Gonadotropine können bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) die Chance auf eine klinische Schwangerschaft und eine Lebendgeburt erhöhen. Eine aktuelle Bewertung zeigt jedoch auch ein möglicherweise erhöhtes Fehlgeburtenrisiko.
Eine aktuelle Bewertung untersucht Nutzen und Risiken von Gonadotropinen zur Ovulationsinduktion bei Frauen mit PCOS, die auf eine Behandlung mit Clomifen nicht ausreichend angesprochen haben. Grundlage ist eine im April 2025 aktualisierte Cochrane-Analyse. Die Ergebnisse werden als „Number Needed to Treat“ (NNT) beziehungsweise „Number Needed to Harm“ (NNH) angegeben. Diese Kennzahlen zeigen, wie viele Frauen behandelt werden müssen, damit bei einer zusätzlichen Frau ein Nutzen beziehungsweise ein Schaden eintritt.
Das PCOS ist eine hormonelle Störung, bei der zahlreiche kleine Follikel im Eierstock heranreifen, die Entwicklung zu einem dominanten, sprungreifen Follikel jedoch häufig ausbleibt. Typisch ist ein gestörtes Verhältnis der beiden Hormone luteinisierendes Hormon (LH) und follikelstimulierendes Hormon (FSH). Eine erhöhte LH-Konzentration kann die Bildung männlicher Geschlechtshormone, sogenannter Androgene, fördern. Diese werden teilweise in Östrogene umgewandelt und anders als im regulären Menstruationszyklus kontinuierlich statt zyklisch freigesetzt. Dadurch kann die Regulation von LH und FSH über die Hypophyse zusätzlich gestört werden.
Welche Rolle spielen Gonadotropine?
Gonadotropine sind Hormone, die im Hypophysenvorderlappen gebildet werden. Zu ihnen zählen FSH und LH.
- FSH: Stimuliert die Entwicklung und Reifung der Follikel im Eierstock.
- LH: Löst den Eisprung aus und unterstützt anschließend die Gelbkörperbildung.
Clomifen ist ein selektiver Östrogenrezeptormodulator (SERM), der häufig zur Ovulationsinduktion eingesetzt wird.
- Clomifen: Fördert indirekt die Ausschüttung von FSH und LH und kann dadurch den Eisprung auslösen.
Bleibt eine Schwangerschaft unter Clomifen aus, können Gonadotropine zur weiteren Ovulationsinduktion eingesetzt werden. Wie wirksam und sicher diese Behandlung ist, untersuchte die Cochrane-Analyse anhand von 15 Studien mit insgesamt 2348 Frauen.
15 Studien bei Frauen mit PCOS
Die Studien wurden in Asien, Europa und Nordamerika durchgeführt. Die Teilnehmerinnen litten an einer normogonadotropen Anovulation oder an PCOS und hatten auf Clomifen nicht ausreichend angesprochen oder waren trotz nachgewiesener Ovulation nicht schwanger geworden.
Als Clomifen-Resistenz galt, wenn trotz einer Dosierung von mindestens 100 mg täglich über mindestens fünf Tage keine Ovulation eintrat. Von einem Clomifen-Versagen sprachen die Forschenden, wenn nach drei Zyklen mit bestätigter Ovulation keine Schwangerschaft eingetreten war.
Zehn Studien verglichen rekombinantes FSH mit aus Urin gewonnenen Gonadotropinen. Drei Untersuchungen stellten humanes Menopausengonadotropin und gereinigtes urinär gewonnenes FSH gegenüber. Zwei weitere Studien untersuchten unterschiedliche urinäre FSH-Präparate beziehungsweise Gonadotropine im Vergleich zu einer fortgesetzten Clomifen-Therapie.
Zu den untersuchten Endpunkten zählten Lebendgeburten, klinische Schwangerschaften, Mehrlingsschwangerschaften, Fehlgeburten, Eileiterschwangerschaften und das ovarielle Überstimulationssyndrom.
