Mit dem Rauchen aufzuhören, fällt vielen Menschen trotz der bekannten Gesundheitsrisiken schwer. Ein aktualisierter Cochrane Review zeigt nun, dass nikotinhaltige E-Zigaretten beim Rauchstopp erfolgreicher sein können als klassische Nikotinersatzprodukte wie Pflaster oder Kaugummis. Dennoch schaffen auch damit nur wenige dauerhaft einen Rauchstopp.
Nikotin ist weiterhin die am weitesten verbreitete Suchtform in Österreich. Laut aktuellem Epidemiologiebericht Sucht der Gesundheit Österreich GmbH konsumieren rund 24 Prozent der Bevölkerung täglich Rauchwaren, elektronische Inhalationsprodukte oder rauchfreie Nikotinerzeugnisse. Elektronische Inhalationsprodukte wie E-Zigaretten und Tabakerhitzer werden von rund sechs Prozent täglich oder fast täglich verwendet, häufig zusätzlich zu klassischen Zigaretten. Fast zwei Drittel der Raucher und Raucherinnen denken laut Bericht über einen Rauchstopp nach.
Wie gut E-Zigaretten dabei helfen können, hat ein aktualisierter Cochrane Review untersucht. Das internationale Forschungsteam um Nicola Lindson und Jonathan Livingstone-Banks von der University of Oxford sowie Jamie Hartmann-Boyce von der University of Massachusetts Amherst wertete 80 abgeschlossene randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 29.861 erwachsenen Teilnehmenden aus. Die Studien stammen aus 13 Ländern, darunter 40 aus den USA, 16 aus Großbritannien und sechs aus Australien.
Die Übersichtsarbeit ist als „Living Systematic Review“ angelegt und wird regelmäßig an die aktuelle Studienlage angepasst. Als rauchfrei gilt dabei, wer keine herkömmlichen Tabakzigaretten mehr konsumiert. Eine weitere Nutzung von E-Zigaretten wird in dieser Definition nicht als Rauchen gewertet. Der Rauchstatus wurde in den Studien erfragt und, sofern entsprechende Daten verfügbar waren, zusätzlich biochemisch, etwa mittels Atemlufttests, überprüft.
Zehn von 100 schaffen den Rauchstopp
Im direkten Vergleich schnitten nikotinhaltige E-Zigaretten besser ab als etablierte Nikotinersatzprodukte. Nach sechs bis zwölf Monaten waren etwa zehn von 100 Personen, die nikotinhaltige E-Zigaretten verwendeten, rauchfrei. Mit Nikotinpflastern, Nikotinkaugummis oder anderen Formen der Nikotinersatztherapie gelang dies etwa sechs von 100 Personen.
Der Vergleich basiert auf elf Studien mit insgesamt 4114 Teilnehmenden. Das relative Risiko (RR) für einen erfolgreichen Rauchstopp lag bei 1,61. Cochrane bewertet die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz als hoch.
Die Zahlen zeigen allerdings auch die Grenzen der Methode: Rund 90 von 100 Personen schaffen den Rauchstopp auch mithilfe nikotinhaltiger E-Zigaretten nicht.
Nikotin erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit
Auch E-Zigaretten mit und ohne Nikotin wurden miteinander verglichen. Nach sechs bis zwölf Monaten zeigte sich ein Vorteil für nikotinhaltige Produkte: Von 100 Personen gelang der Rauchstopp damit bei zwei Personen mehr als bei Verwendung nikotinfreier E-Zigaretten. Grundlage waren sieben Studien mit insgesamt 1918 Teilnehmenden. Die Evidenz wird von Cochrane als moderat eingestuft.
Bei der Verträglichkeit zeigten sich zwischen nikotinhaltigen und nikotinfreien E-Zigaretten wahrscheinlich keine oder nur geringe Unterschiede. Unerwünschte Ereignisse wurden ähnlich häufig beobachtet. Dieser Vergleich basiert auf sechs Studien mit 909 Teilnehmenden (RR: 1,01).
