Ein großer Teil der eingenommenen Medikamente wird vom Körper wieder ausgeschieden. Daher werden im Wasserkreislauf unter anderem Diclofenac, Ibuprofen, Carbamazepin und Antibiotika wie Sulfamethoxazol nachgewiesen. Stoffe die biologisch aktiv bleiben und die Umwelt belasten können.
Im Rahmen eines Sondermessprogramms hat das Umweltbundesamt 90 Arzneimittelwirkstoffe im Grundwasser analysiert. Die Ergebnisse zeigen: Rückstände sind nachweisbar, wenn auch meist in sehr niedrigen Konzentrationen. Arzneimittelwirkstoffe werden zudem nicht nur Oberflächengewässern, sondern auch im Grund– und Trinkwasser gefunden. Eine österreichweite Untersuchung an 54 gezielt ausgewählten Grundwassermessstellen zeigte, dass an sieben dieser Standorte Antibiotikawirkstoffe nachweisbar waren.
Die Messstellen waren über das Bundesgebiet verteilt, wurden jedoch bewusst an Standorten mit potenziell erhöhtem Eintragsrisiko ausgewählt. Auch in Trinkwasserproben wurden vereinzelt Rückstände festgestellt. Damit ist klar, selbst in einem Land mit hoher Wasserqualität lassen sich Arzneimittelrückstände nachweisen. Es handelt sich dabei nicht um Einzelfälle, sondern um ein messbares und wiederkehrendes Phänomen.
Alltag als Hauptquelle
Eine Hauptursache für diese Rückstände liegt nicht in Fehlverhalten sondern in der regulären Anwendung. Ein Großteil der Wirkstoffe wird nach der Einnahme im Urin und den Fäkalien wieder ausgeschieden. Kläranlagen sind jedoch nicht darauf ausgelegt alle pharmazeutischen Substanzen vollständig herauszufiltern. Mit steigender Wirkstoffvielfalt und zunehmenden Verbrauch nimmt auch der Eintrag in die Umwelt kontinuierlich zu. In Österreich werden täglich mehr als zwei Tonnen Medikamente konsumiert, bei einer Vielzahl von über 13.000 zugelassenen Präparaten. Dadurch gelangen immer mehr Wirkstoffe in den Wasserkreislauf.
Auch bei äußerlichen angewandten Wirkstoffen zeigt sich dieser Zusammenhang. Bei Diclofenac-haltigen Gelen können Rückstände beim anschließenden Händewaschen ins Abwasser gelangen. Dieser zusätzliche Eintritt lässt sich durch einen bewussten Umgang zwar reduzieren, vollständig vermeiden lässt er sich jedoch nicht. Gerade Diclofenac gilt zudem als ökologisch sensibler Wirkstoff, nicht zuletzt wegen seiner bekannten Auswirkung auf Geier im Zusammenhang mit veterinärmedizinischen Rückständen.
Welche Substanzen besonders auffallen
Besonders häufig nachweisbar sind Wirkstoffe aus folgenden Gruppen:
- Analgetika und NSAR
- Antibiotika
- Psychopharmaka und Antiepileptika
Gerade Antibiotika stehen im Fokus, da sie zur Entwicklung von Resistenzen im Umweltbereich beitragen können. In österreichischen Untersuchungen des Bundesministeriums für Landwirtschaft wurden unter anderem Sulfamethoxazol, Erythromicin, Lincomycin sowie Sulfadimidin und Sulfathiazol im Grundwasser nachgewiesen. Dies gemessenen Konzentrationen lagen dabei meist im Bereich von wenigen Nanogramm pro Liter. Auch im Trinkwasser konnten vereinzelte Rückstände, etwa Sulfamethoxazol, festgestellt werden.
Die Werte liegen zwar deutlich unter gesundheitlichen relevanten Grenzbereich, zeigen jedoch klar, dass Arzneistoffe selbst nach der Aufbereitung nicht vollständig aus dem Wasserkreislauf entfernt werden. Beim Genuss von Trinkwasser sei laut Bericht derzeit nichts zu befürchten, dennoch gibt es aus Laborversuchen und ersten Felduntersuchungen Hinweise, dass Gewässerökosystem durch Arzneimittelrückstände beeinträchtigt werden können. Dabei wurden vor allem mehr Human- als Tierarzneimittel nachgewiesen, mit Konzentrationen von bis zu 10 µg/l, in Einzelfällen auch darüber. Besonders auffällig war ein Spitzenwert von 492 µg/l für das Schmerzmittel Paracetamol in einem Kläranlagenzulauf.
Einfluss oft noch ungeklärt
Viele Arzneimittelrückstände lassen sich heute zwar messen, ihr tatsächlicher Einfluss auf Umwelt und Gesundheit ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Genau in dieser Unsicherheit liegt die eigentliche Herausforderung. Es geht nicht um akute Risiken, sondern um langfristige Entwicklungen, die sich nur schwer abschätzen lassen. Mit steigender Wirkstoffvielfalt und zunehmendem Einsatz wird auch die Belastung der Umwelt weiter an Bedeutung gewinnen. Technische Lösungen wie verbesserte Kläranlagen sind nur ein Teil der Antwort, entscheidend bleibt auch, wie bewusst mit Arzneimitteln im Alltag umgegangen wird.
