Silberpartikel in kosmetischen Produkten standen zuletzt aufgrund möglicher gesundheitlicher Risiken verstärkt im Fokus der europäischen Behörden. Nun kommt das Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) nach Vorlage neuer Daten zu einer aktualisierten Einschätzung: Mikrometergroßes partikuläres Silber gilt unter bestimmten Konzentrationen in verschiedenen kosmetischen Produkten als sicher.
Silber wird in kosmetischen Produkten vor allem als Farbstoff (CI 77820) sowie aufgrund seiner antimikrobiellen Eigenschaften eingesetzt. Aufgrund seiner metallisch-schimmernden Eigenschaften wird es unter anderem in Lidschatten, Highlightern, Nagellacken, Körperpudern sowie in abspülbaren und nicht abspülbaren Pflegeprodukten verwendet.
Reproduktionstoxisch?
In den vergangenen Jahren geriet insbesondere mikrometergroßes partikuläres Silber verstärkt in den Fokus der europäischen Behörden, nachdem der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) 2023 empfohlen hatte, Silber als reproduktionstoxisch der Kategorie 2 einzustufen. Das SCCS bewertete mikrometergroßes Silber daraufhin zunächst kritisch und stufte es 2024 in Konzentrationen von bis zu 0,2 Prozent in abspülbaren sowie 0,3 Prozent in nicht abspülbaren kosmetischen Produkten als nicht sicher ein. Neue Studien zur Hautpenetration führten nun jedoch zu einer aktualisierten Sicherheitsbewertung.
Neue Daten verändern Bewertung
Das SCCS veröffentlichte dazu ein wissenschaftliches Gutachten Ende Mai. Bei dem SCCS handelt es sich um ein unabhängiges wissenschaftliches Expertengremium der Europäischen Kommission, das die EU zu Gesundheits- und Sicherheitsrisiken von Verbraucherprodukten wie Kosmetika berät. Bewertet wurde mikrometergroßes partikuläres Silber mit einem Partikeldurchmesser zwischen 100 Nanometer und 1 Millimeter. Die Experten prüften dabei erneut die Sicherheit der Substanz unter Berücksichtigung neuer Daten sowie einer früheren SCCS-Stellungnahme aus dem Jahr 2024.
Neu eingereichte Studien zur Hautpenetration führten nun zu einer Neubewertung. Insgesamt zeigen die neuen Studien laut SCCS konsistent, dass Silber in tropischer Form nicht dermal aufgenommen wird. Silber wurde, unabhängig davon, ob partikulär, ionisch oder komplexgebunden, ausschließlich im Stratum corneum nachgewiesen. Da Stoffe, die in dieser äußeren Hautschicht verbleiben, laut SCCS-Leitlinien nicht als systemisch verfügbar gelten, sieht das Expertengremium lediglich ein vernachlässigbares Risiko einer systemischen Exposition über die Haut. Dadurch stuft das Expertengremium Silber inzwischen als sicher ein, sofern bestimmte Höchstkonzentrationen eingehalten werden.
Diese Konzentrationen gelten als sicher
Nach aktueller Einschätzung des SCCS gilt mikrometergroßes Silber:
- bis zu 0,2 Prozent in abspülbaren kosmetischen Produkten,
- bis zu 0,3 Prozent in nicht abspülbaren Produkten,
- bis zu 0,2 Prozent in Mundhygieneprodukten sowie
- bis zu 0,3 Prozent in Nagelprodukten
als sicher.
Auch für kosmetische Produkte für Kinder werden dieselben Konzentrationen grundsätzlich als sicher bewertet. Eine Ausnahme bilden Mundspülungen: Hier sieht das SCCS lediglich Konzentrationen bis maximal 0,05 Prozent als sicher an.
Keine Bewertung für Sprayprodukte
Nicht bewertet wurde die Verwendung von mikrometergroßem Silber in treibgasbasierten Sprayprodukten. Laut SCCS waren diese Anwendungen nicht Teil des eingereichten Dossiers und wurden deshalb nicht hinsichtlich ihrer Sicherheit untersucht.
Das SCCS weist außerdem darauf hin, dass sich die aktuelle Bewertung ausschließlich auf mikrometergroßes partikuläres Silber bezieht und nicht auf nanoskaliges kolloidales Silber. Für Nano-Silber hatte das Gremium bereits in früheren Stellungnahmen auf bestehende Datenlücken und offene Sicherheitsfragen hingewiesen.
Das Gutachten wurde unter dem Namen „Scientific Advice on Silver used in cosmetic products“ vom Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) veröffentlicht.