Eine zusätzliche Lebendgeburt pro elf Behandlungen
Die für die NNT-Berechnung ausschlaggebenden Daten stammen aus einer einzelnen randomisierten kontrollierten Studie mit 661 Frauen. Diese hatten unter Clomifen zwar ovuliert, waren jedoch nicht schwanger geworden.
Im Vergleich zur fortgesetzten Clomifen-Therapie erhöhten Gonadotropine wahrscheinlich die Zahl der Lebendgeburten. Das relative Risiko betrug 1,24, die absolute Risikodifferenz 9,9 Prozent. Daraus ergibt sich eine NNT von elf: Werden elf Frauen mit Gonadotropinen statt weiterhin mit Clomifen behandelt, kommt es statistisch zu einer zusätzlichen Lebendgeburt. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wurde als moderat eingestuft.
Auch klinische Schwangerschaften traten unter Gonadotropinen häufiger auf. Das relative Risiko lag bei 1,31, die absolute Risikodifferenz bei 13,8 Prozent. Die NNT betrug acht. Demnach führt die Behandlung von acht Frauen mit Gonadotropinen anstelle von Clomifen statistisch zu einer zusätzlichen klinischen Schwangerschaft. Auch hierfür lag Evidenz von moderater Vertrauenswürdigkeit vor.
Ein klarer Unterschied bei der Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften zeigte sich nicht. Die Aussagekraft dieser Daten war allerdings gering.
Mehr Fehlgeburten möglich
Dem möglichen Nutzen steht laut der Plattform „TheNNT“ ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko gegenüber. Unter Gonadotropinen war das relative Risiko im Vergleich zur fortgesetzten Clomifen-Therapie mehr als doppelt so hoch (relatives Risiko: 2,23). Die absolute Risikodifferenz betrug 4 Prozent, woraus sich eine NNH von 25 ergibt: Pro 25 mit Gonadotropinen statt Clomifen behandelten Frauen ist statistisch mit einer zusätzlichen Fehlgeburt zu rechnen.
Dieser Befund basiert jedoch auf Evidenz von geringer Vertrauenswürdigkeit. Bei Eileiterschwangerschaften ließ sich kaum oder kein Unterschied feststellen; hier wurde die Evidenz als sehr unsicher bewertet. Fälle eines ovariellen Überstimulationssyndroms wurden in der betreffenden Vergleichsstudie nicht dokumentiert.
Zwischen den unterschiedlichen Gonadotropin-Präparaten zeigten sich keine eindeutigen Unterschiede bei Lebendgeburten, klinischen Schwangerschaften, Mehrlingsschwangerschaften oder Fehlgeburten. Aufgrund der geringen bis sehr geringen Vertrauenswürdigkeit der Evidenz lassen sich daraus jedoch keine belastbaren Vorteile eines bestimmten Präparats ableiten.
Aussagekraft bleibt begrenzt
Die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu interpretieren. Zwar berücksichtigte die Cochrane-Analyse 15 Studien, der direkte Vergleich zwischen Gonadotropinen und fortgesetztem Clomifen beruhte jedoch nur auf einer Studie mit 661 Teilnehmerinnen. Hinzu kamen kleine Studiengruppen, teilweise fehlende Daten und ein unterschiedliches Verzerrungsrisiko.
Mehrere Untersuchungen stammen zudem aus den Jahren 1985 bis 1991. Damals galten Ovulationen und klinische Schwangerschaften häufiger als primäre Endpunkte, während Daten zu Lebendgeburten teilweise nicht vollständig erhoben wurden. Angaben zur Dosierung und Behandlungsdauer der Gonadotropine fehlten ebenfalls.
Die Plattform bewertet den Einsatz von Gonadotropinen nach Clomifen-Versagen daher mit „Gelb“(unclear benefits): Die Behandlung könnte die Chance auf eine klinische Schwangerschaft und eine Lebendgeburt erhöhen, möglicherweise aber auch das Fehlgeburtsrisiko. Aufgrund der teilweise unsicheren Evidenz sind weitere hochwertige Studien erforderlich.
