Nicht nur die Menge an Muskelmasse, sondern auch deren Zusammensetzung könnte Hinweise auf die kardiometabolische Gesundheit liefern. Eine große deutsche Bevölkerungsstudie zeigt: Ein höherer Anteil an Fettgewebe zwischen den Muskeln ging häufiger mit Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und einer gestörten Blutzuckerkontrolle einher.
Intermuskuläres Fettgewebe, auch Intermuscular Adipose Tissue (IMAT) genannt, lagert sich zwischen und innerhalb von Muskelgruppen ein. Gleichzeitig gilt die fettfreie Muskelmasse, Lean Muscle Mass (LMM), als wichtiger Bestandteil der metabolischen Gesundheit. Wie stark beide Faktoren unabhängig voneinander oder gemeinsam mit kardiometabolischen Risikofaktoren zusammenhängen, war bei Menschen ohne bekannte Vorerkrankungen bislang jedoch nicht ausreichend geklärt.
Ein Forschungsteam untersuchte daher anhand von Daten der Deutschen Nationalen Kohorte (NAKO), ob sich Zusammenhänge zwischen Muskelfett beziehungsweise fettfreier Muskelmasse und Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen sowie einer gestörten Blutzuckerkontrolle nachweisen lassen.
Mehr als 11.000 Personen mittels MRT untersucht
In die prospektive multizentrische Bevölkerungsstudie wurden 11.348 Personen ohne bekannte Vorerkrankungen eingeschlossen. Davon waren 56,9 Prozent Männer. Das mediane Alter lag bei 43 Jahren.
Alle Teilnehmenden wurden mittels Ganzkörper-Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht. Mithilfe eines Deep-Learning-Modells bestimmten die Forschenden anhand der paraspinalen Muskulatur sowohl den Anteil des intermuskulären Fettgewebes als auch die fettfreie Muskelmasse. Bluthochdruck, eine gestörte Blutzuckerkontrolle und atherogene Fettstoffwechselstörungen wurden anhand klinischer Untersuchungen und Laborwerte erfasst.
Mit zunehmendem Alter stieg der Anteil des intermuskulären Fettgewebes, während die fettfreie Muskelmasse abnahm. Frauen wiesen im Durchschnitt einen höheren Anteil an intermuskulärem Fettgewebe und gleichzeitig eine geringere fettfreie Muskelmasse auf als Männer.
Mehr Muskelfett, mehr Risikofaktoren
Nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Studienzentrum zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen einem höheren Anteil an intermuskulärem Fettgewebe und kardiometabolischen Auffälligkeiten. Die statistischen Chancen für Bluthochdruck lagen bei höheren IMAT-Werten um rund 67 Prozent höher, jene für eine atherogene Fettstoffwechselstörung um rund 82 Prozent. Auch mit einer gestörten Blutzuckerkontrolle bestand ein Zusammenhang.
Eine höhere fettfreie Muskelmasse war dagegen bei Männern mit günstigeren Werten verbunden. Die statistischen Chancen für eine gestörte Blutzuckerkontrolle waren um rund 49 Prozent niedriger, für eine Fettstoffwechselstörung um rund 51 Prozent und für Bluthochdruck um rund 66 Prozent geringer. Bei Frauen zeigte sich dieser Zusammenhang in dieser Form nicht.
Besonders häufig traten kardiometabolische Risikofaktoren bei Personen auf, die gleichzeitig einen hohen Anteil an intermuskulärem Fettgewebe und eine geringe fettfreie Muskelmasse aufwiesen.
Muskelzusammensetzung als möglicher Marker
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass sowohl intermuskuläres Fettgewebe als auch fettfreie Muskelmasse unabhängig voneinander mit kardiometabolischen Risikofaktoren zusammenhängen können. Damit könnte neben der reinen Muskelmasse auch die Zusammensetzung des Muskelgewebes bei der Einschätzung der metabolischen Gesundheit eine Rolle spielen.
Die Studie „Associations of MRI-derived Paraspinal IMAT and LMM with Cardiometabolic Risk Factors: Results from a German Cohort“ wurde im Fachjournal Radiology veröffentlicht.
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