Die Ergebnisse dieser kleinen Studie sprechen dafür, dass Zimislecel das Potenzial besitzt, die physiologische Funktion von Inselzellen bei Menschen mit Typ-1-Diabetes wiederherzustellen. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass aufgrund der stark begrenzten Teilnehmerzahl weitere Studien notwendig sind, um die Langzeitsicherheit und die nachhaltige Wirksamkeit dieses Therapieansatzes zu beurteilen.
Die Studie wurde unter dem Namen „Stem Cell–Derived, Fully Differentiated Islets for Type 1 Diabetes“ im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.
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