Kein spezifischer mRNA-Bonus bei der Krebsimmuntherapie


Redaktion

Symbolbild: Holzblöcke mit der Aufschrift "mRNA".
Eine Impfung rund um den Beginn einer Krebstherapie war in der Analyse mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden, ein spezifischer Vorteil von mRNA-Impfstoffen zeigte sich jedoch nicht. Foto:stock.adobe.com/thodonal

Eine Impfung rund um den Beginn einer Krebstherapie ist mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden. Dieser Zusammenhang scheint jedoch nicht spezifisch für mRNA-Impfstoffe zu sein. Eine neue Analyse von US-Medicare-Daten zeigt einen ähnlichen Effekt auch nach einer Grippeimpfung und stellt damit die Annahme infrage, mRNA-Impfstoffe könnte die Krebsimmuntherapie gezielt verstärkt.

Ausgangspunkt war eine 2025 in „Nature“ veröffentlichte Untersuchung. Darin lebten Krebspatient:innen länger, wenn sie zu Beginn einer Immuntherapie gegen Covid-19 mit einem mRNA-Impfstoff geimpft worden waren. Die Forschenden vermuteten damals einen besonderen immunmodulierenden Effekt und damit möglicherweise einen zusätzlichen Schub für die Krebstherapie. Eine nun in „PNAS“ veröffentlichte Studie kommt zu einer zurückhaltenderen Bewertung. Das Team um René Karadakic von der ETH Zürich untersuchte Daten von 121.676 US-Medicare-Versicherten, die zwischen September 2020 und Juni 2021 eine systematische Krebstherapie begonnen hatten.

10.824 von ihnen erhielten eine Immun-Check-point-Therapie. Verglichen wurden Patient:innen, die rund um den Therapiebeginn gegen Covid-19 oder Influenza geimpft worden waren, mit ungeimpften Personen.

Ähnlicher Effekt nach Grippeimpfung

Auch in dieser Analyse war eine Impfung in zeitlicher Nähe zu Beginn der Krebstherapie mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden. Entscheidend ist jedoch: Ein vergleichbarer Zusammenhang zeigte sich auch nach einer Grippeimpfung. Zudem lebten geimpfte Krebspatient:innen auch dann länger, wenn sie gar keine Immuntherapie erhielten. Für die Forschenden spricht das gegen einen Mechanismus, der ausschließlich auf mRNA-Impfstoffe und deren Zusammenspiel mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren zurückzuführen ist. Aus den verfügbaren Daten lasse sich daher „kein spezifischer Vorteil von mRNA-Impfstoffen bei der Krebsimmuntherapie ableiten“.

Warum Geimpfte länger leben, bleibt offen

Die Studie beantwortet allerdings nicht die Frage, weshalb geimpfte Patient:innen insgesamt besser abschnitten. Denkbar sind direkte Auswirkungen einer Immunaktivierung. Ebenso könnte der Schutz vor schweren Infektionen eine Rolle spielen. Hinzu kommen mögliche Unterschiede zwischen geimpften und ungeimpften Patient:innen. Wer sich impfen lässt, kann sich etwa hinsichtlich Gesundheitszustand, Vorsorgeverhalten oder Zugang zur medizinischen Versorgung von ungeimpften Personen unterscheiden. Solche Faktoren können Beobachtungsstudien erheblich beeinflussen.

Todesursache nicht erfasst

Eine weitere Einschränkung liegt in den verfügbaren Daten. Erfasst wurde zwar, ob ein Patient oder Patientin verstorben war, nicht jedoch die konkrete Todesursache. Damit lässt sich nicht feststellen, ob die geringere Sterblichkeit auf weniger krebsbedingte Todesfälle, auf weniger schwere Infektionen oder auf andere Ursachen zurückführen war.

Die Ergebnisse widerlegen daher nicht grundsätzlich die Annahme, dass Impfungen das Immunsystem und möglicherweise auch die Krebsabwehr beeinflussen können. Sie liefern jedoch keinen Beleg dafür, dass mRNA-Impfstoffe bei der Krebsimmuntherapie einen besonderen Zusatznutzen haben.

APA



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