Ähnliche Verträglichkeit wie Nikotinersatz
Auch im Vergleich zu klassischen Nikotinersatzprodukten ergaben sich keine eindeutigen Unterschiede bei unerwünschten Ereignissen. Beschwerden wie Husten, Herzklopfen oder Schwindel traten insgesamt ähnlich häufig auf. Allerdings stuft Cochrane die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz als niedrig ein. Die Auswertung basiert auf acht Studien mit 3107 Teilnehmenden; das relative Risiko lag bei 0,95.
Vorteil gegenüber alleiniger Beratung?
Untersucht wurde zudem, wie E-Zigaretten im Vergleich zu ausschließlich verhaltenstherapeutischer oder gar keiner Unterstützung abschneiden. Mittelfristig waren neun von 100 Personen, die E-Zigaretten verwendeten, rauchfrei. Mit alleiniger verhaltenstherapeutischer Unterstützung oder ohne entsprechende Hilfe waren es rund fünf von 100.
Dieser Vergleich umfasst elf Studien mit 7214 Teilnehmenden. Die Untersuchungen liefen überwiegend sechs bis zwölf Monate, eine Studie über zwei Jahre. Das RR für einen Rauchstopp betrug 1,75. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz stuft Cochrane allerdings als niedrig ein.
Ein Grund dafür ist das Verzerrungsrisiko: Die Teilnehmenden konnten nicht darüber verblindet werden, ob sie eine E-Zigarette erhielten. Zudem unterschied sich die Intensität der verhaltenstherapeutischen Unterstützung zwischen den einzelnen Studien teilweise deutlich. Damit bleibt bei diesem Vergleich eine größere Restunsicherheit.
Dualer Konsum bleibt offene Frage
Nicht eindeutig geklärt ist auch, wie häufig Menschen neben der E-Zigarette weiterhin klassische Zigaretten konsumieren. Drei von vier dazu ausgewerteten Studien deuteten darauf hin, dass dieser sogenannte duale Konsum bei Personen, die E-Zigaretten zum Rauchstopp einsetzen, kurzfristig häufiger auftritt als bei Anwenderinnen und Anwendern von Nikotinpflastern oder anderen Nikotinersatzprodukten. Für belastbare Schlussfolgerungen ist die Datenlage laut Cochrane jedoch noch zu gering und teilweise zu unpräzise.
Auch längerfristig bleiben Fragen offen. Bislang fehlen ausreichende Daten dazu, ob ehemalige Raucher über einen Zeitraum von mehr als ein bis zwei Jahren ausschließlich E-Zigaretten verwenden oder dauerhaft sowohl Tabak- als auch E-Zigaretten konsumieren.
Dampfen ist nicht risikofrei
Nikotinhaltige E-Zigaretten besitzen selbst ein Abhängigkeitspotenzial. Hinzu kommen offene Fragen zu den gesundheitlichen Folgen eines langfristigen Konsums. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) enthält der Dampf von E-Zigaretten bei bestimmungsgemäßer Verwendung zwar deutlich weniger krebserregende und andere gesundheitsschädliche Substanzen als Tabakrauch. Risikofrei ist das Dampfen dennoch nicht.
Im Aerosol können Substanzen enthalten sein, die unter anderem Lunge und Herz-Kreislauf-System schädigen können. Gleichzeitig fehlen weiterhin Langzeitstudien zu den gesundheitlichen Auswirkungen bestimmter inhalierter Aerosolbestandteile.
Leitlinie zurückhaltend
Die Bewertung von E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung fällt international entsprechend unterschiedlich aus. Die bisherige deutsche S3-Leitlinie, die derzeit aktualisiert wird, hatte E-Zigaretten zurückhaltend bewertet und nicht als Mittel der ersten Wahl empfohlen. In Großbritannien werden sie zur Unterstützung beim Rauchstopp hingegen weniger kritisch beurteilt.
