Über Nacht aufkleben, morgens abziehen und der Pickel ist hoffentlich verschwunden. Pickel-Patches versprechen schnelle Hilfe bei einzelnen Hautunreinheiten. Ob das funktioniert, hängt weniger von der Marke als davon ab, was unter dem Pflaster steckt.
Pickel-Patches haben sich von unscheinbaren Hydrokolloid-Pflaster zum Beautyprodukt entwickelt. Es gibt sie transparent, bunt oder sternförmig, mit Salicylsäure, Nicacinamid oder winzigen löslichen Mikronadeln. Was im Regal ähnlich aussieht, funktioniert nach unterschiedlichen Prinzipien. Wer das falsche Patch auf den falschen Pickel klebt, dürfte am nächsten Morgen wenig Veränderung sehen.
Hydrokolloid Pflaster
Der Klassiker besteht aus Hydrokolloid, einem Material, das ursprünglich aus der Wundversorgung bekannt ist. Es nimmt Wundsekret auf und bildet dabei ein Gel. Genau das erklärt den typischen weißlichen Fleck, der nach einige Stunden unter einem getragenen Pickel-Patches sichtbar wird. Am meisten lässt sich davon bei einem oberflächlichen entzündlichen Pickel erwarten, insbesondere wenn bereits ein weißliches Köpfchen vorhanden ist oder die Stelle geöffnet wurde. Das Patch nimmt austretende Flüssigkeit aus und deckt die Haut gleichzeitig ab. Dadurch gelangen Schmutz und Kosmetik weniger leicht an die empfindliche Stelle. Auch das häufige Drücken und Kratzen wird erschwert.
Bei einem geschlossenen Mitesser oder einem tief unter der Haut liegenden, schmerzhaften Knoten stößt Hydrokolloid dagegen an seine Grenzen. Solange keine Flüssigkeit an die Oberfläche gelangt, gibt es für das Material kaum etwas aufzunehmen. Das Pflaster kann die Stelle zwar schützen, den tiefsitzenden Pickel aber nicht einfach „herausziehen“.
Eine kleine randomisierte Doppelblindstudie „A pilot study on efficacy treatment od acne vulgaris using a new methode“, untersuchte bereits Hydrokolloid-Auflagen bei 20 Personen mit leichter bis mittelschwerer Akne. Über sieben Tage schnitten die Hydrokolloid-Auflagen bei mehreren untersuchten Parametern besser ab als gewöhnliches Hauttape: Sie reduzierten den Gesamt-Schweregrad der Akne, Entzündung, Rötung, Fettigkeit und dunkle Pigmentierung stärker und senkten zudem den Hautfettgehalt (Sebum) signifikant. Wegen der geringen Teilnehmerzahl lässt sich daraus allerdings kein Beleg für jedes heute erhältliche Pickel-Patch ableiten.
Patches mit Salicylsäure
Daneben stehen Produkte, die ein Hydrokolloid mit Wirkstoffen kombinieren. Häufig findet sich Salicylsäure auf der Inhaltsliste. Die Beta-Hydroxysäure löst Verhornungen und wird deshalb auch in der Aknebehandlung eingesetzt. Niacinamid und Teebaumöl wiederum werden aufgrund der hautberuhigenden und entzündungshemmenden Eigenschaft verwendet. Das klingt nach einem klaren Vorteil gegenüber einfachem Hydrokolloid, lässt sich aber nicht auf jedes Produkt übertragen. Ausschlaggebend sind Wirkstoffkonzentration, Formulierung und die Frage, wie viel davon aus einem kleinen Pflaster in die Haut gelangt.
Bei empfindlicher Haut kann weniger sogar mehr sein: Wer bereits Retinoide, Benzoylperoxid oder Säuren verwendet, sollte zusätzliche Wirkstoff-Patches nicht wahllos auf gereizte Stellen kleben. Unter der abdeckenden Schicht kann die Haut empfindlicher reagieren.
Mirconeedle-Patches
Eine andere Strategie verfolgen sogenannte Mirconeedle-Patches. Auf ihrer Unterseite sitzen witzige, meist lösliche Strukturen, die beim Aufkleben in die obersten Hautschichten eindringen. Darüber sollen enthaltene Substanzen näher an die betroffene Stelle gelangen. Gedacht sind solche Produkte eher für Pickel, die noch geschlossen sind und tiefer sitzen.
Eine 2022 veröffentliche klinische Untersuchung, „Ance and ist post-inflammatory hyperpigmentation treatment by applying anti-acne dissolving microneedle patches“ mit 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern prüfte ein entsprechendes Microneedle-System bei entzündlichen Akne-Läsionen. Bereits nach drei Tagen wurde eine Verringerung gemessenen Pickelvolumens um 12,4 Prozent beschrieben, die Anwendung wurde insgesamt über 28 Tage untersucht. Die Untersuchung war klein, und Microneedle-Patches unterscheiden sich hinsichtlich Material, Wirkstoffen und Aufbau. Ein beliebiges Produkt aus dem Drogerieregel muss nicht dieselben Ergebnisse erzielen.
Wer dagegen regelmäßig zahlreiche entzündliche Pickel, tiefe schmerzhafte Knoten oder Narben entwickelt, sollte sich nicht von Patch zu Patch behandeln. Dann geht es nicht mehr um einen einzelnen störenden Pickel, sondern möglicherweise um behandlungsbedürftige Akne.
