Perimenopause: Kardiovaskuläre Risiken im Blick behalten


Viktoria Anderle

Symbolbild: Ältere Frau mit Bluthochdruck misst zu Hause selbst ihren Blutdruck.
Die Perimenopause könnte den Studienautor:innen zufolge eine wichtige Phase sein, um die Herz-Kreislauf-Gesundheit gezielt zu kontrollieren.anatoliycherkas/AdobeStock_624532804

Mit den Wechseljahren scheint sich auch die Herz-Kreislauf-Gesundheit von Frauen zu verändern. Eine US-amerikanische Analyse mit mehr als 9000 Teilnehmerinnen zeigt, dass sich die entsprechenden Gesundheitswerte von der Prämenopause bis nach der Menopause kontinuierlich verschlechtern. Besonders auffällig waren ungünstige Lipid- und Blutzuckerwerte während der Perimenopause.

Die Wechseljahre gehen mit weitreichenden hormonellen und metabolischen Veränderungen einher. Neben Körperzusammensetzung und Stoffwechsel kann davon auch die Herz-Kreislauf-Gesundheit betroffen sein. Forschende aus den USA untersuchten deshalb, wie sich verschiedene kardiovaskuläre Gesundheitsparameter vor, während und nach der Menopause entwickeln.

Grundlage waren Daten der National Health and Nutrition Examination Survey aus den Jahren 2007 bis 2020. Eingeschlossen wurden 9248 Frauen zwischen 18 und 80 Jahren ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung. Schwangere und stillende Frauen wurden nicht berücksichtigt. Je nach reproduktivem Lebensabschnitt erfolgte eine Einteilung in Prä-, Peri- und Postmenopause.

Die Prämenopause umfasst die Jahre vor Beginn der Wechseljahre, die Perimenopause beginnt meist zwischen 45 und 55 Jahren und kann mehrere Jahre dauern. Als Postmenopause wird die Zeit nach der Menopause bezeichnet, die durchschnittlich um das 51. bis 52. Lebensjahr eintritt.

Acht Faktoren für die Herzgesundheit

Bewertet wurde die Herz-Kreislauf-Gesundheit anhand des Life’s Essential 8 (LE8)-Scores der American Heart Association. Dieser berücksichtigt acht zentrale Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Nikotinkonsum, Schlaf, Körpergewicht, Blutfette, Blutzucker und Blutdruck.

Auf der kontinuierlichen LE8-Skala von 0 bis 100 nahmen die nicht adjustierten medianen LE8-Werte von der Prämenopause über die Perimenopause bis zur Postmenopause ab. Dies spiegelt die kombinierten Effekte des chronologischen Alterns und der Alterung der Eierstöcke wider, schreiben die Wissenschaftler:innen. In der nicht altersbereinigten Analyse sank der mittlere LE8-Gesamtwert mit fortschreitendem Menopausenstatus kontinuierlich. Vor der Menopause lag er bei 73,3 Punkten, während der Perimenopause bei 69,1 und nach der Menopause bei 63,9 Punkten.

Über alle Gruppen hinweg schnitt die Ernährung innerhalb der acht untersuchten Faktoren am schlechtesten ab. Die höchsten Werte wurden hingegen bei der Schlafdauer erreicht. Im zeitlichen Verlauf verschlechterten sich die Ernährungswerte in allen Menopausestadien signifikant.

Perimenopause fällt besonders auf

Auch nach statistischer Berücksichtigung des Alters zeigten sich bei Frauen in der Perimenopause häufiger ungünstige Werte als bei Frauen vor der Menopause. Die Odds für einen schlechten Gesamtwert im Life’s Essential 8-Score waren nahezu doppelt so hoch (OR 1,92).

Auch bei einzelnen Stoffwechselparametern zeigten sich Unterschiede. Für ungünstige Blutfettwerte lag die Odds Ratio bei 1,76, für schlechte Blutzuckrewerte bei 1,83.

Die Unterschiede lassen sich damit laut den Studienautor nicht allein durch das zunehmende Alter erklären.

Perimenopause als Zeitpunkt für Prävention

Die Perimenopause könnte demnach eine wichtige Phase sein, um die Herz-Kreislauf-Gesundheit genauer im Blick zu behalten. Dazu zählen etwa Blutdruck, Blutfett- und Blutzuckerwerte sowie Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Ernährung und Schlaf.

Das größte Verbesserungspotenzial zeigte sich über alle untersuchten Gruppen hinweg bei der Ernährung. Die Autoren sehen daher gerade in dieser Lebensphase eine Möglichkeit, frühzeitig präventiv gegenzusteuern und mögliche kardiovaskuläre Risikofaktoren zu erkennen.

Das Paper wurde unter dem Titel „Cardiovascular Health Characterization Using Life’s Essential 8 Score in Perimenopausal Women: An Analysis of the National Health and Nutritional Examination Survey“ im Journal of the American Heart Association veröffentlicht.

MEDWISS.ONLINE



– Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!

[sibwp_form id=1]