Verkehrsabgase erhöhen Krebsrisiko bei Kindern


Viktoria Anderle

Neugeborene und Säuglinge sind besonders von lebensgefährlichen Komplikationen bedroht.
In den Untergruppenanalysen war verkehrsbedingte Luftverschmutzung nach der Geburt stärker mit einem erhöhten Leukämierisiko verbunden als eine Belastung bereits während der Schwangerschaft.AdobeStock_391101652/Prostock-studio

Luftverschmutzung durch Straßenverkehr könnte auch für die Krebsentstehung im Kindesalter eine Rolle spielen. Eine aktuelle Metaanalyse bündelt die bisherige Evidenz zu Feinstaub, Stickstoffdioxid und Benzen und zeigt dabei vor allem für die Zeit nach der Geburt auffällige Zusammenhänge.

Seit Längerem wird untersucht, ob verkehrsbedingte Luftverschmutzung mit einem erhöhten Krebsrisiko bei Kindern verbunden sein könnte. Forschende werteten dazu nun die bisherige Studienlage systematisch aus.

Berücksichtigt wurden Untersuchungen zur Belastung mit Feinstaub der Partikelgröße 2,5, Stickstoffdioxid und Benzen vor und nach der Geburt. Die Literaturrecherche umfasste PubMed, Web of Science und die Cochrane Library und schloss Studien ein, die bis Juni 2024 veröffentlicht worden waren.

25 Studien ausgewertet

Insgesamt gingen 25 Studien in die Metaanalyse ein. Die Forschenden untersuchten sowohl die pränatale als auch die postnatale Belastung durch verkehrsbedingte Luftschadstoffe und betrachteten dabei unterschiedliche Krebserkrankungen im Kindesalter.

Für Feinstaub zeigte sich ein Zusammenhang mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL). Pro Anstieg der Feinstaubbelastung um 10 μg/m³ lag die Odds Ratio bei 1,29. Das bedeutet ein etwa 29 Prozent erhöhtes relatives Risiko an ALL zu erkranken. Dieses Ergebnis basierte auf fünf Studien. Auch beim Retinoblastom zeigte sich eine deutliche Assoziation mit Feinstaub. Hier lag die Odds Ratio bei 1,68.

Benzen ebenfalls auffällig

Für Benzen fanden die Forschenden ebenfalls Zusammenhänge. Pro Anstieg um 1 μg/m³ war die Bealstung mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Krebserkrankungen im Kindesalter insgesamt verbunden (OR 1,12). Bei der akuten myeloischen Leukämie lag die Odds Ratio bei 1,22.

Belastung nach der Geburt besonders relevant

In den Untergruppenanalysen fiel auf, dass die verkehrsbedingte Luftverschmutzung nach der Geburt stärker mit einem erhöhten Leukämierisiko verbunden war als eine Belastung bereits während der Schwangerschaft. Dieser Unterschied zeigte sich sowohl für Feinstaub als auch für Stickstoffdioxid.

Die Ergebnisse liefern damit Hinweise darauf, dass insbesondere die Exposition in den ersten Lebensjahren relevant sein könnte. Einen ursächlichen Zusammenhang kann die Metaanalyse allerdings nicht belegen.

Das Paper wurde unter dem Titel „Prenatal and postnatal exposure to traffic-related air pollution (TRAP) and childhood cancer: Systematic review and meta-analysis“ im Fachjournal Environmental Research veröffentlicht.

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