In der Demokratischen Republik Kongo ist während der Ebola-Epidemie ein Test-Impfprogramm angelaufen. In Bunia in der Provinz Ituri erhielten erste Freiwillige aus dem medizinischen Personal den Impfstoff Ervebo. Im Rahmen der neun bis zwölf Monate dauernden klinischen Studie sollen insgesamt 20.000 Menschen geimpft werden.
Für den verfügbaren Lebendimpfstoff Ervebo ist bislang nur eine sichere und wirksame Anwendung gegen den Zaire-Stamm des Ebola-Virus nachgewiesen. Ob der Impfstoff auch gegen die derzeit im Kongo grassierende Bundibugyo-Variante schützt, ist bisher unklar. Genau diese Frage soll nun im Rahmen der Studie untersucht werden.
Vorläufige Daten weisen auf Schutz hin
Die Studie mit dem Namen BRAVO wird federführend von Ärzte ohne Grenzen und Epicentre durchgeführt, dem epidemiologischen Forschungsinstitut der Organisation. „Ervebo ist zwar ursprünglich nicht zum Schutz vor dem Bundibugyo-Virus entwickelt worden, vorläufige Daten deuten aber darauf hin, dass es auch hierfür einen gewissen Schutz bieten könnte“, sagt Guyguy Manangama, Epidemiologe und stellvertretender Leiter der Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen. „In einem Wettlauf gegen die Zeit, wie wir ihn in der DR Kongo derzeit erleben, müssen wir jedes uns zur Verfügung stehende Instrument nutzen. Selbst ein nur teilweiser Schutz könnte dazu beitragen, die Zahl schwerer Krankheitsverläufe und Todesfälle zu reduzieren. Diese potenziellen Vorteile müssen jedoch wissenschaftlich nachgewiesen werden. Genau das ist der Zweck von BRAVO.“
Auch die Medizinische Einsatzkräfte in Bunia begrüßen die Impfungen. „Wir haben jeden Tag Kontakt mit den Kranken, und es ist wichtig, dass wir geschützt sind, damit wir anschließend unsere Patienten schützen können“, sagte die Krankenschwester Annie Banage der Nachrichtenagentur AFP. Die Ärztin Nicole Nlandu sagte, sie denke, dass sie mit dem Impfstoff „weniger Risiko hat, die schwere Form“ der Krankheit zu bekommen.
Schwerster Ausbruch bisher
Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika war Mitte Mai offiziell festgestellt worden. Seitdem registrierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 7200 Infektionen und mehr als 3600 Todesfälle. Derzeit befänden sich 837 Menschen in Isolation oder Behandlung. Es handelt sich um den schwersten Ausbruch des Virus in der Geschichte des Landes.
Ebola wird durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten Infizierter übertragen. Die Krankheit führt zu Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall bis hin zu inneren Blutungen und Organversagen. In den vergangenen 50 Jahren starben auf dem afrikanischen Kontinent mehr als 15.000 Menschen an Ebola.
Impfung als zusätzlicher Schutz
Mehrere speziell gegen das Bundibugyo-Virus entwickelte Impfstoffe befinden sich derzeit in Entwicklung und könnten in den nächsten Monaten verfügbar werden. „Man muss betonen, dass dieser Impfstoff den Ausbruch nicht beenden wird“, so Guyguy Manangama. „Aber er könnte besonders gefährdeten Personen einen zusätzlichen Schutz bieten und die Eindämmungsmaßnahmen insgesamt verstärken.“
Ervebo: Rekombinanter Lebendimpfstoff
Ervebo ist ein Impfstoff zum Schutz vor einer durch das Zaire-Ebolavirus verursachten Ebola-Erkrankung und kann bei Erwachsenen sowie Kindern ab einem Jahr eingesetzt werden. Es handelt sich um einen rekombinanten Lebendimpfstoff auf Basis eines abgeschwächten vesikulären Stomatitisvirus. Dieses wurde so verändert, dass es ein Protein des Zaire-Ebolavirus trägt. Der Impfstoff wird einmalig intramuskulär verabreicht, meist in den Deltamuskel am Oberarm oder alternativ in einen Oberschenkelmuskel.
Nach der Impfung erkennt das Immunsystem das enthaltene Ebola-Virusprotein und bildet eine spezifische Immunantwort dagegen. Kommt die geimpfte Person später mit dem Zaire-Ebolavirus in Kontakt, kann das Immunsystem schneller reagieren. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Schmerzen, Schwellung und Rötung an der Einstichstelle sowie Kopfschmerzen, Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Schüttelfrost, verminderter Appetit und Bauchschmerzen. Die Beschwerden sind meist leicht bis mäßig ausgeprägt und klingen in der Regel innerhalb weniger Tage wieder ab.
In einer Studie während eines Ebola-Ausbruchs in Guinea erkrankte zwischen Tag 10 und 31 nach der Impfung keiner der 2108 sofort mit Ervebo geimpften Teilnehmenden an Ebola. In der Vergleichsgruppe mit 1429 Personen, deren Impfung erst nach 21 Tagen erfolgte, traten dagegen zehn Ebola-Fälle auf. Wie lange der Impfschutz insgesamt anhält, ist laut Europäischer Arzneimittel-Agentur (EMA) bislang nicht abschließend geklärt. Bei Kindern war die ausgelöste Immunantwort noch zwölf Monate nach der Impfung nachweisbar.
APA
