Spearmint bei PCOS?


Sanja Agatic

Symbolbild: Eine Tasse Tee mit Zucker und ein Stück Pfefferminzpflanze.
Spearmint-Tee könnte den Androgenspiegel bei PCOS beeinflussen, für eine Wirkung auf Akne fehlen bislang direkte Belege.Foto:stock.adobe.com/karepa

Zwei Tassen Minztee am Tag und die hormonelle Akne wird besser? Hinter dem Mythos steckt zumindest eine wissenschaftlich interessante Spur. Allerdings wurde dafür nicht Pfefferminze untersucht, sondern Krauseminze (Spearmint).

Im Zusammenhang mit PCOS wird Spearmint ein möglicher Einfluss auf erhöhte Androgenspiegel zugeschrieben. Gerade diese erhöhte Werte spielen bei typischen Beschwerden wie Hirustismus und Akne eine Rolle. Zwei kleine Humanstudien haben untersucht, ob regelmäßiger Spearmint-Tee die Androgenwerte bei Frauen mit PCOS beziehungsweise Hirsutismus verändern kann. Klassische Pfefferminze wurde dabei nicht untersucht und lässt sich aufgrund ihrer anderen Zusammensetzung nicht mit Spearmint vergleichen.

Spearmint beim Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS)

Bei PCOS kann eine erhöhte Androgenkonzentration beziehungsweise -wirkung Beschwerden wie Hirsutismus und Akne begünstigen. Auch die internationale PCOS-Leitlinie von 2023 führt Akne als mögliches Zeichen eines klinischen Hyperandrogenismus an, wenngleich Akne allein weniger spezifisch für PCOS ist als Hirsutismus. Für die Haut sind Androgene relevant, weil sie die Talgdrüsen beeinflussen. Eine verstärkte Androgenwirkung kann die Sebumproduktion fördern und damit Bedingungen schaffen, unter denen Akne leichter entsteht. Die interessante Frage lautet deshalb: Kann Spearmint diese hormonelle Akne messbar beeinflussen?

Erste Hinweise

Mehmet Akdoğan und sein Team gingen dieser Frage in der Studie „Effect of spearmint (Mentha spicata Labiatae) teas on androgen levels in women with hirsutism“ nach. 21 Frauen mit Hirsutismus tranken über fünf Tage zweimal täglich Spearmint-Tee. Nach dieser kurzen Zeit war das freie Testosteron signifikant gesunken. Gleichzeitig stiegen Luteinisierendes Hormon (LH), Follikelstimulierende Hormon (FSH) und Estradiol. Beim Gesamt-Testosteron und Dehydroepiandrosteron-Sulfat (DHEA-S) zeigte sich dagegen keine signifikante Abnahme. Das freie Testosteron ist dabei besonders interessant: Nur ein kleiner Teil des Testosterons zirkuliert ungebunden im Blut. Gerade diese biologisch verfügbare Fraktion kann für androgenabhängige Beschwerden relevant sein. Die kleine Untersuchung lieferte damit einen ersten Hinweis auf eine antiandrogene Wirkung von Spearmint, mehr aber noch nicht.

Nach 30 Tagen

2010 folgte mit der Studie „Spearmint herbal tea has significant anti-androgen effects in polycystic ovarian syndrome. A randomized controlled trial“ von Paul Granz eione aussagekräftigere Untersuchung. 42 Frauen mit PCOS und Hirsutismus wurden randomisiert einer Spearmint- oder Kontrollgruppe zugeteilt. Über 30 Tage wurde zweimal täglich Tee getrunken. Diesmal sanken in der Spearmint-Gruppe sowohl freies als auch Gesamt-Testosteron signifikant. LH und FSH stiegen. Die Teilnehmerinnen selbst berichteten außerdem über eine Besserung ihres Hirsutismus.

Bei der objektiven Messung zeigte sich jedoch eine wichtige Grenze: Der Ferriman-Gallwey-Score, mit dem das Ausmaß der Körperbehaarung beurteilt wird, verbesserte sich innerhalb 30 Tage nicht signifikant. Die Autorinnen und Autoren hielten es für möglich, dass der Untersuchungszeitraum zu kurz war, um eine hormonelle Veränderung bereits sichtbar an den Haaren abzubilden.

Weniger Testosteron bedeutet nicht weniger Akne

Die Ergebnisse liefern damit zwar Hinweise auf einen Einfluss von Spearmin auf die Androgenwerte, lassen aber noch keine Aussage über eine mögliche Wirkung auf Akne zu. Die beiden Studien untersuchten Hirsutismus beziehungsweise Androgenwerte, nicht Akne als primären Endpunkt. Aus den Ergebnissen lässt sich daher nicht ableiten, dass zwei Tassen Spearmint-Tee täglich Pickel reduzieren. Der Zusammenhang ist bislang indirekt: Androgene spielen bei hormoneller Akne eine Rolle und Spearmint konnte in kleinen Untersuchungen bestimmte Androgenwerte senken. Ob diese Veränderung stark und dauerhaft genug ist, um Talgproduktion und Akne klinisch relevant zu beeinflussen, wurde damit nicht beantwortet.

Auch die oft genannte Menge von zwei Tassen täglich sollte richtig eingeordnet werden. Sie stammt aus den Untersuchungsprotokollen. Daraus ist bislang keine medizinische etablierte Dosierung für PCOS oder hormonelle Akne entstanden. Die internationale evidenzbasierte PCOS-Leitlinie von 2023 enthält Spearmint-Tee nicht als etablierte Behandlung des Hyperandrogenismus. Die Versorgung reicht sich vielmehr nach den individuellen Beschwerden sowie reproduktiven und metabolischen Faktoren.

Hinzu kommt die dünne Studienbasis: 21 Frauen über fünf Tage und 42 Frauen über 30 Tage sind keine Grundlage für das Versprechen einer wirksamen Aknetherapie. Größere und längere randomisierte Studien fehlen. Spearmint-Tee ist damit wissenschaftlich spannender, als man vermutet. Die vorhandenen Humanstudien liefern Hinweise darauf, dass Mentha spicata den Androgenhaushalt beeinflussen kann. Ob daraus



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